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Fahrräder von Decathlon: Gute Qualität zum günstigen Preis oder Wegwerfprodukte, die nicht lange halten? Wir checken verschiedene Modelle mit und ohne Motor.

Folgende vier Modelle haben wir bei Decathlon online bestellt:

Diese Decathlon-Fahrräder hat Marktcheck getestet:

Trekkingrad 28 Zoll Riverside 740 TR Herren anthrazit von Decathlon im Test (Foto: SWR)
Das "Trekkingrad 28 Zoll Riverside 740 TR Herren anthrazit", gekauft von uns für knapp 700 Euro Bild in Detailansicht öffnen
Das beliebte "City Bike 28 Zoll Elops 520 LF Damen blau", gekauft für 259,99 Euro Bild in Detailansicht öffnen
Das "Mountainbike Kinderfahrrad 24 Zoll Rockrider ST 500 neongelb" für 179 Euro Bild in Detailansicht öffnen
Das E-Bike "City Bike 28 Zoll Elops 500E LF schwarz" für 699,99 Euro Bild in Detailansicht öffnen

Direkt nach dem Kauf bringen wir die Räder in ein Fahrrad-Prüfinstitut nach Ludwigsburg, wo sie von Dirk Zedler in Sachen Montage und Verkehrssicherheit durchgecheckt werden. Danach probiert eine fahrradbegeisterte dreiköpfige Familie die Räder für uns drei Wochen lang aus – auf ausgedehnten Radtouren aber auch auf dem Weg zur Arbeit.

Zuletzt soll der Check im Labor zeigen: Wie langlebig sind Rahmen, Gabel und Sitzstange? Halten sie das angegebene Maximalgewicht überhaupt aus?

Kinder-Mountainbike: Hinterrad lässt sich nicht drehen

Bei der Sicherheitsprüfung fällt sofort auf: Das Hinterrad lässt sich überhaupt nicht drehen, da es durch die V-Bremse blockiert wird. Am Fahrrad verspricht ein Schildchen "ready to bike" - in diesem Zustand ist das Fahrrad aber alles andere als fahrbereit.

Die V-Bremsen sind für Laien nicht gerade einfach einzustellen. "Das sind sehr komplexe Bremssysteme", sagt Fahrradsachverständiger Dirk Zedler, "das Fahrrad in diesem Zustand rauszugeben ist eigentlich grob fahrlässig, insbesondere, wenn man signalisiert, dass es eigentlich fahrbereit ist."

Damen-City-Rad

Das City-Rad im Retro-Look sieht auf den ersten Blick schick aus. Es ist eins der meistverkauften Räder bei Decathlon. Dirk Zedler fällt jedoch direkt ein Konstruktionsfehler auf: Das vordere Licht wird durch den Fahrradkorb, der am Lenker angebracht ist, teilweise verdeckt.

Lampe von City-Rad von Decathlon wird durch Korb verdeckt (Foto: SWR)
Der Korb hängt vor der Lampe.

Außerdem ist an dem Rad ein klassischer Seitenläufer-Dynamo verbaut. Damit befinde sich das Modell auf einem Stand von vor 25 Jahren, so Zedler.

Billiger Seitenläufer-Dynamo

Viele kennen sie von früher: Seitenläufer-Dynamos sind günstig in der Anschaffung und vergleichsweise leicht. Bei Bedarf wird der Dynamo an das Laufrad gedrückt, durch die Rotation wird Strom erzeugt. Dies erfordert jedoch einen relativ hohen Kraftaufwand, außerdem entstehen oft laute Summ-Geräusche. Diese Art von Dynamo ist außerdem witterungsanfällig, da das Rädchen bei Nässe häufig keinen Halt findet und abgleitet.

Seitenläufer-Dynamos sind bei höherwertigen neuen Rädern praktisch vom Markt verschwunden. Sie wurden durch Nabendynamos ersetzt, die einen höheren Wirkungsgrad haben, sehr leise laufen, praktisch nicht witterungsanfällig und wartungsarm sind. Aber eben auch teurer.

