Ein Rotkehlchen singt auf einem Baum im Frankfurter Stadtwald.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Arne Dedert)

"Stunde der Gartenvögel"

Vogelstimmen mit ganz einfachen Tricks erkennen

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Mitte Mai 2022 waren bundesweit alle Menschen aufgerufen, Vögel zu zählen. Die Vögel, die man sieht oder hört, kann man an den Naturschutzbund melden. Aber wer singt da gerade?

Eine Stunde lang vom Balkon aus, im Garten oder im Park die Vögel beobachten oder ihrem Gesang zuhören und dann die Ergebnisse an den Naturschutzbund (NABU) weiterleiten: Das ist die Idee bei den großen Vogelzähl-Aktionen des NABU. Im Winter ist das die "Stunde der Wintervögel" und im Frühjahr wieder die "Stunde der Gartenvögel". Von Freitag, 13. Mai bis Sonntag, 15. Mai 2022 hatte der Naturschutzbund dieses Mal dazu aufgerufen.

Beobachtungen könnenbis zum 23. Mai an den NABU gemeldet werden. Der NABU führt die Aktion zum 18. Mal durch. Ein Ziel sei es, mit Hilfe der über die Jahre gesammelten Daten Hinweise zu bekommen, wie es den unterschiedlichen Vögeln geht und wie verbreitet sie sind.

Wir helfen, die wichtigsten Vogelstimmen zu erkennen

Gemeldet werden dürfen auch Vögel, die man zwar nicht gesehen, aber dafür gehört hat - je dichter das Laub, desto eher kommt das vor. Da wäre es praktisch, zumindest ein paar gängige Vogelstimmen zu kennen. Unser Vogelstimmen-Coach ist Martin Klatt vom NABU. SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk hat ihn nach Tipps gefragt, wie man sich Vogelstimmen merken kann.

Kohlmeisen kann jeder sofort an zwei Silben identifizieren

Die Kohlmeisen-Stimme gilt als besonders geeignet für Anfänger. Der Singvogel hat einen typischen, leicht metallisch klingenden Sound, der sich so anhört, als würden die Männchen hektisch nach einer Frau namens "Judith" suchen: "Ju - dith, Ju - dith". Engländer werden vermutlich eher "You did, You did" verstehen.

Beim Buchfink an Bier denken

Der Buchfink klingt so, als würde er leicht stotternd nach einem Weizenbier verlangen. Der Experte schlägt deshalb vor, man solle sich folgenden Satz merken: "B-b-b-b-b-ring mir ein Glas mit Weizenbier."

Die Amsel flötet melodisch

Jede Amsel singt anders, erklärt der NABU-Experte Martin Klatt. Trotzdem könne man - seiner Meinung nach - Amseln gut erkennen, weil sie immer ein "schwermütig wirkendes, melodisches, warm klingendes Flöten" von sich geben.

Der Grünfink-Ruf hat Ballermann-Charme

Für Grünfinken hat der Vogel-Experte als Eselsbrücke plumpe Anbaggersprüche à la "Eeeeey! Wollen wir nicht eine Familie gründen?". Allerdings ist der Grünfink nicht immer so penetrant unterwegs. Manchmal sind seine Rufe auch dezenter. Aber immer will er die Weibchen beeindrucken, wie alle Singvögel.

Der Hausrotschwanz hat eine Reibeisenstimme

Der Hausrotschwanz klingt oft heiser - so als habe er eine starke Erkältung oder am Vortag zu viel geraucht. Dabei geht es ihm in Wirklichkeit glänzend und die Weibchen stehen auf die "Rod Steward-Reibeisenstimme".

Unter Blaumeisen ist der Ton wenig lieblich

Die Blaumeise zwitschert ziemlich schrill, hektisch-piepsig.

Noch mehr Tipps zu Vogelstimmen

Einige weitere Vogelstimmen und Eselsbrücken zum Erkennen stellen SWR-Umweltredakteurin Stefanie Peyk und NABU-Fachmann Martin Klatt hier vor.

Gute Nachrichten: Viele Teilnehmer und wieder mehr Blaumeisen

Ein Ergebnis der letzten Zählaktion vor einem Jahr war für den NABU: Die Blaumeise, die ein schwieriges Jahr hinter sich hatte, hat sich wieder erholt. Eine Bakterien-Infektion hatte die beliebte Art vorher schwer getroffen und zu einem Massensterben geführt.

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Auch mit der Teilnehmerzahl war der NABU vergangenes Jahr sehr zufrieden. Sie ist auf hohem Niveau geblieben - nach dem Rekordjahr 2020, wo im ersten Corona-Lockdown besonders viele Menschen mitgemacht hatten. Einen Erfahrungsbericht sehen Sie hier im Video.

Schwalben im Fokus

Dieses Jahr hofft der NABU unter anderem auf Erkenntnisse zu Schwalben. Seit Jahren gibt es immer weniger von ihnen. Die Rauchschwalbe steht laut NABU auf der Vorwarnliste, und die Mehlschwalbe gilt bereits als gefährdet.

Kritische Einordnung der Zählaktion

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen zum Ziel der Aktion, Erkenntnisse zum Bestand bestimmter Vogelarten zu gewinnen. Der Verhaltensforscher und emeritierte Professor Peter Berthold, langjähriger Direktor der Vogelwarte Radolfzell, lobt die "Stunde der Gartenvögel" als gute Gelegenheit zum Beispiel für Familien, sich mit Vögeln zu beschäftigen. Belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse daraus zu ziehen, hält der Vogel-Experte aber für schwierig.

So kann man sich bei der "Stunde der Gartenvögel" beteiligen

Beispiel, wie man richtig Vögel für die NABU-Aktion "Stunde der Gartenvögel" notiert. (Foto: Pressestelle, NABU)
So notiert man richtig Vögel für die NABU-Aktion "Stunde der Gartenvögel". Pressestelle NABU

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