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Braun, mit kahlen Stellen, vermoost, verfilzt und voller Unkraut: Rasenflächen sind im Frühjahr oft ein trostloser Anblick. Ein Rasenrepartur-Programm sorgt für Abhilfe.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Der ideale Zeitpunkt für das Aufpeppen des Rasens ist das Frühjahr - dann geht es am schnellsten. Doch auch im Frühsommer können Sie die meisten Schäden mit unserem kleinen Kurprogramm beheben. Gefragt sind allerdings Geduld und Sorgfalt beim Feuchthalten der Sämlinge.

Schritt 1: Eine kleine Stärkung

Als erstes sollten Sie den Rasen mähen. Aber Achtung: Ist der Rasen schon höher, benötigt es dafür mehrere Mähgänge mit mehrtägigem Abstand. Mehr dazu finden Sie unter Punkt 6. Und Feuchtigkeit verhindert einen sauberen Schnitt. Zudem verklumpt das Mähgut und die Räder des Rasenmähers können die aufgeweichte Narbe schädigen.

Gut zu wissen: Die sogenannte Drittel-Regel zeigt an, wann es Zeit für die nächste Mahd wird. Ist ein Gebrauchsrasen sechs Zentimeter hoch, muss man ein Drittel (zwei Zentimeter) abmähen, damit er wieder die richtige Länge hat.

Und da Düngemittel der Rasenfläche und dem Boden wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium zurückgeben, empfiehlt sich danach eine Stärkung in Form von Rasendünger.

Untersuchungen zeigen, dass viele Gemüse- und Blumenbeete in Hobbygärten überdüngt sind, bei den Rasenflächen aber oft Nährstoffmangel herrscht.

Wenn Sie ganz sicher sein wollen, wie viel und welchen Dünger ihr Rasen benötigt, können sie eine Bodenanalayse machen lassen und den Dünger dementsprechend zusammenstellen. Allerdings tut es in den meisten Fällen auch eine fertige Rasendüngermischung aus dem Handel. Halten Sie sich aber in jedem Fall an die Dosierungsanleitung auf der Verpackung. Zu viel Dünger kann zu Verbrennungen führen. Idealerweise ist der Boden beim Düngen feucht und bekommt danach noch eine Extraportion Wasser. So kann sich der Dünger gleichmäßig verteilen und optimal in den Boden einziehen.

Schritt 2: Weg mit dem Ballast

Danach wird der Rasen vertikutiert (entfilzt). Dabei wird die Grasnarbe von abgestorbenen Rasengräsern, Moos und Unkräutern befreit. Das Anritzen der Erde öffnet die Bodenoberfläche zudem für die Wasseraufnahme und regt die Rasenpflanzen zu neuem Wachstum an.

Achten Sie darauf, dass der Boden nicht allzu nass ist, sonst werden zu viele Gräser herausgerissen. Die für das Vertikutieren benötigten Geräte gibt es in Fachhandlungen und Baumärkten. Teilweise werden sie dort auch verliehen. Sie werden ähnlich einem Rasenmäher genutzt: Die Vertikutierer werden in gleichmäßigen Bahnen über den Rasen gezogen bzw. geschoben, je nachdem ob es sich um elektrisches oder ein manuelles Gerät handelt.

Rasenexperte und Agrar-Biologe Martin Brocksch von der Uni Hohenheim empfiehlt, den Rasen etwa zehn bis vierzehn Tage vor dem Vertikutieren zu düngen. Haben die Rasenpflanzen die Nährstoffe aufgenommen - sind sie also gestärkt - können sich die Gräser schneller regenerieren und die Wunden, die durch das Vertikutieren an den Halmen entstehen, heilen besser.

Der anfallende Rasen-, Moos, - und Unkrautbefall wird anschließend mit einem Rechen eingesammelt und auf den Kompost oder als dünne Mulchschicht in die Blumenbeete gegeben.

Schritt 3: Kurz durchlüften

Ist der Boden vollkommen verdichtet, sollten sie im Anschluss noch zusätzlich aerifizieren (lüften). Eine Verdichtung ist zum Beispiel gegeben, wenn Regenwasser auf dem Rasen „stehenbleibt“ und lange braucht, bis es versickert ist.

