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Marktcheck prüft sechs Darjeelings der Marktführer Meßmer und Teekanne sowie von Tee-Gschwendner – im Teebeutel und lose. Welcher Tee überzeugt? Gibt es eine Schadstoffbelastung?

Marktcheck überprüft die Darjeeling-Schwarztees der drei beliebten Marken auf Qualität, Geschmack und Rückstände von Schadstoffen. Eva und ihre jüngere Schwester Katja sind echte Tee-Fans. Wie mögen die beiden Mainzerinnen ihren Schwarztee am liebsten? Eva greift eher zum losen Tee, Katja mag lieber Teebeutel. „Weil das einfach schneller geht und irgendwie praktischer ist.“

Die sechs Teesorten in unserem Vergleich

In unserem Check: sechs Darjeeling-Tees von den Marktführern Meßmer und Teekanne, sowie Bio-Darjeeling von Tee-Gschwendner – je eine lose und eine Beuteltee-Variante. Die Teebeutel scheinen auf den ersten Blick deutlich günstiger – rechnet man sie jedoch auf den Preis pro 100 Gramm um, zeigt sich, sie sind teurer als die losen Produkte.

Drei Darjeelings im Teebeutel:

  • Teekanne: Feinster Darjeeling, mild-blumig, 20 Teebeutel, Packung 1,89 Euro, pro 100 g 5,40 Euro
  • Meßmer Tee: Darjeeling, blumig-lieblich, 25 Teebeutel, Packung 1,79 Euro, pro 100 g 4,09 Euro
  • Tee-Gschwendner: Darjeeling Pussimbing First Flush Bio, Nr. 8632, 15 Pyramidenteebeutel, Packung 6,95 Euro, pro 100 g 23,17 Euro

Drei Darjeelings lose:

  • Teekanne: Darjeeling, Finest Selection, G.F.O.P., Golden Flowery Orange Pekoe, 250 g, pro 100 g 4,31 Euro
  • Meßmer Tee: Feinster Hochland-Darjeeling, 150 g, pro 100 g 3,53 Euro
  • Tee-Gschwendner: Darjeeling FTGFOP 1 Soom First Flush Bio, Nr. 230, 100 g 14,80 Euro
Sechs Schwarzteesorten und Tassen auf einem Tisch: Drei lose Darjeelings und drei im Teebeutel von drei bekannten Herstellern im Vergleich. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Drei lose Darjeelings und drei im Teebeutel von drei bekannten Herstellern im Vergleich. SWR Marktcheck

Geschmackstest: Teebeutel-Tee gegen lose Teeblätter

Los geht die Geschmacksprobe mit den Beuteltees: Café-Besitzer Michael Raab serviert die erste Tasse – zubereitet nach Angabe auf der Verpackung. Eva und Katja wissen selbstverständlich nicht, welchen Kandidaten sie gerade probieren. Bei Eva liegt der Bio-Beuteltee von Tee-Gschwendner vorn, bei Katja der Teebeutel-Kandidat von Meßmer.

Wir wollen wissen, wie gut die losen Tees bei unseren beiden Tee-Fans ankommen. Los gehts mit Teekanne. Den finden beide Testerinnen nicht so lecker, zu bitter. Den losen Tee von Meßmer finden dagegen beide „leicht“ und „lecker“. Auch der Bio-Tee von Tee-Gschwendner kommt gut an: „fein“ und „mild“.

Qualitäts-Check mit Tee-Sommelier: die Teeblätter

Um mehr über die Qualität der verschiedenen Darjeelings herauszufinden, fahren wir nach Kaiserslautern zu Tee-Sommelier Souheil Rai. Er hat einen Tee-Laden in der Innenstadt. Der Experte prüft für uns die Blatt-Qualität der sechs Darjeeling-Tees.

