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Wer die Steuererklärung für 2020 machen will, sucht oft das passende PC-Programm. Aber wie einfach lässt es sich bedienen? Was bedeutet die Home-Office-Pauschale? Und was müssen Rentner jetzt beachten?

Über 20 Mio. Steuererklärungen werden elektronisch erstellt. Die meisten mit Hilfe einer Steuersoftware. Die Steuersoftware "ElsterFormular" von den Finanzverwaltungen steht für 2020 nicht mehr zur Verfügung. Wir haben einige der bekanntesten Programme für den Hausgebrauch unter die Lupe genommen. Kommen Steuerlaien damit gut zurecht?

Andreas Weinz hat die Steuererklärung bisher mal klassisch mit Papierformular, aber auch schon mit Steuersoftware am PC gemacht. Für uns probiert er drei beliebte Steuerprogramme aus:

  • "WISO Steuer Sparbuch" für 34,95 Euro
  • "Steuersparerklärung" für 29,95 Euro
  • "Lohnsteuerkompakt" für 29,95 Euro

Steuerberaterin Karin Willig wird die Ergebnisse für uns überprüfen. Sie hat seit acht Jahren eine eigene Kanzlei und ist Vizepräsidentin der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz.

"Ich bin eigentlich primär gespannt darauf, wie jemand der Vorkenntnisse nicht hat, die ich habe, mit so einem Programm zurechtkommt."

Karin Willig, Steuerberaterin

"WISO Steuersparbuch" - schnell und einfach

Der Mainzer Andreas Weinz startet mit dem "WISO Steuersparbuch". Die Familiendaten und die Einkünfte sind schnell eingetragen. Und auch die Home-Office-Regelung findet er schnell. Praktisch: das Programm zeigt die laufende Steuer-Berechnung an. Derzeit ist er bei 2.407 Euro Erstattung.

Nach einer guten Stunde hat es Andreas Weinz geschafft: "Schaut sehr gut aus, hier steht etwas von einer Erstattung, das Feld ist grün hinterlegt, sind 2.879,10 Euro."

"Steuersparerklärung" - fehlende Dienstbeschreibung

Nun probiert Andreas Weinz das nächste Programm, die "Steuersparerklärung" aus. Gut: auch hier sind alle Corona-Neuerungen dabei. Doch bei den Angaben zur Beschäftigung hakt es. Andreas Weinz hat einen speziellen Angestellten-Status. Den findet er bei der "Steuersparerklärung" nicht. "Ich selbst bin Dienstordnungsangestellter, würde mich aber, auf Grund des beamtenähnlichen Arbeitsverhältnis, für Beamter entscheiden." Das ist steuerlich richtig, war im "WISO-Programm" aber besser gelöst. Dort konnte er Dienstordnungsangestellter auswählen. Und auch sonst kam er mit dem "WISO-Programm" etwas besser zurecht. Die errechnete Erstattungsbetrag zeigt einen Unterschied von 20 Euro zur ersten Software.

"Lohnsteuerkompakt" - höchste Rückerstattung

Und zum Schluss das Online-Steuer-Programm "Lohnsteuerkompakt". Auch hier sind alle Corona-Neuerungen dabei. Was Andreas Weinz aber auf Dauer nervt: "Mit jedem Haken, den ich mache, hab ich dann ne kurze Wartezeit und dann geht´s erst weiter." - und dann nur 161 Euro Rückerstattung. Erst nach mehrmaligen Versuchen klappt es. Mit 3.115 Euro fällt hier die Rückerstattung am höchsten aus.

Fazit

Karin Willig überprüft die Ergebnisse. Sie findet einige Eingabefehler von Andreas Weinz, die zu den unterschiedlichen Ergebnissen bei "WISO" und der "Steuersparerklärung" geführt haben. Bei "Lohnsteuerkompakt" können ihrer Ansicht nach aber auch missverständliche Angaben im Programm zu Eingabefehlern führen. Außerdem macht "Lohnsteuerkompakt" einen Rechenfehler bei den Bewirtungskosten. Sie werden zu hoch angesetzt. Denn 30 Prozent müssen in der Regel selbst übernommen werden.

