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VDP, Bio, Spätlese und Co. Was die Bezeichnungen auf den Flaschen bedeuten und über die Qualität aussagen erfahren Sie hier.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Nicht jeder der Wein kauft, kennt sich auch automatisch damit aus. Oft verlässt sich der Laie auf die Etiketten der Weine oder auf aufgedruckte Auszeichnungen.

Aufdrucke, die wir nahezu auf jeder Weinflasche finden. Was aber sagen sie über die Qualität des Weines aus? Der Weinhändler oder Winzer des Vetrauens kann helfen, wenn es um die Bezeichnungen und Siegel geht. Hier lesen Sie alles über die wichtigsten und bekanntesten Bezeichnungen für Deutsche Weine, damit der nächste Wein kein schlechter Fusel wird.

Hier erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Bezeichnungen auf unseren Weinflaschen

Trauben und Rebsorte

Herkunft und Herstellung

Inhalt und Jahrgang

Die Siegel

Trauben und Rebsorte

Rotwein wird in ein Weinglas gefüllt. (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa)
Im klassischen Weißweinland Deutschland legen die roten Tropfen bei der Qualität immer mehr zu. Im Wettstreit mit Italienern und Franzosen machen inzwischen vor allem Spätburgunder Boden gut. (c) dpa

Weinarten

  • Rotwein besteht ausschließlich aus Rotweintrauben.
  • Weißwein besteht ausschließlich aus Weißweintrauben.
  • Rosé besteht ausschließlich aus Rotweintrauben von blass- bis hellroter Beschaffenheit.
  • Weißherbst: ist ein Roséwein, der zu mindestens 95 Prozent aus hellgekeltertem Most besteht. Er darf geringfügig mit anderen Rotweinen verschnitten werden.
  • Blanc de Noir(s) ist im Weinrecht noch nicht definiert. Der Aufdruck beschreibt einen weißgekelterten Rotwein.
  • Rotling wird aus einem Verschnitt von Weißwein- und Rotweintrauben hergestellt. Rotling ist blass- bis hellrot.

Trocken, halbtrocken, lieblich, süß

Je nach Restzuckergehalt im Wein, gilt er als trocken, halbtrocken oder lieblich.

  • Trocken: Der Wein hat höchstens 4 g/l Restzucker, unter gewissen Umständen dürfen auch bis zu 9 g/l Restzucker enthalten sein.
  • Halbtrocken oder feinherb: Der Wein hat mehr Restsüße als ein trockener, maximal jedoch 12 g/l Restzucker, unter gewissen Umständen darf er auch bis zu 18 g/l enthalten.
  • Lieblich: Liebliche Weine enthalten mehr Restzucker als halbtrockene, jedoch maximal 45 g/l.
  • Süß: Süße Weine enthalten mehr als 45 g/l Restzucker enthält.

Rebsorte

Auf dem Etikett einer Weinflasche darf, nach geltendem Weinrecht, nur dann eine Rebsorte stehen, wenn der Wein zu mindestens 85 Prozent aus einer Rebsorte besteht. Eine Übersicht über die fast 140 Rebsorten, die in Deutschland angebaut werden, finden Sie hier.

Cuvée

Cuvée bedeutet, dass ein Wein aus verschiedenen Rebsorten "zugsammengeschnitten" worden ist. Dies wird gezielt im Weinkeller gemacht. In Deutschland dürfen Tafel- und Qualitätsweine nicht miteinander verschnitten werden, auch Qualitätsweine aus verschiedenen Anbaugebieten dürfen nicht vermischt werden. Prädikatsweine dürfen nur dann zu einem Cuvée verarbeitet werden, wenn sie auf der gleichen Prädikatsstufe liegen.

Übersicht der Anbaugebiete in Deutschland

In Deutschland gibt es 13 verschiedene Anbaugebiete: Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheinhessen, Pfalz, Rheingau, Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg. Rheinhessen ist das größte Deutsche Anbaugebiet, Rheinland-Pfalz das Bundesland, mit der größten Anbaufläche. Etwa zwei Drittel der Anbauflächen in Deutschland liegen in diesem Bundesland. Daneben gibt es noch 26 Landweingebiete, die für den Deutschen Landwein relevant sind. Eine Liste der Landwein-Gebiete finden Sie hier.

