E-Auto künftig aus China Letzte Chance für den Smart!

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Daimler verkauft vom Smart eine Hälfte an seinen chinesischen Großaktionär Geely. Ist das die Rettung für den einst hochgejubelten aber insgesamt erfolglosen Kleinwagen?

Kommentar von Sabrina Fritz, SWR-Wirtschaftsredaktion

E-Smart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Uli Deck/dpa)
Ein elektrisch betriebener Smart soll neue Käufer anlocken. picture alliance / Uli Deck/dpa

Wer 2022 in seinen Elektrosmart einsteigt, findet vielleicht irgendwo einen kleinen Aufkleber „Made in China“. Nach Blusen, Turnschuhen oder Handys kommen bald also auch Autos aus dem kommunistischen China.

Mit Volvo hat sich der chinesische Autohersteller Geely schon eine Traditionsmarke unter den Nagel gerissen. „Get used to it! Gewöhn Dich dran!“, möchte man dem Rest der Welt zurufen. Die Zeiten, in denen Chinesen heimlich auf Messen Autos abfotografierten und dann schlecht nachbauten, sind vorbei. Die Zukunft fährt elektrisch und damit hat sich das Fahrrad-Reich ganz selbstbewusst in die erste Reihe vorgedrängelt. Für den Smart ist der Umzug nach China die letzte Chance. Da auch bei Daimler die fetten Jahre vorbei sind, konnte man sich den Verlustbringer nicht mehr leisten.

Geely Headquarter, Shanghai (Foto: SWR)
Geely kaufte 2010 Volvo von Ford.

Mit dem chinesischen Autokonzern Geely hat man bereits einen bekannten Partner. Er ist schon der größte Aktionär bei Daimler und hat damit ein Interesse, dass es den Stuttgartern gut geht. Und auch für Geely ist Mercedes ein wichtiger Partner, denn unter den chinesischen Autoherstellern herrscht Konkurrenz.

Daimler denkt bei seinem neuen chinesisch-deutschen Projekt betriebswirtschaftlich, nicht politisch! Um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, muss der Konzern Autos verkaufen und zwar viele. Fast alle Märkte bergen aber ein Risiko: Europa ist wirtschaftlich unbeständig, Russland und die arabischen Staaten sind immer von Sanktionen bedroht und über den USA hängen dunkle Strafzölle. China ist dabei – trotz Diktatur – eine gute Alternative. Der Markt ist riesig, und mit Geely hat man einen Partner, der Türen öffnet. Außerdem setzt China voll auf Elektroantrieb.

Der Smart der Zukunft wird anders aussehen als der heutige Winzling. Er wird über kurz oder lang autonom fahren. Also Auto bestellen, einsteigen, aussteigen, das Auto rollt weiter. Dass dieses Produkt der Zukunft nicht mehr im Autoland Deutschland, sondern in China gebaut wird, ist eine bittere Erkenntnis. Aber vielleicht ist das Auto der Zukunft ja auch nicht mehr komplexer als ein Handy.

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