Karin Willig hat die korrekte Steuer-Erstattung für Andreas Weinz mit 2.900 Euro berechnet. Und Andreas Weinz hofft, dass das Finanzamt alles anerkennt. Dann ist die Urlaubskasse bei der Familie wieder gut gefüllt.

Diese Apps helfen ebenfalls bei der Steuererklärung.

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Wie funktioniert die Home-Office-Pauschale und wer bekommt sie?

Die Home-Office-Pauschale ist für alle gedacht, die im vergangenen Jahr von zuhause aus gearbeitet haben. Und zwar gerade für diejenigen, die kein separates Arbeitszimmer zuhause eingerichtet haben. Sondern am Wohnzimmer- oder Küchentisch am Laptop sitzen und arbeiten.

Wie hoch ist die Home-Office-Pauschale?

Die Home-Office Pauschale zählt zu den Werbungskosten. Das heißt, ich kann sie von der Steuer absetzen, sie vermindert meine steuerpflichtigen Einkünfte. Sie beträgt 5 Euro pro Tag an maximal 120 Tagen im Jahr. Also maximal 600 Euro. Sie gilt aber nur, wenn man an dem Tag ausschließlich zuhause gearbeitet hat.

Wer profitiert davon?

Davon profitieren vor allem diejenigen, die ohnehin schon Werbungskosten von über 400 Euro haben. Denn bis 1.000 Euro berücksichtigt das Finanzamt ohnehin pauschal.

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Das müssen Rentner bei der Steuererklärung beachten

Auch für Rentner ändern sich einige Dinge bei der Steuererklärung für 2020. Zum einen gibt es neue Formulare für Rentner. Zum anderen werden durch Rentenerhöhungen wie im vergangenen Jahr über 60.000 Rentner steuerpflichtig. Und der steuerpflichtige Anteil der Rente ändert sich jedes Jahr. Genau wie die Freibeträge.

Wer 2020 in Rente ging, hat einen Freibetrag von 20 Prozent. Das heißt 80 Prozent der gesetzlichen Rente muss versteuert werden. Das ändert sich jedes Jahr. 2040 fällt der Freibetrag weg und 100 Prozent der Rente muss versteuert werden.

Warum ändert sich die Rentenbesteuerung jedes Jahr?

Die Besteuerung der Renten wurde 2005 grundlegend geändert. Ab 2025 werden die Rentenbeiträge dann steuerfrei einbezahlt und ab 2040 voll versteuert.

Problematische Übergangsregelung

Nein, eben nicht. Es ist sehr strittig, ob diese Übergangsregeln verfassungsrechtlich korrekt sind. Denn klar ist, dass eine Doppelbesteuerung, also eine Besteuerung der Rentenbeiträge und der Rentenauszahlung vermieden werden muss. Das wird derzeit in mehreren Klagen beim Bundesfinanzhof entschieden.

Anhebung Hinzuverdienstgrenze

Die Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Altersrenten steigt 2021 von 44.590 Euro auf 46.060 Euro. Jahreseinkünfte bis zu dieser Höhe führen somit nicht zur Kürzung einer vorgezogenen Altersrente. Ab 2022 gilt voraussichtlich wieder die ursprüngliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro pro Kalenderjahr.

Für 2020 war die ursprüngliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro bereits auf 44.590 Euro erhöht worden. Der Gesetzgeber reagierte damit auf den durch die Covid-19-Pandemie gestiegenen Bedarf an medizinischem Personal und die durch Erkrankungen oder Quarantäneanordnungen ausgelösten Personalengpässe in anderen Wirtschaftsbereichen. Mit der Regelung soll die Weiterarbeit oder Wiederaufnahme einer Beschäftigung nach Renteneintritt erleichtert werden.

Die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze gilt für Neu- und Bestandsrentner.

Welche wichtigen Änderungen für die Steuererklärung 2020 gibt es außerdem?

Wichtig ist vor allem die Erhöhung des Steuerfreien Grundbetrags von 9.168 Euro auf 9.408 Euro. Der gilt übrigens für alle, egal, ob Rentner oder Arbeitnehmer. Bis zu diesem Einkommen fallen keine Steuern an.

Weitere Steuerregelungen für 2020 haben wir hier zusammengefasst.

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