Herkunft und Herstellung

Weinflaschen Flaschen werden von einer Mitarbeiterin des Weinguts etikettiert. (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa)
(c) dpa

Güteklassen: Von Deutschem Wein bis Prädikatswein

Wein gliedert sich in Deutschland in mehrere Güteklassen: Deutscher Wein, Landwein, Qualitätswein und Prädikatswein. In der untersten Qualitätsstufe, Deutscher Wein, darf ausschließlich Wein enthalten sein, dessen Rebflächen in Deutschland liegen. Bei Deutschem Landwein müssen mindestens 85 Prozent der Trauben aus der angegebenen Region stammen. So gibt es beispielsweise Pfälzer Landwein oder Badischen Landwein – insgesamt gibt es in Deutschland 26 verschiedene deutsche Landweingebiete. Es handelt sich um eine geschützte, geographische Bezeichnung.

Qualitätswein stellt nach Angaben des Deutschen Weininstituts die größte Gütegruppe in Deutschland dar. Hierbei müssen alle Trauben aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete stammen. Der Wein muss zudem eine amtliche Qualitätsweinprüfung bestehen, die eine „sensorische und analytische Kontrolle des Weins beinhaltet“, wie das Deutsche Weininstitut auf seiner Webseite schreibt. Beim Qualitätswein gelten zudem strengere Kriterien, was die Qualität des Mosts angeht. Wein dieser Güteklasse darf, wie auch Deutscher Wein und Deutscher Landwein, bei der Gärung mit begrenzten Mengen an Zucker angereichert werden.

Bei der höchsten Güteklasse, dem Prädikatswein, darf zur Gärung kein Zucker hinzugegeben werden. Es gibt laut Deutschem Weinrecht sechs Prädikate:

  • Kabinett: Lese von reifen Trauben
  • Spätlese: Lese von vollreifen Trauben
  • Auslese: Lese von vollreifen Trauben, die durch Edelfäule konzentriert sein können
  • Beerenauslese: Lese von vollreifen edelfaulen Trauben
  • Eiswein: Lese von bei weniger als -7° C am Rebstock gefrorenen Trauben, die im gefrorenen Zustand gekeltert werden
  • Trockenbeerenauslese: Lese von weitgehend rosinenartigen eingeschrumpften edelfaulen Beeren

Erzeugerabfüllung, Gutsabfüllung, Schlossabfüllung

  • Erzeugerabfüllung: Der Wein besteht nur aus Trauben, die vom Erzeuger selbst angebaut worden ist. Der Wein muss zudem beim Erzeuger abgefüllt worden sein. Erzeuger können auch mehrere Winzer sein, die sich zusammengeschlossen haben.
  • Gutsabfüllung: Zusätzlich zu den Vorgaben der Erzeugerabfüllung muss der Winzer eine abgeschlossene, oenologische Ausbildung haben.
  • Schlossabfüllung: Zusätzlich zu den Vorgaben der Gutsabfüllung muss der Weinbaubetrieb seinen Sitz in einem unter Denkmalschutz stehenden Schloss haben. Auch müssen alle Trauben vom betriebseigenen Anbau stammen.

Inhalt und Jahrgang

Jahrgang

Der Jahrgang darf auf dem Etikett einer Weinflasche nur dann stehen, wenn mindestens 85 Prozent der verwendeten Trauben aus dem angegebenen Jahrgang stammen. Wenn der Wein zusätzlich gesüßt wurde, müssen mindestens 75 Prozent aus dem angegebenen Jahrgang stammen.

Barrique oder Holzfass

Winzer dürfen damit werben, wenn ihr Wein im Barrique oder im Holzfass gereift oder ausgebaut worden ist. Dann müssen allerdings auch mindestens drei Viertel des Weins in dem jeweiligen Fass gereift sein. Auch muss der Wein eine gewisse Zeit im Fass verbracht haben, bei Rotweinen sind mindestens sechs Monate, bei anderen Weinen mindestens vier Monate.

In der EU ist es zulässig, Eichenholzchips der Maische, dem Most oder dem Wein zuzugeben, damit das fertige Produkt ein Holzfassaroma bekommt. Bei Prädikatsweinen dürfen solche Eichenholzstückchen allerdings nicht zugesetzt werden.

Steillage oder Terrassenlage

Auf dem Etikett darf Wein aus „Steillage“ angegeben werden, wenn das Produkt ausschließlich aus Trauben besteht, die auf einem Weinberg mit mindestens 30 Prozent Gefälle gewachsen sind. Bei „Terrassenlage“ müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. So muss der Weinberg, von dem die Trauben stammen, ebenfalls mindestens 30 Prozent Neigung aufweisen und zudem terrassenartig angelegt sein, etwa durch Stützmauern oder Böschungen.