Auch Aerifizierer können Sie sich im Fachhandel ausleihen. Ist ihr Rasenstück nicht allzu groß, können Sie aber auch eine Spatengabel nehmen. Wichtig ist, dass in regelmäßigen Abständen tiefe Löcher in den Rasen gestochen werden. Je verdichteter der Boden, desto engmaschiger sollte das Löchernetz werden. Im nächsten Schritt werden die entstandenen Löcher mit Sand aufgefüllt. Dafür können Sie auf die ganze Rasenfläche Sand geben und ihn mit einem Rechen in die Löcher "kehren".

Sand ist nicht gleich Sand: Verwendet werden sollten grobkörnige und scharfkantige Sande. Das erhöht das Porenvolumen. Wasser kann leichter abfließen und Luft besser an die Wurzeln gelangen. Vorteilhaft ist außerdem die Verwendung von gewaschenem Sand, bei dem abschlämmbare Teile entfernt wurden.

Schritt 4: Gezielte Nachwuchsförderung

Durch das Vertikutieren und Düngen wird der Rasen bereits zu verstärktem Wachstum angeregt. Säen sie flächendeckend noch eine Nachsaat dazwischen, werden kleinere und größere Löcher innerhalb von sechs Wochen geschlossen. Wichtig dabei ist, dass die Nachsaat auf dem Boden landet und nicht in den Grashalmen hängenbleibt. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Sie können die Samen mit einem Rechen auf den Boden drücken, mit einer dünnen Schicht Sand beschweren oder sogar noch mal vorsichtig mit dem Vertikutier über alles gehen.

Vorsicht: Wenn Sie speziellen Nachsaat-Rasen kaufen, müssen sie darauf achten, ob er bereits Dünger enthält. Ist das der Fall verzichten Sie auf Schritt 3. Sonst besteht die Gefahr, dass der Rasen überdüngt wird und verbrennt.

Schritt 5: In der Ruhe liegt die Kraft

Schild" Rasenfläche nicht betreten" (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
picture-alliance / dpa -

Nach dieser Rosskur hat sich ihr Rasen Ruhe verdient. Und da beginnt wahrscheinlich für viele der schwierigste Teil: In den nächsten vier bis sechs Wochen sollten die Stellen, an denen Sie neuen Rasen ausgesät haben, so wenig wie möglich betreten werden. Gleichzeitig müssen Sie aber dafür sorgen, dass die Sämlinge konstant feucht gehalten werden, sonst vertrocknen sie.

Auch der Rest freut sich über wenig Belastung, denn nur so kann sich die Grasnarbe erholen.

Schritt 6: Regelmäßig mähen

Und gemäht wird ein Rasen mit einer Neuansaat dazwischen erst ab einer Höhe von fünf Zentimetern.

Und danach gilt: Die beste Rasenpflege über das Jahr hinweg ist das regelmäßige Mähen. Damit bleibt die Fläche dicht und Unkräuter haben wenig Chancen.

Die Taktung des Mähens hängt dabei vom Rasen und von der Witterung ab, denn an heißen Tagen wachsen die Gräser langsamer. Für Zierrasen beträgt die ideale Mähhöhe maximal drei Zentimeter, für den Gebrauchsrasen etwa vier Zentimeter, und auf schattigen Flächen sollte die Halmlänge nicht unter fünf Zentimeter liegen.

In der Saison reicht es, einen Gebrauchs- und Schattenrasen einmal pro Woche zu mähen, ein Zierrasen kann auch zweimal pro Woche unters Messer.

Haben Sie länger nicht gemäht, hilft die sogenannte Drittel-Regel dabei, die richtige Mähhöhe einzustellen. Es wird immer nur ein Drittel abgemäht, zwei Drittel bleiben stehen. Mähen Sie mehr ab, stecken die Graspflanzen alle Energie in das vertikale Wachstum. Es werden wenig Seitentriebe gebildet und der Rasen wird weniger dicht.

Viel Erfolg!

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