„Woran man gute Qualität feststellen kann beim Tee ist anhand des Blattes zum Beispiel. Entweder es ist ein ganzes Blatt oder ein ‚broken‘ - also praktisch ein gebrochenes, wie der Name sagt. Dann gibt es noch die ‚fannings‘, das ist noch mehr gebrochen. Und dann gibt es den ‚dust‘, der so genannte Staub, Tee-Staub.“

Tee-Sommelier Souheil Rai, Kaiserslautern

Generell gilt: Je größer die Teeblätter, desto hochwertiger der Tee. Wir vergleichen den losen Tee der drei Hersteller mit dem Inhalt des Teebeutels des selben Herstellers. Im Vergleich zum losen Tee mit größeren Teeblättern sieht der Tee aus den Papierbeuteln von Teekanne und Meßmer fast aus wie Staub.

Sechs Teeschalen mit Teeblättern - drei Tee-Hersteller im Check: Dreimal loser Darjeeling im Vergleich zu dreimal Beuteltee mit Darjeeling. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Teeblätter im Check: Dreimal loser Darjeeling, obere Reihe, im Vergleich zu dreimal Beuteltee mit Darjeeling, untere Reihe. SWR Marktcheck

Geschmackstest mit Experte: Teebeutel, Pyramide und loser Tee

Kann man diese Unterschiede auch schmecken? In der Küche bereiten wir zuerst die drei Beutel-Tees zu. Experte Rai weiß nicht, welchen er gerade probiert. Er hat einen klaren Favoriten. „Also geschmacklich wäre mein Favorit der erste. Der hat was Blumiges, was Leichtes.“ Der Tee von Tee-Gschwendner im Pyramidenbeutel liegt bei ihm vorn.

Souheil Rai probiert im Blindtest auch die drei losen Teesorten. Geschmacklich liegen die für ihn klar vor den Papier-Beuteltees. Sein Favorit bei den losen Tees: Tee-Gschwendner.

Schwarztee im Geschmackstest: Tee-Sommelier Souhail Rai aus Kaiserslautern mit Teetasse macht den Geschmackstest zwischen den sechs Darjeeling-Varianten. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Tee-Sommelier Souhail Rai aus Kaiserslautern macht den Geschmackstest zwischen den sechs Darjeeling-Varianten. SWR Marktcheck

Der Tee-Sommelier schaut sich den losen Tee und den Pyramidenteebeutel von Tee-Gschwendner genauer an. „Da sieht man anhand des Blattes eigentlich überhaupt keinen Unterschied. Deshalb ist für einen Blatt-Tee oder einen losen Tee im Beutel so ein Pyramidenbeutel sehr gut, weil er sich entfalten kann. In einem herkömmlichen Beutel - der Beutel würde platzen, weil das Blatt einfach Platz braucht zum Quellen.“

Pyramidenbeutel neben Teesieb mit losem Tee: Die Qualität der Teeblätter im Pyramidenbeutel ist ähnlich wie beim losen Tee - kritisch sehen Experten das Kunststoff-Material der Beutel. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Die Qualität der Teeblätter im Pyramidenbeutel ist ähnlich wie beim losen Tee - kritisch sehen Lebensmittelchemiker das Kunststoff-Material der schicken Netze. SWR Marktcheck

Pyramidenbeutel vs. Papier-Teebeutel: Wie gesund ist das Material?

Während die Standard-Teebeutel von Meßmer und Teekanne aus pflanzlichen Fasern bestehen und laut Experten völlig unbedenklich sind, bestehen Pyramidenbeutel wie etwa von Tee-Gschwendner aus Kunststoff. Wissenschaftler sehen Kunststoffbeutel allerdings kritisch. Einer kanadischen Studie zufolge können bei Nylon-Teebeuteln sogar große Mengen Mikroplastik in das Getränk übergehen.

Das Unternehmen schreibt Marktcheck dazu: "Unsere Pyramidenbeutel bestehen aus dem biologisch abbaubaren PLA (Polylactid), welches aus Milchsäure, basierend auf Maisstärke, gewonnen wird. PLA ist als sicheres Verpackungsmaterial für Lebensmittel zugelassen. Laut der aktuellen Studienlage ist gemäß den Informationen unserer Lieferanten davon auszugehen, dass kein Mikroplastik im Aufguss freigesetzt wird."