Sulfite im Wein

Auf dem Etikett muss die Angabe „Enthält Sulfite“ oder „Enthält Schwefeldioxid“ stehen, wenn Schwefel im Wein enthalten ist. Schwefel wird während des Gärprozesses und vor der Abfüllung dem Wein zugegeben, damit er länger hält. Es handelt sich um einen Konservierungsstoff. Die EU hat Höchstmengen festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts gibt es derzeit keine Alternative zum Schwefel. Manche Winzer nutzen allerdings Ascorbinsäure (Vitamin C) anstelle von Schwefel.

Die Siegel und Auszeichnungen

Das Emblem des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP), ein Adler mit Weintraube, ist auf den Kapseln von Weinflaschen des Kaiserstühler Prädikatsweingutes Dr. Heger in Ihringen aufgedruckt (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa)
Das Emblem des Verbandes der Prädikatsweingüter, ein Adler mit Weintraube, ist auf den Kapseln von Weinflaschen aufgedruckt. Im Verband Deutscher Prädikatsweingüter, VDP, sind 200 Spitzenwinzer organisiert. 1910 wurde der Verband gegründet. (c) dpa

Bio-Siegel

Trägt ein Wein das deutsche Bio-Siegel oder das EU-Bio-Siegel, so dürfen keine Herbizide gespritzt werden. Fungizide und Insektizide dürfen laut Bundeszentrum für Ernährung „nur einige wenige Mittel unter strengen Auflagen“ angewendet werden. Auch dürfen bis zu fünf Prozent der Zutaten nicht biologisch erzeugt worden sein. Bei der Hefe geht es ganz ohne konventionelle Quellen auch nicht, da das Bio-Angebot schlichtweg zu klein ist. Sie darf auf Antrag verwendet werden.

Bio-Weine enthalten auch weniger Schwefel: Die Obergrenze liegt bei zwei Dritteln der Menge, die in konventionellen Weinen stecken darf. Sorbinsäure ist komplett tabu. Es gibt Anbauverbände wie Bioland, Demeter, Ercovin oder Naturland, die noch deutlich strengere Vorgaben an ihr Bio-Siegel stellen.

VDP.

Der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e.V., kurz „VDP“, ist ein deutscher Verband, zu dem etwa 200 Winzer gehören. Das Prädikat zeichnet sich dadurch aus, dass die Auflagen für die Mitgliedschaft sehr hohe Standards an die Produktion der Weine stellt. Deshalb gehören VDP.-Weine zu den qualitativ höherwertigen Weinen in Deutschland. Darüber hinaus sind die Weingüter in vier Klassifikationsstufen unterteilt. Diese stellen innerhalb der VDP.-Weine nochmals eine eigene Abstufung dar. Welche Weingüter zum VDP. gehören lesen Sie hier.

DLG

Weine können drei unterschiedliche DLG-Siegel tragen: Je nach Prüfergebnis wird ihnen entweder die DLG-Medaille in Gold, Silber oder Prämiert verliehen. Besonders gute Weine erhalten den Goldenen Preis Extra. Nach eigenen Angaben unterziehen unabhängige Experten aus allen 13 deutschen Weinbauregionen die Weine sensorischen Tests.

Deutsches Weinsiegel

Das Deutsche Weinsiegel gibt es in drei unterschiedlichen Farben: Das gelbe Siegel zeichnet trockene Weine aus, das grüne Siegel halbtrockene und das rote Siegel liebliche Weine. Das Deutsche Weinsiegel kürt jeweils regionaltypische Weine traditioneller Rebsorten.

Vegane Weine

Bei herkömmlich produzierten Weinen wird Eiklar oder Gelatine genutzt, um den Wein zu klären. Eiklar beispielsweise bindet sich mit den Trübstoffen des Weins und setzt sich anschließend unten ab. Bei veganen Weinen werden Eiklar und Gelatine durch pflanzliche Eiweiße ersetzt. Es gibt keine geschmacklichen Unterschiede zwischen veganem und nicht-veganem Wein.

Andere Weinauszeichnungen

Neben den Siegeln gibt es noch weitere Auszeichnungen von verschiedenen Weinkritikern: James Suckling ist ein amerikanischer Weinkritiker, der Weine in einem 100-Punkte-System bewertet. Alle Weine über 90 Punkte könne man bedenkenlos kaufen, sagt der Kritiker. Weine über 95 Punkte seien besonders gut. Das österreichische Gourmetmagazin Falstaff bewertet Weine ebenfalls in einem 100-Punkte-System. Der Spanische Weinführer Guia Penin setzt auf das gleiche System, jedoch verteilt der Weinführer auch deutlich niedrigere Bewertungen als James Suckling beispielsweise.

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