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Mit der brandneuen Küchenmaschine Cookit fordert Bosch den Platzhirsch Thermomix heraus. Kann der Herausforderer den bisherigen Testsieger vom Thron stoßen?

Die Deckenlampe im Kinderzimmer blinkt und signalisiert damit, dass das Abendessen fertig ist. Zusätzlich erscheint eine Meldung auf dem Handy. Zuvor haben die Eltern die Speise via Sprachsteuerung zubereitet. Was klingt wie Science-Fiction, wird mit dem Bosch Cookit tatsächlich Realität. Die Küchenmaschine kann übers Internet mit Philips-Hue-Lampen verbunden werden, die dann signalisieren, wenn ein Arbeitsschritt erledigt ist. Außerdem können Kunden das Gerät mit Amazon Echo verbinden und über Alexa steuern.

Thermomix (Foto: Bosch)
Das Modell "Cookit" von Bosch fordert den Thermomix von Vorwerk heraus. Bosch

Cookit: Verbesserungen gegenüber Thermomix

Mit dem Cookit wagt Bosch einen Frontalangriff auf den Thermomix von Vorwerk – bisher der Platzhirsch unter den Küchenmaschinen. Man merkt, dass die Entwickler sich viele Gedanken gemacht haben, was man an einer Küchenmaschine gegenüber dem Thermomix noch verbessern könnte. Und tatsächlich ist ihnen das an einigen Stellen gelungen.

Sowohl der Thermomix als auch der Bosch Cookit haben einen Touch-Display mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die einen durch die Rezepte führen. Auch Koch-Anfängern sollen dadurch anspruchsvolle Gerichte gelingen. Außerdem werben beide Küchenmaschinen mit einer Verringerung der aktiven Kochzeit. Dadurch soll es einfacher werden, täglich frisch und gesund zu kochen – gerade für Familie mit Kindern ein Kaufargument.

Wie wirkt sich Mehrwertsteuersenkung bei Thermomix und Cookit aus?

Beide Geräte verbinden sich mit dem WLAN, haben eine integrierte Küchenwaage und einen stolzen Preis: Der Thermomix kostet 1.359 Euro - auf unsere Frage, ob Vorwerk die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergibt, hat Vorwerk uns mitgeteilt, man wolle den neuen Preis nicht vor dem 1. Juli kommunizieren. Bosch gibt die Mehrwertsteuersenkung schon vor dem 1. Juli an die Kunden weiter und verkauft den Cookit für 1.266 Euro.

Die Töpfe von Thermomix und Bosch Cookit (Foto: SWR)
Ein Vorteil: Der Bosch Cookit hat einen größeren Topf als der Thermomix TM6.

Größerer Topf bei Bosch Cookit

Sofort ins Auge sticht der deutlich größere Topf beim Cookit. Während der Thermomix-Topf nur 2,2 Liter fasst, fasst der Cookit 3 Liter. Immer wieder gab es Kritik am Thermomix, dass die Mengen für eine vierköpfige Familie oft nur gerade so reichen. Das ist ein Pluspunkt bei Bosch. Noch wichtiger als das reine Volumen ist, dass der Topf unten eine breitere Ablage-Fläche hat. Dadurch wird es tatsächlich möglich, im Cookit zum Beispiel vier Rinderfilets gleichzeitig anzubraten.

Cookit überzeugt beim Anbraten

Auch hier haben sich die Entwickler offenbar genau überlegt, wie sie gegenüber dem Thermomix auftrumpfen können: Der Cookit ist die erste Küchenmaschine, bei der uns das Anbraten von Fleisch im Topf überzeugt hat. Der Thermomix TM6 wirbt zwar auch damit, aufgrund der kleinen Topfboden-Fläche ist die Pfanne in der Praxis aber doch oft die bessere Wahl, wenn man auf Röstaromen Wert legt.

Thermomix Vorwerkt Bosch Cookit (Foto: SWR)
Auch scharf anbraten kann man im Bosch Cookit.

Höhere Temperatur bei Bosch Cookit

Ein weiterer Pluspunkt beim Cookit ist die deutlich höhere Maximaltemperatur: Der Cookit erreicht bis zu 200°C und macht es dadurch möglich, dass man zum Beispiel Popcorn im Topf zubereiten kann.