Marktcheck checkt Fahrräder von Decathlon (Foto: SWR)
Das Licht vom Decathlon-City-Rad wird per Seitenläufer-Dynamo betrieben.

Im Praxischeck ist das Damen-City-Rad wenig wendig und auch beim Schieben eher schwerfällig.

E-Bike

Am E-Bike findet sich der Hinweis "fast fahrbereit". Was genau das bedeutet, wo eventuell nachjustiert werden muss etc., damit wird der Käufer komplett allein gelassen. Nur eine kurze Anleitung zur Handhabung von Akku und Bedienteil liegt bei.

Außerdem stellt Dirk Zedler fest, dass das Fahrrad für ein Gesamtgewicht von gerade mal 100 Kilogramm zugelassen ist. Zieht man das Gewicht des Rads von 25 kg ab, darf der Fahrer maximal 75 kg auf die Waage bringen.

Anzeige auf Decathlon-E-Bike über Maximallast (Foto: SWR)
Das von uns gekaufte E-Bike von Decathlon ist nur für eine Maximallast von 100 Kilogramm zugelassen.

Im Internet steht dagegen eine zulässige Gesamtlast von 150 kg für das Fahrrad. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass wir ein veraltetes Modell von 2017 geliefert bekommen haben, die neueren Modelle sind für 150 kg zugelassen.

Im Praxischeck stellt sich das E-Bike als recht schwerfällig heraus. Der Grund: Die Technik ist veraltet, die Reaktionszeit viel länger als bei modernen Antrieben.

Keine Mängel beim Herren-Trekkingrad

Einzig das Herren-Trekkingbike kann unseren Experten in Sachen Montage überzeugen, hier gibt es keine Mängel. Auch im Praxischeck schneidet das Rad gut ab.

Labortest: Maximalgewicht keinesfalls überschreiten

Zunächst werden unsere Räder nach einem standardisierten Normtest geprüft - den bestehen alle. Doch was ist, wenn das Gewicht des Fahrers das zulässige Maximalgewicht überschreitet, so wie es schnell bei dem E-Bike von Decathlon passieren kann?

Die Gabeln der Testräder haben sich im Überlasttest leicht verbogen, so Dirk Zedler. Er empfiehlt daher, das angegebene Maximalgewicht der Räder keinesfalls zu überschreiten – ein Gabelbruch beispielsweise kann mit schlimmen Stürzen kopfüber auf die Straße einhergehen.

Bei Gewichtsüberlastung sind im Labor außerdem die Schraube der Sattelstütze vom City-Bike und der Sattel des Trekkingrades gebrochen.

Dirk Zedler in seiner Fahrradwerkstatt (Foto: SWR)
Sachverständiger Dirk Zedler stellt den Decathlon-Rädern insgesamt kein gutes Zeugnis aus.

Außerdem werden die Fahrräder im Labor auf Qualität und Verarbeitung geprüft. Dirk Zedlers Einschätzung:

Das sind halt billige Materialien. Die Sicherheit war zwar gut; die Normprüfung haben alle Räder bestanden. Es wird aber sehr schnell Verschleiß eintreten, dass heißt, nach wenigen Monaten funktionieren Schaltung und Bremsen nicht mehr oder die Gabel verbiegt sich. Und kein Radhändler kann das wirtschaftlich reparieren, das heißt, man hat ein Wegwerfprodukt.

Fahrradsachverständiger Dirk Zedler

In unserem Test konnte nur das Herren-Trekkingrad überzeugen. Auf Nachfrage entschuldigt sich Decathlon für die mangelhafte Montage – durch den Run auf Fahrräder während der Corona-Pandemie sei das Team an seine Grenzen gekommen. "Aber ich bin da bei Ihnen, das ist nicht unser Anspruch, das darf nicht passieren", so Decathlon-Deutschland-Chef André Weinert.

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