Mit Buchstaben-Würfeln wird das Wort "Erbe" gelegt. Die Würfel liegen auf Geldscheinen und Münzen. (Foto: Colourbox)

Nachlass regeln

Testament richtig verfassen – so gestalten Sie Ihr Erbe nach Ihren Wünschen

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AUTOR/IN
Sigrid Born
Annika Erbach
Sven Marcinkowski
Angelika Scheffler-Ronen
ONLINEFASSUNG
Corinna Jähn

Ab dem 01.01.2023 kann es teurer werden, eine Immobilie zu erben. Bei der steuerlichen Bewertung von Immobilien gibt es Neuerungen.  

Inhaltsverzeichnis:

Immobilien erben wird im Jahr 2023 teurer 
Darum ist ein Testament sinnvoll 
Wann wird ein Erbschein notwendig? 
Notarielles Testament – wann zum Notar? 
Testament selbst verfassen: Handgeschriebenes Testament aufsetzen 
Testament sicher und auffindbar verwahren  
Vermächtnis: Was ist der Unterschied zum Erbe? 

Immobilien erben wird im Jahr 2023 teurer 

Immobilien werden laut eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts ab dem 01.01.2023 nicht mehr nach dem Einheitswert bewertet, sondern nach dem realen Verkehrswert. Das kann ab 2023 höheren Erbschaftssteuern führen. Fachleute schätzen eine Steigerung von 20 Prozent bis 30 Prozent. Das kann bei Erben mit Immobilien im Nachlass möglicherweise zu Zahlungsproblemen führen, denn das Finanzamt verlangt die Erbschaftssteuern sofort.  

Nachzulesen ist das im Jahressteuergesetz 2022

Erbschaftssteuer legal umgehen 

Die Erbschaftssteuer kann beim Eigenheim umgangen werden. Entscheidet sich ein Erbe dazu, für 10 Jahre in die Immobilie des Erblassers einzuziehen, ist das Haus für diese Zeit frei von der Erbschaftssteuer. Das Haus darf jedoch nur eine Wohnfläche von unter 200 Quadratmeter haben. Haben die Erben nicht die Möglichkeit, in die Immobilie einzuziehen, kann der Erblasser die Immobilie auch zu Lebzeiten im Rahmen der Freibeträge verschenken. Eheleute haben einen Freibetrag von 500.000 Euro, Kinder von 400.000 Euro.  

Nicht überstürzt verschenken! 

Aufgrund der Neuerungen in der Erbschaftssteuer sind Notare aktuell überbelastet, denn potenzielle Erblasser wollen die verbleibende Zeit vor Ende des Jahres nutzen und vor der Neuerung ihr Eigenheim verschenken. Denn eine Schenkung zu Lebzeiten schmälert im Todesfall den Nachlass und minimiert damit die erbschaftsteuerliche Belastung der Erben. 

Man sollte allerdings bis zum 31.12.2022 nichts überstürzen. Wer eine selbst bewohnte Immobilie an seine Kinder verschenkt, um ihnen die Erbschaftssteuer zu sparen, sollte sich zwingend ein Wohnrecht ins Grundbuch eintragen lassen. Alleine das kann ebenfalls den Wert eines Hauses um ca. 1/3 senken. 

Allgemein ist es empfehlenswert, sich eine fachliche Rechtsberatung für die jeweilige individuelle Situation bei einem Fachanwalt für Erbrecht einzuholen. 

Darum ist ein Testament sinnvoll 

Weit weniger als die Hälfte aller potenziellen Erblasser macht allerdings ein Testament. Die meisten schieben das Thema vor sicher her, da man sich ungern mit dem Thema Tod beschäftigt. Grundsätzlich ist niemand verpflichtet, ein Testament zu errichten. Und aufgrund der gesetzlichen Erbfolge wird theoretisch kein Testament benötigt. Um die Entstehung ungewollter Erbengemeinschaften zu verhindern, ist ein Testament jedoch laut unseres Rechtsexperten Karl-Dieter Möller unerlässlich.  

