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Den neuen Computer, das Kindergeld, den Dienstweg zur Arbeit: Was kann, darf oder muss ich alles bei der Steuer angeben? Unsere Finanzexpertin klärt auf.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Wer muss keine Steuererklärung machen?

Wer als kinderloser Arbeitnehmer nur Einnahmen von einem Arbeitgeber hat, der muss in der Regel keine Steuererklärung machen. Ebenso wer als Single in der Steuerklasse Eins ist oder wenn Verheiratete beide in der Steuerklasse Vier sind. Auch wer mit seinem Einkommen unterhalb des sogenannten Grundfreibetrages liegt, muss keine Steuern zahlen und entsprechend auch keine Steuererklärung abgeben. Im Jahr 2019 lag dieser Grundfreibetrag bei 9.408 Euro für Singles und 18.816 Euro für Verheiratete bzw. eingetragene Lebenspartner.

Da viele Steuerzahler jedoch Geld vom Finanzamt zurückbekommen, lohnt sich die Steuererklärung oft trotzdem, auch wenn man nicht verpflichtet ist, eine abzugeben.

Wo bekomme ich Hilfe?

Bei Fragen zur Steuer hilft unter anderem der Lohnsteuerhilfeverein, der auch gemeinsam mit seinen Mitgliedern die Steuererklärung erstellt. Dafür muss man einen Mitgliedsbeitrag bezahlen, der sich nach den Einkünften richtet – meist zwischen 50 und rund 400 Euro jährlich. Allerdings darf man keine Einkünfte aus selbstständiger Arbeit haben und nicht mehr als 18.000 Euro aus Vermietung und Verpachtung einnehmen.

Für besonders einfache Fälle gibt es jedoch noch eine andere Möglichkeit: die vereinfachte Steuererklärung. Diese lohnt sich, wenn die Steuern und Abgaben über den Arbeitgeber vom Gehalt abgezogen bekommt. In diesem Fall ist zwar eigentlich keine Erklärung nötig, trotzdem gibt es oft Geld zurück. Die vereinfachte Steuererklärung eignet sich für alle, die neben ihren festen Einnahmen keine Mieteinnahmen oder Kapitalerträge haben. Rentner und Selbstständige sind allerdings ausgeschlossen.

Was kann ich alles von der Steuer absetzen?

Kuriose Finanzregelungen Hundefrisör bei der Steuer angeben?

Ein Mann im Anzug lehnt an einer Wand. (Foto: Photo by Hunters Race on Unsplash)
Anzug und Krawatte – für manch einen ist das seine tägliche Arbeitskleidung. Leider kann man die Kosten in der Regel nicht von der Steuer absetzen. Doch es gibt Ausnahmen: … Photo by Hunters Race on Unsplash Bild in Detailansicht öffnen
… Bestatter! Denn ist der Anzug die „typische“ Berufskleidung, so dürfen die Beschaffungskosten abgesetzt werden. Das gilt z. B. auch für Kellner und katholische Geistliche. Picture Alliance/Oliver Dietze/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Auch der Arbeitsweg kann bei der Steuer berücksichtigt werden. Allerdings nicht Hin- und Rückfahrt, sondern nur der einfache Weg mit 30 Cent pro Kilometer. unsplash.com/Max Bender Bild in Detailansicht öffnen
Den Kollegen einen Sekt ausgeben, zum Einstand, zum Geburtstag oder einfach so: Kann man das alles absetzen? Nein. Nur Ein- und Ausstand können steuerlich abgesetzt werden. Alles andere nicht. unsplash.com/Major Tom Agency Bild in Detailansicht öffnen
Besonders kurios: ein neuer Haarschnitt für den Vierbeiner. Kann sogar der abgesetzt werden, zum Beispiel bei Polizei-, Therapie- oder Blindenhunden? Nein, in der Regel nicht. Es sei denn, der Hundefriseur kommt nach Hause. Nur dann ist es eine haushaltsnahe Dienstleistung und die kann abgesetzt werden. unsplash.com/Александр Гросс Bild in Detailansicht öffnen

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Wer Handwerker oder eine Haushaltshilfe beschäftigt, kann die 20 Prozent der Arbeitskosten von der Steuer absetzen, maximal aber 4.000 Euro im Jahr. Materialkosten fallen nicht darunter, sondern nur der Arbeitslohn. Wer eine Haushaltshilfe auf Minijob-Basis beschäftigen möchte, sollte sich bei der Minijob-Zentrale schlau machen, denn da gelten besondere Regeln.

Musterklage gegen Doppelbesteuerungen bei Rentnern

Der Bund der Steuerzahler unterstützt derzeit eine Musterklage gegen die sogenannte Doppelbesteuerung. Die liegt demnach vor, wenn Beiträge zur Altersvorsorge aus dem bereits versteuerten Einkommen gezahlt werden und dann bei der Auszahlung der Rente erneut versteuert werden. Der Bundesfinanzhof beschäftigt sich aktuell mit der Klage eines Ruheständlers gegen die Zweifachbesteuerung von Renten. Von dieser Musterklage profitieren nach Angaben des Steuerzahlerbundes auch andere Senioren, die nun nicht selbst klagen müssen.

Renter sollten Geld für eine mögliche Nachzahlung zurücklegen

Wer neu in Rente geht und eigentlich steuerpflichtig ist, bekommt das Geld im ersten Jahr erstmal ohne Abzüge ausgezahlt. Die Steuer wird erst nach der ersten Steuererklärung vom Finanzamt festgelegt. Dann muss üblicherweise Steuer nachgezahlt werden. Hier ist es sinnvoll, schon gleich beim Renteneintritt monatlich eine Summe zurückzulegen.

Belege über Gesundheitskosten sammeln

Ob Brille, Hörgerät oder Medikamente, im Alter steigen die Ausgaben für die Gesundheit. Wichtig ist hier, zum Beispiel Belege aus der Apotheke zu sammeln und die Beträge zu addieren. Wird eine bestimmte Summe überschritten, können die Kosten von der Steuer abgesetzt werden. Das richtet sich auch nach dem Einkommen.

Bis wann muss ich die Steuererklärung abgeben?

Bis zum 31. Juli. Die Frist wurde vergangenes Jahr um zwei Monate verlängert. Wer einen Steuerberater hat, der hat sogar bis Ende Februar des Folgejahres Zeit – für die Steuer 2019 also bis zum 28. Februar 2021. Wer zu spät dran ist, muss für jeden verspäteten Monat mindestens 25 Euro Verspätungszuschlag zahlen.

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