Der Thermomix erreicht theoretisch 160°C – allerdings nur, wenn man nach vorgegebenen Rezepten kocht. Beim manuellen Kochen erreicht der Thermomix nur 120°C – zum Beispiel für Popcorn ist das nicht heiß genug. Vorwerk begründet die geringere Maximaltemperatur damit, dass man Sicherheitsrisiken, wie zum Beispiel eine ungünstige Kombination aus viel heißem Fett und hoher Messergeschwindigkeit, von vornherein ausschließen wolle.

Thermomix (Foto: dpa Bildfunk, lof)
Der neue Thermomix TM6. lof

Bosch Cookit: Durchsichtiger Deckel

Auch beim Zubehör kann Bosch punkten: Der Cookit liefert deutlich mehr Einsätze für die Küchenmaschine von Haus aus mit – zum Beispiel einen sogenannten 3D-Rührer, der auch zähflüssige Lebensmittel gut rühren soll. Auch der Deckel ist beim Bosch noch besser durchdacht als beim Thermomix und weil er durchsichtig ist, können neugierige Köche auch mal einen Blick hineinwerfen.

Nachteile des Bosch Cookit gegenüber dem Thermomix

Umgekehrt hat aber auch der Bosch Cookit ein paar klare Nachteile gegenüber dem Thermomix. Während man mit dem Thermomix Mehl und Kaffeebohnen mahlen, gefrorene Früchte zerkleinern und Eis crushen kann, ist der Cookit dafür nicht ausgelegt. Wir haben probiert, mit beiden Geräten Dinkel zu mahlen. Während der Thermomix die Dinkel-Körner fein mahlt, schrotet der Cookit eher. Eis crushen sei zwar theoretisch möglich, allerdings würde das Messer dabei stark abgenutzt, sagt Bosch selbst. Wer das machen wolle, sollte sich überlegen, zum Crushen ein zusätzliches Messer zu kaufen.

Wo wird der Thermomix hergestellt?

Im Labor bei HTV in Bensheim haben wir beide Geräte aufschrauben lassen. Beim Bosch Cookit steht auf der Unterseite des Geräts „Made in Slovenia“. Auf dem Thermomix ist hingegen keine Angabe über das Herstellungsland zu finden. Vorwerk hat uns gegenüber mitgeteilt, das Gerät käme aus dem Werk in Frankreich – nachprüfen lässt sich das jedoch nicht.

Verschleiß bei Cookit und Thermomix

Bei der Verarbeitung im Inneren fällt auf, dass der Thermomix einen fast verschleißfreien Motor hat. Der Bosch Cookit hat hingegen mit Zahnriemen und Kohlebürsten zwei klassische Verschleißteile.

Noch weniger Rezepte beim Bosch Cookit

Der wichtigste Vorteil des Thermomix ist jedoch die gigantische Rezept-Vielfalt. Wer hier zum Beispiel nach einem Rezept für ein Chili con Carne sucht, findet über 5.000 Ergebnisse. Es gibt zig YouTube-Kanäle, auf denen Thermomix-Fans regelmäßig neue Koch-Videos hochladen. Der brandneue Bosch Cookit kann damit naturgemäß noch nicht mithalten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das ein klarer Vorteil vom Thermomix, zumal die Rezepte oft etwas ausgefeilter erscheinen.

Thermomix Vorwerkt Bosch Cookit (Foto: SWR)
Wie schneiden Thermomix TM6 und Cookit im Praxistest ab?

Thermomix und Cookit im Praxistest

Eine Familie aus Böblingen hat beide Küchenmaschinen eine Woche lang für uns in der Praxis. Ihr Eindruck: Beim Thermomix geht die Zubereitung oft etwas schneller als beim Cookit. Da die Zeitersparnis ein wichtiges Verkaufsargument für die hochpreisigen Küchenmaschinen ist, hat dieses Argument Gewicht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist daher der Thermomix für uns knapper Testsieger.

Sollte Bosch in den nächsten Monaten jedoch bei den Rezepten deutlich nachlegen, wird es eng für Vorwerk. Wir haben in den letzten Jahren schon viele Küchenmaschinen im Vergleich mit dem Thermomix getestet – bislang war der Thermomix technisch immer überlegen. Mit dem Cookit ist Bosch nun zum ersten Mal eine Küchenmaschine auf Augenhöhe gelungen. Für die Kunden bleibt zu hoffen, dass Bosch und Vorwerk in den nächsten Monaten versuchen werden, sich mit neuen Modellen gegenseitig zu überbieten. Denn Konkurrenz belebt das Geschäft - und am Ende freut sich der Kunde.

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