Beispiel: Hat ein Ehepaar Kinder und einer der Eheleute stirbt, erben laut gesetzlicher Erbfolge der überlebende Ehegatte und die Kinder und bilden dann eine Erbengemeinschaft. Eheleute können das durch ein sogenanntes Berliner Testament verhindern: Dann erbt zunächst der eine Ehegatte alles und erst nach dem Letztversterbenden erben die Kinder. Er rät dazu, konkret festzulegen, wer was erben soll, um mögliche Konflikte zu vermeiden. 

Wann wird ein Erbschein notwendig? 

Ein Erbschein muss beantragt werden, wenn das Erbrecht gegenüber anderen bewiesen werden muss. Das ist dann der Fall, wenn kein Testament oder lediglich ein handschriftliches Testament vorliegt. Eine Sterbeurkunde allein reicht in manchen Fällen nicht aus, denn ihr fehlt die amtliche Beweisfunktion. Ein Erbschein wird zum Beispiel beim Übertragen einer Immobilie benötigt, um als Erbberechtigter ins Grundbuch eingetragen werden zu können, § 35 Abs. 1, S. 1 GBO (Grundbuchordnung).  

Die Ausstellung eines Erbscheins verursacht Kosten, die die Erben zu tragen haben. Diese Kosten richten sich nach der Höhe des Nachlasses. Kann die Nachlasshöhe nicht genau angegeben werden, wird das Vermögen von der Behörde geschätzt. 

Ein notarielles Testament ersetzt in der Regel den Erbschein. In den meisten Fällen akzeptierten Ämter ein notarielles Testament anstelle des Erbscheins. 

Notarielles Testament – wann zum Notar? 

Mit einem notariellen Testament haben die Erben den Vorteil, dass sie direkt einen Nachweis über ihre Erbberechtigung vorweisen können. Das spart nicht nur Kosten für den Erbschein, sondern auch viel Zeit. Denn die Beantragung eines Erbscheins kann mehrere Monate dauern. 

Laut unseres Rechtsexperten Herr Möller kommt es auf die Situation an, ob ein Erbschein oder ein notarielles Testament die bessere Wahl ist. Im Allgemeinen empfiehlt er allerdings das notarielle Testament. Die Kosten für ein notarielles Testament sind in der Kostenordnung der Notare geregelt und werden vom Erblasser getragen. Macht man zum Beispiel als Einzelperson ein Testament mit einem Nachlass von 50.000 Euro, werden 165 Euro (zzgl. Auslagen und Mehrwertsteuer) fällig. Ein gemeinschaftliches Ehegattentestament kostet mit 330 Euro zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer bei diesem Nachlasswert das doppelte. 

Erblasser erteilt Vollmacht 

Bei einer Vollmacht räumt der Vollmachtgeber dem Bevollmächtigten eine Vertretungsbefugnis ein. Die postmortale Vollmacht ist eine spezielle Verfügung. Der Erblasser erteilt zu Lebzeiten eine Vollmacht. Diese Vollmacht gilt aber erst nach dem Tod des Erblassers. Eine postmortale Vollmacht ist für Unternehmen empfehlenswert, um eine reibungslose Unternehmensfortführung zu gewährleisten.  

Eine transmortale Vollmacht gilt schon zu Lebenszeiten des Erblassers und über den Tod hinaus. Eine normale Vollmacht erlischt mit dem Tod. 

Testament selbst verfassen: Handgeschriebenes Testament aufsetzen 

Mit einem Testament kann man im Grunde alles regeln, was man möchte. Wer kein Geld für einen Notar ausgeben will, kann ein gültiges Testament auf allem verfassen, was beschriftet werden kann. Daraus muss allerdings der letzte Wille klar ersichtlich werden. Aber: Der kleinste formale Fehler kann ein Testament unwirksam machen. Dann gilt die gesetzliche Erbfolge. Damit das nicht passiert, ist es wichtig, die Formvorschriften zu kennen. 

