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Binnen weniger Minuten ist der Ölpreis in der Nacht zum Montag um rund dreißig Prozent gefallen. Dass die Spritpreise jetzt ähnlich stark einbrechen, ist unwahrscheinlich.

Seit Wochen schon kennt der Ölpreis nur eine Tendenz: nach unten. In der Nacht zum Montag hat der Preis seine Talfahrt aber so sturzartig beschleunigt, wie es selbst erfahrene Rohstoffhändler selten erleben. Rund 30 Prozent Minus in wenigen Minuten - so etwas hatte es zuletzt während des Golfkrieges 1991 gegeben.

Tankstellen reagieren noch nicht

Ein vergleichbarer Preissturz an der Tankstelle ist bislang ausgeblieben. Wie eine Analyse des Vergleichportals Clever Tanken zeigt, befinden sich die Spritpreise in den deutschen Städten zwar seit Januar im Sinkflug. Dass daraus jetzt ein Sturzflug wird, zeichnet sich am Montag allerdings nicht ab.

Und es ist auch nicht wahrscheinlich, dass das bald geschieht. Es ist schließlich nicht nur der Ölpreis, der die Kosten für Diesel und Benzin an der Tankstelle ausmacht. Der wichtigste Faktor für den Preis bleiben die Steuern. Bei einem Liter Benzin beträgt der Energiesteueranteil rund 65 Cent, also knapp die Hälfte des Preises.

Sprit könnte ein paar Cent günstiger werden

Obendrauf kommt noch die Mehrwertsteuer. Der ADAC rechnet vor, dass bei einem Liter E10 nach Abzug von Steuern nur noch etwas mehr als ein Drittel des Preises übrig bleibt. In dieses Drittel fließt auch der Preis für Rohöl ein, aber auch weitere Kosten, zum Beispiel für den Transport von Diesel und Benzin zur Tankstelle. Die Gewinnspanne für die Mineralölkonzerne ist also weniger groß als man zunächst denken könnte.

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Trotzdem: Sollte Rohöl weiter günstig bleiben, dürften auch die Spritpreise noch ein paar Cent fallen. Auf Preissprünge wie in der Nacht an den Rohstoffbörsen, wird man an der Tankstelle allerdings vergeblich warten.

Beim Heizöl kommt Preissturz an

Etwas anders sieht die Lage bei Heizöl aus. Der Anteil an Steuern und Abgaben am Endpreis für die Verbraucher ist dort deutlich niedriger. Zwei Drittel des Preises ergeben sich allein aus den Kosten für Rohöl an den Weltmärkten. Daher sind die Preise für Heizöl in den vergangenen Wochen deutlich stärker gefallen als für Sprit.

Von etwa 69 Euro für hundert Liter im Januar ist der Preis auf rund 47 Euro gefallen. Und anders als beim Tanken ist auch die jüngste Talfahrt an den Rohstoffmärkten bereits bei den Verbauchern angekommen: In größeren Städten ist Heizöl dem Branchenportal Easyoil zufolge seit gestern zwischen drei und fünf Prozent günstger geworden. Der Preis liegt damit so niedrig wie seit rund vier Jahren nicht mehr.

Wer mit Öl heizt, für den könnte es sich also lohnen, bald die Tanks auffüllen zu lassen. Einige Experten raten aber dazu, noch ein wenig zu warten, weil der Preis weiter sinken könnte.

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Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Hintergrund: Öl-Rabattschlacht der Förderländer

Hinter dem jüngsten Preissturz steckt ein Streit zwischen wichtigen Ölförderländern – nämlich Russland und Saudi-Arabien. Am Freitag wollten Saudi-Arabien und andere Mitglieder der Organisation erdölfördernder Länder Opec Russland überzeugen, die Fördermenge zu reduzieren, um den Preis zu stützen. Der war in den vergangenen Monaten deutlich unter Druck geraten. Schon seit dem letzten Jahr hat die nachlassende Weltkonjunktur die Nachfrage nach Rohöl gebremst, die Preise fielen. Verstärkt wird dieser Effekt seit Jahresbeginn durch die Corona-Krise, die die weltweite Nachfrage nach fossilen Rohstoffen deutlich gedrosselt hat.

Für Saudi Arabien und andere Förderländer war es also höchste Zeit, gegenzusteuern. Allerdings hat sich Russland geweigert, seine Förderung zu drosseln. Jetzt schlagen die Saudis zurück - und erhöhen ihrerseits die Fördermenge, um Russland eine Art Rabattschlacht zu liefern. Eine Auseinandersetzung mit offenem Ausgang, über die sich viele Verbraucher in Deutschland freuen können.

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