Sind die Beutel aus PLA wirklich unbedenklich? Wir fragen bei der Lebensmittelchemikerin Darena Schymanski vom CVUA Münsterland-Emscher-Lippe nach, die sich seit Jahren mit Mikroplastik in Lebensmitteln beschäftigt.

Videokonferenz mit Labor: Lebensmittelchemikerin Darena Schymanski, CVUA Münsterland-Emscher-Lippe, vermutet, dass sich das Material der Pyramidenbeutel zu Mikroplastik auflösen könnte. (Foto: SWR, SWR Marktcheck)
Lebensmittelchemikerin Darena Schymanski, CVUA Münsterland-Emscher-Lippe, befürchtet, dass sich das Material der Pyramidenbeutel zu Mikroplastik zersetzen könnte. SWR Marktcheck

„Also PLA kann sich höchstwahrscheinlich genauso zerkleinern wie Nylon oder wie jeder andere Kunststoff auch, womöglich sogar noch stärker, da es sich um ein hitzeempfindliches Polymer handelt. Also es ist durchaus möglich, dass PLA sich ebenso zu Mikroplastik zersetzt wie ein anderer Kunststoff auch.“

Tee im Labor: Gibt es Rückstände von Schadstoffen?

Wir schicken die sechs Tees in ein Lebensmittellabor. Denn nicht nur der Geschmack ist wichtig, sondern vor allem, dass die Produkte frei sind von gefährlichen Schadstoffen. Die Tees werden untersucht auf:

  • Pflanzenschutzmittel
  • Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
  • Anthrachinon

„Wir haben keine Pestizide und kein Anthrachinon in den Tees nachweisen können. Wir haben jedoch niedrige Gehalte an Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen gefunden. Das ist für den Verbraucher jedoch unbedenklich.“

Prüfleiterin Lena Hermes, Labor TeLA, Technische Lebensmittel- und Umweltanalytik GmbH, Geestland

Unser Gesamtergebnis im Tee-Check loser Tee gegen Teebeutel

Bei den losen Tees liegen Meßmer und Tee-Gschwendner vorn, im Teebeutel konnte nur Tee-Gschwendner völlig überzeugen. Allerdings ist der Tee aus den Kunststoffbeuteln mit etwas Vorsicht zu genießen.

Preis-Leistungssieger in unserem Check ist der lose Tee von Meßmer. Mit 3,53 Euro pro 100 Gramm ist er deutlich günstiger als der Gesamtsieger: der lose Bio-Darjeeling von Tee-Gschwendner kostet 14,80 Euro pro 100 Gramm.

Mehr Infos zum Thema Tee im Internet

Mehr zu Mikroplastik in Teebeuteln und der erwähnten kanadischen Studie beim Umweltratgeber Utopia: „Studie: Aus Teebeuteln gelangen große Mengen Mikroplastik in den Tee“ . Eine kritische Betrachtung dieser kanadischen Studie gibt es in der Zeitschrift Ökotest: „Mikroplastik aus dem Teebeutel: Mehr als bei allen anderen Lebensmitteln“

Kaffee oder Tee? ESU-Services, ein Schweizer Beratungsbüro für Nachhaltigkeit, hat eine Ökobilanz für die Zubereitung von Darjeeling-Tee erstellt und diese mit dem Konsum von Kaffee verglichen: Der Transport aus fernen Ländern hat hier kaum Einfluss. Das Kochen des Wassers verursacht den bedeutenderen Teil der Umweltbelastungen. Eine Rolle spielt auch das Trocknen der Teeblätter. Konsumenten sollten vor allem darauf achten, nicht zu viel Wasser zu erhitzen und es nicht unnötig kochen zu lassen. Insgesamt verursacht Kaffee höhere Umweltbelastungen pro Tasse als Tee, weil er mehr Fertigungsstufen hat.

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