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Im Supermarkt liegt schon eine Weile Spargel – aus Spanien, Griechenland oder gar Peru. Und das für einen günstigeren Preis als deutscher Spargel. Was taugt er? Und wie ist die Ökobilanz?

Endlich ist er da, der erste deutsche Spargel. Von vielen heiß ersehnt - aber ganz schön teuer. Zwischen 15 und 20 Euro kostet das Kilo der Klasse I zu Saisonbeginn, Klasse II um die 15 Euro. Günstiger als der erste deutsche Spargel ist im Supermarkt der spanische, italienische und sogar der weit gereiste aus Peru. Gibt es dabei Geschmacksunterschiede? Und wie steht es um die Ökobilanz?

Spargel-Saisonstart in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Derzeit sind die Erntemengen im Südwesten noch relativ überschaubar, liegen im Schnitt bei 140 Kilo Spargel pro Hektar, schätzt Spargelbauer Dirk Schreiber aus Gerolsheim in der Pfalz. Auch in Rheinhessen wird bereits gestochen. Das reicht für die Direktvermarktung an Ständen. Auch erste Supermärkte bieten regionalen Spargel an.

Die Spargelbauern in Nord- und Mittelbaden stechen bereits fleißig, so dass einem Spargelmenü bereits zu Ostern nichts im Wege steht. Die vorwiegend sandigen Böden und das sonnige Wetter sorgen dafür, dass bei 15 Grad Bodentemperatur die bleichen Stangen bereits sprießen.

Im Südbadischen wächst der Spargel aufgrund der festeren Böden noch etwas zaghaft. Wenn die Temperaturen frühlingshaft warm bleiben, dürfte der Spargel Mitte April überall gute Erträge liefern.

Der Geschmacks-Check: Spargel aus dem Ausland und Inland

Auf 70 Hektar in Fellbach bei Stuttgart baut die Familie Bauerle selbst Spargel an. Auch dort ist es Ende März noch zu kalt auf dem Feld. Mitte bis Ende April beginnt die Saison für den heimischen Spargel so richtig. Im Spargel-Besen der Familie treffen sich unsere Tester zur Blind-Verkostung. Sie probieren:

  • deutschen Spargel aus der Pfalz, vom Markt, für circa 20 Euro das Kilo
  • spanischen Spargel von Rewe für knapp 10 Euro
  • italienischen Spargel von Edeka für rund 14 Euro
  • peruanischen Spargel von Kaufland für 6 Euro das Kilo

Spargelbesen-Koch Thomas Gump hat bereits beim Schälen seinen Favoriten. „Der deutsche Spargel ist ok, da muss man gar nix machen. Wunderbar! Aber der peruanische braucht etwas Zuwendung.“ Bei ihm muss mehr abgeschnitten werden, weil er recht trocken ist.

Unsere drei Verkoster lieben Spargel und probieren je zwei Stangen aus Spanien, Peru, Deutschland und Italien. Schon optisch unterscheiden sich die vier Sorten - die Spitzen sehen anders aus, auch die Farbe, stellen sie fest.

Welcher Spargel schmeckt am besten?

Bitter, süß, erdig, aromatisch – die Tester wundern sich über die deutlichen Unterschiede je nach Herkunftsland. Spargel-Experte Philipp Bauerle weiß: Der Geschmack hat auch mit der Frische zu tun. „Ein frischer Spargel, egal wie ich ihn zubereite, wird immer knackiger sein wie ein Spargel, der schon drei, vier Tage alt ist. Oder auch an den Köpfen merkt man es, so einen super Kopf krieg ich bloß von ganz frischem Spargel.“

Das Urteil der drei Tester ist eindeutig: Am frischesten und am leckersten geschmeckt hat allen der deutsche Spargel. Unser Fazit beim Geschmack: Geschmacklich lag der deutsche Spargel weit vorne, am wenigsten hat der Spargel aus Peru überzeugt.

