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Auf der Grünen Woche in Berlin wird wieder über Tierwohl-Label diskutiert. Was ist dran an diesen Kennzeichnungen und was taugen sie? Wir zeigen die Label und ihre Ansprüche.

Heutzutage reicht es nicht mehr, zu wissen, aus welchem Land, aus welcher Region das Schwein kommt – viele Verbraucher wollen beim Kauf von Wurst und Fleisch auch wissen, wie es im Stall aussieht. Ob das Tier genügend Platz hatte, ob es artgerecht gehalten wurde. Diese Informationen will der Kunde gerne beim Einkauf auf der Verpackung erkennen. Deshalb gibt es immer mehr Kennzeichen, die auf das Tierwohl abzielen.

Geplant ist auch ein staatliches Tierwohl-Label. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat schon im vergangenen Jahr erste konkrete Kriterien für die Haltung von Schweinen vorgelegt. In Kraft treten sollen sie eigentlich noch 2020. Bereits im April 2019 haben Discounter ein gemeinsames Label eingeführt. Und dann gibt es schon länger die Initiative Tierwohl (ITW) von Land- und Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. Dieses Label will ab 2021 richtig durchstarten. Die höchsten Ansprüche an die Tierhaltung stellt allerdings das Label des Deutschen Tierschutzbundes.

Tierschutzbund: Für mehr Tierschutz

Einsteiger-Label vom Tierschutzbund. (Foto: SWR)
Einsteiger-Label vom Tierschutzbund.

Offener Stall oder Auslauf, ein Stück Holz, das an einer Kette hängt, oder Stroh – also Beschäftigungsmaterial. Wo die Schweine wühlen, scheuern, beißen können. Tageslicht, doppelt so viel Platz, wie gesetzlich vorgeschrieben.

So leben die Schweine, deren Schnitzel mit dem hellblauen Label des Deutschen Tierschutzbunds gekennzeichnet sind. Premiumstufe mit zwei Sternen – das kommt an Bioqualität heran. Die Einstiegsstufe mit nur einem Stern hat aber schon niedrigere Ansprüche.

Haltungskompass der Supermärkte

Label Haltungskompass der Supermärkte (Foto: SWR)
Der "Haltungskompass" beim Discounter.

Discounter wie Lidl und inzwischen auch manche Supermärkte haben seit 2018 ein eigenes, einheitliches Label Haltungsform eingeführt. Ein „Zeiger“ auf diesem „Haltungskompass“ signalisiert, wie streng oder weniger streng die Haltung ist. Er kann auf Stufe 1 stehen – die bietet den Schweinen nur das, was gesetzlich vorgeschrieben ist. Stufe 2 liefert ein kleines Plus an Komfort, wie ein Strohballen und acht Quadratzentimeter mehr Platz.

Erst ab Stufe 3 gibt es spürbar mehr Platz, offener Stall oder Auslauf. Stufe 4 wäre Bioqualität. Das Problem: Produkte der Stufe 3 und 4 sind bislang im Laden kaum zu finden.

Initiative Tierwohl

Das Tierwohllabel der Initiative (Foto: SWR)
Hinter der Initiative Tierwohl stecken Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel.

Der Zusammenschluss aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel Initiative Tierwohl (ITW) bietet seit Herbst 2018 gekennzeichnetes Schweinefleisch an. Das ITW-Siegel auf der Packung gibt dem Verbraucher am wenigsten Klarheit. Der Handel darf mit dem Schriftzug werben, einfach nur weil er zahlendes Mitglied der Initiative ist.

Stammt das Fleisch tatsächlich von einem Betrieb, der mehr fürs Schweinewohl tut, ist das extra vermerkt. Das Mehr an Tierwohl liegt aber nur leicht über dem gesetzlichen Standard. Für das Jahr 2021 plant die Initiative Tierwohl eine Umstellung ihres Geschäftsmodells. Ab 2021 sollen Bauern, die bei der ITW mitmachen, einen festen „Tierwohl“-Aufschlag vom Schlachter bekommen. Gleichzeitig stellen die Supermärkte, die der ITW angehören, darunter Rewe, Edeka und Aldi, ihr Fleischsortiment um. Sie wollen das Fleisch mit der ITW-Kennung zum Standard machen. Der Absatzmarkt wird also wachsen, und das bei laut ITW voraussichtlich geringen Aufschlägen für den Verbraucher.

Das staatliche Tierwohl-Label

Das staatliche Label (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das staatliche Label erntet Kritik. Picture Alliance

Auf all die verschiedenen Kennzeichen will Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner noch ein weiteres setzen. Eines mit drei Stufen: von Einstieg – mit Kriterien leicht über dem Standard – bis Premium mit viel mehr Platz und Auslauf.

Positiv daran: Es werden Ansprüche auch an Futter, Transport und Schlachtung gestellt. Das leistet ansonsten nur das Label des Deutschen Tierschutzbundes. Negativ ist: Es bleibt eine freiwillige Kennzeichnung. Umweltschützer fordern dagegen eine verpflichtende Kennzeichnung und strengere Kriterien.

Mehr Labels auf der Webseite der Verbraucherinitiative e.V.

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