Eine Hand dreht am Thermostaten eines Heizkörpers (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Inflation treibt Energiepreise

Spartipps für Strom und Gas, Sprit und Heizöl

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Beim Tanken oder Heizen, aber auch beim täglichen Einkauf steigen die Preise. Besonders teuer ist Energie. Warum Strom und Gas teurer werden, und viele Tipps wie Sie sparen können.

Es wird teurer und teurer: Die Inflation ist wieder gestiegen; im Oktober auf 4,5 Prozent. Das liegt vor allem an den steigenden Energiepreisen. Mehrere Gründe spielen bei den Preissteigerungen eine Rolle.

Preistreiber Pandemie: Corona hat die Wirtschaft aus dem Takt gebracht

Besonders stark wirken sich die Corona-Pandemie und ihre Folgen aus: Produktions-Stopps und das danach schnelle Wiederhochfahren haben die ineinandergreifenden Rädchen der globalen Wirtschaft und ihrer Lieferketten aus dem Takt gebracht.

Die Nachfrage ist vielfach größer als das Angebot – nicht zuletzt sind auch Transporte schwieriger und teurer geworden. Das lässt am Ende der Kette die Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher steigen, die Preise für Energie besonders stark. 

SWR2 Geld, Markt, Meinung Der Energie-Preisschock: Gas, Öl und Benzin werden immer teurer

Heizen und Tanken ist teurer wie lange nicht mehr - und wird vermutlich noch teurer werden.  mehr...

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Warum Tanken so teuer ist

Autofahrerinnen und Autofahrer haben derzeit beim Tanken wenig zu lachen. Benzin- und Dieselpreise kennen fast nur eine Richtung: nach oben, mit kleinen Schwankungen.  

Mitte November hat der ADAC einen durchschnittlichen Benzinpreis von 1,692 Euro für den Liter Super E10 und 1,553 Euro für den Liter Diesel gemeldet. (Stand 17.11.2021) Das ist nicht weit von den Allzeithöchstständen entfernt. Vergleicht man dieses Jahr mit 2020, haben sich die Preise, Stand Oktober, mit plus 35 Prozent um mehr als ein Drittel erhöht. Inzwischen sind die Spritpreise laut ADAC wieder etwas gesunken (Stand 24.11.2021) - bleiben aber auf hohem Niveau.

Beim Tanken hält eine Hand den Zapfhahn einer Tankstelle (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Der Dieselpreis hat laut ADAC diesen Herbst seinen bisherigen Rekordstand von 2012 übertroffen. Der Benzinpreis ist nicht weit von seinem Höchststand, ebenfalls von 2012, entfernt. Picture Alliance

Dahinter stecken mehrere Gründe: Der Spritpreis setzt sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Den größten Anteil haben Abgaben und Steuern. Ohne diesen Posten würde Benzin, so berechnet es der ADAC, nur um die 60 Cent pro Liter kosten, Diesel sogar noch etwas weniger. 

Zu den Steuern und Abgaben gehören die Energiesteuer, die Mehrwertsteuer und seit Anfang 2021 auch die CO2-Abgabe. Alleine die macht laut ADAC Diesel um 8 Cent pro Liter und Benzin um 7 Cent pro Liter teurer. Außerdem hängen die Preise von den Rohölpreisen ab. Sie sind streckenweise stark gestiegen.

Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Zuletzt ist Rohöl etwas günstiger geworden. Expertinnen und Experten halten eine Entspannung für möglich. Die Folge: Der ADAC sieht zumindest Spielraum für sinkende Preise an den Tankstellen.

Wie Sie beim Tanken sparen können

Sparen können Autofahrerinnen und Autofahrer auf unterschiedliche Art. Einmal am Sprit selbst, also am Verbrauch. Der richtige Reifendruck, weniger Tempo und frühes Hochschalten machen sich bezahlt. Und beim Tanken lohnt sich ein Vergleich von Tankstellen, zum Beispiel im Internet oder mit einer App. Die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts hat Links zu Preisvergleichen und zu Apps auf ihrer Homepage.

Auch wann man tankt, kann einen großen Unterschied machen. Oft ist es abends billiger. Beobachter berichten von enormen Preisunterschieden im Tagesverlauf: Im Schnitt variieren die Preise etwa um 12 Cent pro Liter – das wären bei einem 60 Liter Tank gut 7 Euro Preisunterschied. Es kann auch mal deutlich stärker rauf und runter gehen. Und auf der Autobahn gilt: In der Regel ist es auf einem Autohof günstiger als an einer Raststätte. Wer nah an einer Landesgrenze wohnt, kann auch überlegen, ob sich ein kurzer Weg ins Nachbarland lohnt.

Warum Heizöl so teuer ist

Rund ein Viertel aller Wohnungen werden mit Heizöl beheizt, so der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Der Heizölpreis hat sich verdoppelt – von 40 Cent pro Liter Anfang November 2020 auf 80 Cent ein Jahr später, erklärt Udo Sieverding, Verbraucherzentrale-Energieexperte. So teuer sei Heizöl seit neun Jahren nicht gewesen, Anfang November 2012 waren es rund 95 Cent pro Liter.  