Spargelanbau in Deutschland: Der Südwesten nur im Mittelfeld

In Deutschland nimmt Spargel den größten Anteil der gesamten Gemüseanbaufläche ein, weit über 22.000 Hektar. Das entspricht 18 Prozent der Anbaufläche für Gemüse.

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz liegen dabei nur im Mittelfeld. Der meiste Spargel wird in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen geerntet. Und das immer früher, sagt Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeerbauern e.V.. „Die Saison wird verlängert oder vorher verfrüht, weil die Leute das fordern.“ Sonst würden sie die Importware kaufen.

Strategie im Konkurrenzkampf: Heiz-Spargel mit Fußbodenheizung

Um mithalten zu können, verwenden deutsche Spargelbauern Folien und manche eine Art Fußbodenheizung. So wie in Waghäusel bei Karlsruhe, auf dem Spargelfeld von Steffen Großhans. Unterirdisch sind Wasserrohre verlegt, durch die warmes Wasser geleitet wird. „So schaffen wir es, den Wurzelbereich auf gut 16, 18 Grad zu erwärmen. Das sind optimale Spargel-Wachstumsbedingungen.“ Dadurch kann Steffen Großhans zwei bis drei Wochen früher Spargel ernten als seine Kollegen ohne Fußbodenheizung.

Die Ökobilanz: Ist ausländischer oder deutscher Spargel besser für die Umwelt?

Die Wärme kommt in Waghäusel aus der benachbarten Biogas-Anlage. Ihre Abwärme muss laut Gesetz ohnehin genutzt werden. Also fällt das bei der Öko-Bilanz nicht ins Gewicht, erklärt Wissenschaftlerin Dr. Ulrike Eberle von der Nachhaltigkeitsberatung Corsus. Allerdings müsse man das Verlegen der Rohre einrechnen, die die Wärme durch den Acker transportieren – das brauche der andere Spargel nicht. „Was aber noch viel mehr zu Buche schlägt, ist die Pumpe, um die Wärme durch diese Rohre hindurch zu pumpen.“

Ausländischer Spargel braucht – durch das wärmere Klima – keine Fußbodenheizung. Seine Ökobilanz fällt laut Dr. Ulrike Eberles Studie für das Umweltbundesamt aber nicht besser aus. „Wenn Sie deutschen Spargel ohne Fußbodenheizung nehmen, dann schneidet der deutlich besser ab als der Spargel aus den südeuropäischen Ländern – ungefähr 30 Prozent besser. Das ist ein ganz guter Wert. Wenn Sie sich das aber anschauen im Vergleich zu deutschem Spargel mit Fußbodenheizung, dann schneidet der wiederum schlechter ab.“

Am schlechtesten schneidet bei der Ökobilanz der Spargel aus Peru ab, weil er meist zu uns geflogen wird. Hinzu kommt die Wasserknappheit dort. Die Spargelfelder liegen teilweise in Wüstengebieten – und Spargel braucht viel Wasser. Das kommt aus dem Grundwasser und von schmelzenden Andengletschern.

Fazit Ökobilanz

In der Ökobilanz liegt ebenfalls der deutsche Spargel klar vorne – allerdings nur, wenn er nicht von Feldern mit Fußbodenheizung stammt. Letzter Platz auch hier: der Flug-Spargel aus Peru. Deutscher Spargel hat seinen Preis, ist aber in Sachen Frische nicht zu toppen. Noch ein paar warme Tage, dann kann es mit dem frischen deutschen Spargel auch ohne Fußbodenheizung richtig los gehen.

Extra-Tipp vom Spargel-Experten: Frische erkennen

Frische ist schon roh zu erkennen. Philipp Bauerle, Spargelbauer Fellbach, erklärt: „Wenn man leicht auf den Anschnitt unten draufdrückt, muss da bissle Wasser rauskommen, dann ist er noch saftig und auch frisch.“

Noch mehr Infos zum Thema Spargel finden Sie:

beim Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Spargel

beim Bundeszentrum für Ernährung: Spargel vom Feld bis in die Küche

beim Öko-Ratgeber Utopia: Plastik, Pestizide und Ausbeutung - Ist Bio-Spargel der bessere Spargel?

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