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Durch die weltweite Reisewarnung haben Veranstalter Reisen und Flüge storniert. Vor der Corona-Pandemie konnten Kunden sicher sein: Jetzt gibt es Geld zurück. Das könnte sich bald ändern.

Schwierige Zeiten für diejenigen, die nach stornierten Urlaubsreisen oder Flügen auf ihr Geld warten – Veranstalter und Fluggesellschaften reagieren schleppend oder gar nicht. Fragen an SWR-Wirtschaftsredakteurin Tamara Land.

Mit Rückerstattungen nach der Stornierung von Reisen läuft es nicht. Warum?

Zum einen steht das Geld schlichtweg nicht zur Verfügung. Es liegt ja nicht im Tresor der Reiseveranstalter und wartet darauf, wieder an die Kunden zurückgezahlt zu werden, sondern es wird weitergegeben. Die Veranstalter müssen zum Beispiel die Airlines bezahlen, die Hoteliers. Dazu kommt, weil fast alle Reisen abgesagt und fast alle Flüge annulliert worden sind, wollen alle Kunden gleichzeitig ihr Geld zurück. Das geht praktisch einfach nicht.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb im Moment wenig läuft. Die Veranstalter und Fluggesellschaften scheinen auf Zeit zu spielen. Nach aktueller Rechtslage ist klar: Man bekommt bei annullierten Flügen und bei abgesagten Pauschalreisen sein Geld zurück. Es könnte aber sein, dass diese Rechtslage bald geändert wird. Die Bundesregierung will sich bei der EU-Kommission dafür einsetzen, dass es für die Kunden Gutscheine gibt statt Rückerstattungen. Deshalb halten die Veranstalter momentan die Füße still, in der Hoffnung, bald Gutscheine ausstellen zu dürfen statt Geld zurückzahlen zu müssen.

Dauer

Wie konkret ist die Lösung mit den Reisegutscheinen?

Sie ist nicht richtig konkret, weil das EU-Recht berührt. Die EU regelt in der Pauschalreiserichtlinie, und in weiteren Richtlinien, die Verbraucherrechte. Darüber kann sich Deutschland nicht einfach hinwegsetzen. Aber Deutschland hat Einfluss in der EU. Die Tourismusverbände hier haben es in den letzten Wochen geschafft, die Politik dahin zu bewegen, dass sie sich jetzt in Brüssel dafür einsetzt, diese Verbraucherrechte aufzuweichen.

Die Verbraucherschützer in Deutschland haben noch versucht, das zu verhindern. Sie kritisieren klar, dass diese Gutscheinlösung für die Verbraucher ein großer Nachteil wäre. Menschen, die in Kurzarbeit sind, können sich einen Urlaub, den sie noch vor ein paar Monaten geplant hatten, jetzt unter Umständen gar nicht mehr leisten. Sie brauchen ihre Anzahlung zurück. Aber offenbar hat die Reisebranche der Politik bislang bessere Argumente vorgelegt als die Verbraucherschützer. Jetzt ist also die EU-Kommission am Zug.

Was kann ich als Verbraucher tun, wenn meine Reise oder ein Flug storniert wurden?

Hier ist wirklich der Unterschied: Recht haben und Recht bekommen. Im Moment ist die Rechtslage noch klar: Man hat einen Anspruch darauf, das Geld zurückzubekommen – bei einem Flug innerhalb von sieben Tagen und bei einer Pauschalreise innerhalb von 14 Tagen. Dass das derzeit ausgesessen wird, ist für die Kunden ärgerlich.

Ich würde empfehlen, es mit der Rückerstattung trotzdem zu versuchen:

  • Auf jeden Fall sollten Kunden Beweise sammeln, dass der Flug storniert oder die Reise abgesagt wurde. Also die E-Mail mit der Stornierung ausdrucken oder einen Screenshot machen.
  • Anschließend den Antrag auf Rückerstattung beim Veranstalter oder der Fluglinie stellen – am besten schriftlich, damit man auch nachweisen kann, dass man diesen Antrag gestellt hat.
  • Wenn das alles nichts wird, kann man sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Sie vermittelt zumindest bei Flugreisen zwischen Passagieren und Airlines.

Wenn auch das nichts bringt, bleibt am Ende nur der Rechtsweg.

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