Die Gründe für den Anstieg des Heizölpreises: Auch hier schlägt sich die CO2-Abgabe nieder. Sie hat ab Anfang 2021 den Heizölpreis um knapp 8 Cent pro Liter teurer gemacht. Besonders wichtig für Verbraucherinnen und Verbraucher: der Rohölpreis.

Da spielt insbesondere die große Nachfrage eine Rolle: Der Öldurst ist in vielen Ländern und Branchen mit dem Wiederanfahren der Wirtschaft groß. Kurz vor dem Winter ist auch Heizöl sehr gefragt. Gleichzeitig ist das Angebot an Öl aber nicht so schnell gestiegen. Große Nachfrage bei knappem Angebot: Das treibt die Preise. 

Der Schlauch eines Heizöl-Lasters liegt am Boden (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Verbraucherschützer raten: Wer noch genügend Heizöl hat, sollte mit dem Nachtanken noch abwarten. Picture Alliance

Inzwischen zeichnet sich etwas Entspannung ab: In den USA wird wieder mehr gefördert und auch etwas erhöhte Mengen von OPEC-Ländern wirken sich positiv aus. Der Preis für verschiedene Rohölsorten ist zuletzt etwas gesunken. Allerdings befürchten Expertinnen oder Experten, dass er auch wieder steigen könnte – wenn der Gaspreis weiter steigt und große Kunden deswegen auf Öl ausweichen.

Wie Sie beim Heizen sparen können

Bei Heizen und Warmwasser können Verbraucherinnen und Verbraucher Einiges sparen. Denn die Wärme ist ein besonders großer Posten auf der Energierechnung von privaten Haushalten. Heizen allein macht etwa zwei Drittel des Energieverbrauchs aus.

Jedes Grad weniger Temperatur im Raum spart bis zu sechs Prozent Energie. Deshalb raten Experten dazu, genau zu überlegen, welcher Raum wie warm sein muss. Nachts und wenn man nicht da ist, lohnt es sich, die Heizung herunter zu drehen.

Außerdem ist wichtig: Heizkörper nicht zustellen und richtig entlüften. Auch gut abgedichtete Fenster und Türen sparen Energie, ebenso das Stoßlüften – statt länger gekippter Fenster. Verbraucherinnen und Verbraucher, die mit ihrem Heizöl noch über den Winter kommen, sollten möglichst abwarten, so der aktuelle Ratschlag von Verbraucherschützern.

Lohnen kann sich auch eine Energieberatung. Dazu hat die SWR-Umweltredaktion viele Informationen zusammengetragen:

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Weitere Informationen und Spartipps zum Heizen und bei Warmwasser finden Sie auch auf den Seiten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Gaspreise – so hoch wie nie

Ein Allzeithoch gibt es auch beim Gas, genauer beim Börsenpreis für Gas. Im Vergleich zum November vor einem Jahr liegt die Steigerung bei rund 560 Prozent. Das trifft besonders viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Denn etwa die Hälfte der Haushalte heizt mit Gas.

Der Börsenpreis ist allerdings nur ein Teil des Verbraucherpreises für Erdgas. Er setzt sich zusammen aus staatlich veranlassten Anteilen wie Steuern, die etwa ein Viertel ausmachen, sowie Netzentgelten und den Kosten für das Beschaffen und Vertreiben. Diese machen in etwa die Hälfte des Preises aus.

Ein Gaszähler (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Viele Gaskunden bekommen derzeit wenig erfreuliche Post von ihrem Gasanbieter: immer mehr Versorger erhöhen die Preise. Picture Alliance

Viele Gasanbieter haben in den letzten Monaten die Preise erhöht, ständig kündigen weitere dies an. Zuletzt lag die Erhöhung im Schnitt – so berechnet es das Vergleichsportal Check24 – bei rund 22 Prozent mehr. Das bedeutet für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr etwa 27 Euro Extrakosten im Monat. Einzelne Anbieter erhöhen sogar noch deutlich stärker – die Heilbronner Versorgungs GmbH beispielsweise hat gut 5 Cent mehr pro Kilowattstunde ab Januar angekündigt. Laut ihrer Rechnung macht das eine Mehrbelastung von rund 85 Euro im Monat für einen Vier-Personen-Haushalt mit 18.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch.

Die Gründe für die steigenden Gaspreise sind vielfältig. Zum Einen sind die Speicher in Europa weniger voll als um diese Jahreszeit üblich, insbesondere in Deutschland. Nicht nur hier ist die Nachfrage groß: In vielen Ländern ist der Energie-Durst gewaltig im Zuge des Wiederanfahrens der Wirtschaft nach der Krise. Gerade in Asien wurde viel nachgefragt und viel für das Gas gezahlt. In der Folge gingen beispielsweise viele Flüssiggas-Lieferungen dorthin statt nach Europa. Zudem sind wir vom Wetter abhängig, beispielsweise hat eine Windflaute in der Nordsee dazu geführt, dass weniger Windenergie produziert wurde und mehr Gas verstromt werden musste. Der letzte Winter war in vielen Ländern sehr kalt und hat die Vorräte zusätzlich geleert. Die Hoffnung, dass Russland mehr Gas liefert und das die Preise sinken lässt, hat sich bisher noch nicht erfüllt. Der Gaspreis ist gerade erst noch einmal gestiegen als das Bundeskartellamt das Genehmigungsverfahren für die Pipeline Nord-Stream-2 ausgesetzt hat.