Ein eigenhändiges Testament muss vom Erblasser zwingend selbst handschriftlich verfasst werden. Wird es am Computer oder der Schreibmaschine verfasst, ist das Testament ungültig. Das Testament muss für seine Gültigkeit außerdem vom Erblasser mit einem Datum versehen und  unterschrieben werden.  

Ein Testament kann jederzeit neu geschrieben und verändert werden. Das vorangehende Testament sollte dann vernichtet oder mit den Änderungen datiert ergänzt werden. Die Änderung sollte gesondert erneut unterschrieben werden. Tipp: Es ist zu empfehlen, das Testament regelmäßig zu überprüfen. Damit geht man sicher, dass die eigenen Wünsche auch bei sich neu ergebenden Umständen noch passen. 

Gemeinschaftliches Testament unter Ehepartnern 

Ein gemeinsames Testament mit dem Ehepartner kann nur von beiden Eheleuten geändert werden. Bei Uneinigkeiten müssen die Eheleute einen Notar hinzuziehen. Stirbt ein Ehepartner, kann das gemeinsame Testament nicht mehr abgeändert werden. Über den eigenen Nachlass kann dann immer noch allein verfügt werden. 

Testament sicher und auffindbar verwahren  

Das Testament sollte an einem Ort aufbewahrt werden, an dem es nach dem Tod sicher gefunden werden kann. Da bietet sich für die Aufbewahrung zu Hause ein beschrifteter Ordner an. Nach § 2259 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist jeder, der ein Testament findet, dazu verpflichtet, es unverzüglich beim Nachlassgericht abzugeben. Wer ein Testament findet und nicht abgibt, macht sich aufgrund von Urkundenunterdrückung strafbar. 

Um sicher zu stellen, dass das Testament beim Nachlassgericht abgegeben wird, kann es beim Amtsgericht gegen eine Gebühr hinterlegt werden. Dazu das handschriftlich geschriebene und unterschriebene Testament mit Ort, Datum, Vor- und Zuname zum örtlich zuständigen Amtsgericht gehen. Dort gibt es die Nachlassabteilung mit einem zuständigen Rechtspfleger. Das Testament kann offen oder verschlossen in einem Umschlag abgeliefert werden. Der Rechtspfleger prüft den Inhalt des Testaments und verwahrt es anschließend. Zum Nachweis der Hinterlegung wird ein Hinterlegungsschein ausgestellt. Darin bestätigt der Rechtspfleger, dass das Testament beim Nachlassgericht hinterlegt wurde. 

Die Gerichtskasse berechnet für die Hinterlegung eine pauschale Gebühr von 75 Euro. Handelt es sich um ein gemeinschaftliches Testament bei Eheleuten oder eingetragenen Lebenspartner, fallen pauschal 75 Euro an. 

Vermächtnis: Was ist der Unterschied zum Erbe? 

Eine weitere wichtige Entscheidung für potenzielle Erblasser liegt darin, wem man etwas vererbt und wem man etwas vermacht. Die Erben werden die Rechtsnachfolger des Erblassers nach dessen Tod. Diejenigen, denen der Erblasser etwas vermacht, werden keine Erben. Daher treten Vermächtnisnehmer die Rechtsnachfolge nicht an, sondern erhalten einen bestimmten Teil aus dem Nachlass. Das müssen sie dann von den Erben heraus verlangen. Vermächtnisnehmer bilden mit den Erben keine Erbengemeinschaft. 

Worauf man außerdem achten sollte 

Beim Verfassen des Testaments muss auf eine klare Formulierung geachtet werden. Formulierungen, wie „Wer mich pflegt, soll erben”, sind zu ungenau. 

Allgemein darf man jedem vererben oder vermachen, was man möchte. Es existieren wenige Einschränkungen, zum Beispiel darf das Pflegepersonal im Heim keine Erbschaft annehmen. Auf der anderen Seite gibt es auch die Pflicht, anderen etwas zu hinterlassen, nämlich den eigenen Kindern. Sie müssen immer mindestens den Pflichtanteil erhalten. Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. 

Worauf Sie beim digitalen Erbe achten sollen, lesen sie hier: 

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