Wie Sie beim Gas sparen können

Beim Heizen mit Gas gelten im Grunde dieselben Spartipps wie bei Heizöl. Zusätzlich haben Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit, den Versorger zu wechseln, wie übrigens auch beim Strom. Mehr zum Anbieterwechsel gibt es hier und bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

So sparen Sie am meisten Fünf Tipps für den Anbieterwechsel bei Strom, Gas und Co.

Verbraucherschützer raten dazu, Fixkosten regelmäßig zu überprüfen – dazu zählen unter anderem Verträge mit Strom- oder Gasanbietern. Beim Wechsel gibt es Einiges zu beachten.  mehr...

Warum der Strompreis bei uns weltweit am höchsten ist

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zahlen weltweit am meisten für Strom – laut einer Berechnung des Vergleichsportals Verivox. Unser Strompreis hat zuletzt ein Allzeithoch nach dem anderen erreicht. Im November 2021 zahlt ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden im Jahr, laut Check24, sieben Prozent mehr als im November vor einem Jahr.  Auch der Börsenpreis ist noch einmal gestiegen. Ein Vergleich mit November 2012 zeigt ein Plus von 320 Prozent.

Die Gründe für die hohen Strompreise sind ebenfalls vielfältig. Denn auch der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Etwa die Hälfte machen allein Steuern und Abgaben aus, wie die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom. Ein kleiner Lichtblick: Die EEG-Umlage soll zum Jahreswechsel um gut 40 Prozent sinken. Einige Stromanbieter wollen ihre Preise deshalb senken.

Eine große Rolle spielen auch die steigenden Preise für die Rohstoffe, die zur Stromerzeugung benötigt werden – also Erdgas und Steinkohle etwa. Ebenso wie bei Gas und Öl hat das Wiederanfahren der Wirtschaft auch die Nachfrage nach Strom stark steigen lassen. Das dürfte in den kommenden Jahren so weitergehen, denn der Strombedarf wird, etwa mit der Umstellung auf E-Mobilität, wohl stark steigen.

Wie Sie beim Strom sparen können

Im Haushalt gibt es viele und einfache Tricks, um Strom zu sparen – zum Beispiel von den Verbraucherzentralen. Sie versprechen: So kann man die Stromkosten im besten Fall halbieren. Um den Verbrauch im Haushalt zu überprüfen, kann es zum Beispiel sinnvoll sein, den Stromverbrauch der Elektrogeräte zu messen.

Regel Nummer eins: Ausschalten, was geht

Auf jeden Fall sinnvoll ist es, alle Geräte, die nicht gebraucht werden, abzuschalten – und zwar ganz. Lampen zum Beispiel, die mit einem Netzteil betrieben werden, können auch Strom verbrauchen, wenn der Schalter aus ist, warnen Verbraucherschützer. Ein Tipp von Verbraucherschützern: Ist das Netzteil warm, verbraucht ein Gerät noch Strom und ist nicht ganz aus.

Regel Nummer zwei: Gute Organisation ist alles

Ein Grad niedrigere Kühlschranktemperatur bedeutet sechs Prozent mehr Stromverbrauch. Es lohnt sich also zu überlegen, wie viele schnell verderbliche Lebensmittel im Kühlschrank sind, und wie kalt er wirklich sein muss. Nichts Warmes hineinstellen und Ordnung halten im Kühlschrank sind weitere Tricks. Denn wer die Milch oder den Käse gleich findet, hält die Kühlschranktür zur warmen Küche nicht so lange offen. Ob Wasch- oder Spülmaschine: Erst möglichst voll anschalten, und nicht zu hohe Temperaturen verwenden, das spart viel Strom. Den Backofen kann man etwas früher ausschalten, wenn die Backzeit lang ist – er bleibt heiß genug bis zum Ende. Auch Umluft spart Energie. Gerade bei großen Geräten wie Waschmaschine, Backofen oder Kühlschrank lässt sich mit guter Organisation viel Sparen.

Ob sich ein neues Gerät, etwa ein neuer Kühlschrank, lohnt, können Kunden zum Beispiel im Internetangebot der Verbraucherzentralen ausrechnen.

SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Herr hat viele Tipps zum Stromsparen zusammengetragen, zum Anlass der Earth Hour. Hier finden Sie auch weitere Infos zur Frage, ob sich ein neues Gerät lohnt.

Weltweite Aktion für den Klimaschutz Earth Hour: So spart man Strom für Klima und Portemonnaie

Am 27.03. gehen abends an vielen Orten die Lichter aus, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Strom sparen und Klima schützen ist jeden Tag möglich - mit diesen Tipps.  mehr...

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