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Silikone in Shampoos sollen Haare weicher machen, sind aber auch schädlich für die Umwelt. Was bringen Silikonalternativen in Shampoos? Sind sie wirklich umweltverträglicher?

Der Weg zu glattem, glänzendem und vor allem geschmeidigem Haar führte in der Schönheitsindustrie jahrelang unweigerlich über Silikone. Neben der Optik sollten sie auch die Oberflächenstruktur der Haare glätten und für eine bessere Kämmbarkeit sorgen. Silikon legt sich beim Waschen über das Haar und füllt kleine Lücken in der Haarschuppenschicht auf. Die geglättete Haaroberfläche reflektiert das Licht stärker und wirkt besonders gesund.

Schön und schädlich?

Klingt soweit gut, allerdings können sich die Silikone mit der Zeit auch im Haar anreichern und es so kaputt machen. Darüber hinaus stehen Silikone zunehmend in der Kritik, schädlich für unsere Umwelt zu sein. Über Shampoos oder andere silikonhaltige Produkte gelangen im Abwasser in unsere Gewässer. Im Wasser wirken sich Silikone schädlich auf unterschiedliche Organismen aus oder reichern sich an und belasten die Gewässer mit Schadstoffen. Dem können auch Kläranlagen nichts entgegensetzen.

Mittlerweile gibt es immer mehr Shampoos ohne Silikone. Die Hersteller werben auf den Verpackungen mit "0% Silikone" oder "ohne Silikone". Sind diese Produkte aber wirklich besser als klassische Shampoos mit Silikonen?

Verschiedene Shampoos stehen aufgereiht auf einem Tisch. (Foto: SWR)
Hersteller werben mit silikonfreien Shampoos - doch sind sie wirklich besser für Umwelt und Haare?

Heißt „silikonfrei“ auch frei von Ersatzstoffen?

Doch nur weil Hersteller Shampoos als silikonfrei bezeichnen, heißt das nicht, dass keinerlei Ersatzkunststoffe enthalten sind, die eine ähnliche Wirkung für Haare und Umwelt haben. Gesine Witt ist Professorin für Umweltanalytik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und erforscht seit Jahren die Belastung unserer Gewässer mit Kunststoffen wie Silikonen. Wir haben ihr verschiedene Produkte gegeben, die sie genauer unter die Lupe nimmt.

Gesine Witt, Professorin für Umweltanalytik im Labor. (Foto: SWR)
Gesine Witt, Professorin für Umweltanalytik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg nimmt für uns die Inhaltsstoffe von verschiedenen silikonfreien Shampoos genauer unter die Lupe.

Laut der Professorin sollten Verbraucher genau auf die Inhaltsstoffe schauen, wenn Produkte als silikonfrei beworben werden. In einigen der mitgebrachten Produkte entdeckt die Expertin Ersatzstoffe. Häufig genutzt: die Flüssigkunststoffe Polyquaternium-7 und Polyquaternium-10.

Die Inhaltsstoffe auf der Rückseite einer Shampoo Flasche. (Foto: SWR)
Der Flüssigkunststoffe Polyquaternium-10 als Silikonersatzstoff in einem Shampoo.

Was machen Silikone mit der Kopfhaut?

Beim Waschen bilden Silikone eine Art Film, die sich über unsere Kopfhaut legt. Dieser Film hindert die Kopfhaut am "atmen", so der Mainzer Dermatologe Dr. Uwe Kirschner. Silikone erschweren den Feuchtigkeits- und Stoffaustausch zwischen der Kopfhaut und der Umwelt. Eine Folge kann Juckreiz oder eine trockene Schuppung der Haut sein. "Das macht die Kopfhaut dann auch insgesamt anfälliger", so der Dermatologe. Produkte mit Silikonen und den Ersatzstoffen seien also nicht direkt schädlich für unsere Kopfhaut, trotzdem können sie unangenehm werden.

Der Mainzer Dermatologe Dr. Uwe Kirschner in seiner Praxis. (Foto: SWR)
Der Mainzer Dermatologe Dr. Uwe Kirschner erklärt, was Silikone mit unserer Kopfhaut machen.

Was machen Silikone und Ersatzstoffe mit den Haaren?

Ähnlich wie bei der Kopfhaut legen sich die Silikone auch wie ein Film um die Haare. Was im ersten Moment gut und gepflegt aussieht, kann auf Dauer die Haare schädigen. "Das Silikon täuscht natürlich erst einmal Qualität und Glanz vor. Aber im Endeffekt macht es genau das Gegenteil, es macht eher kaputt", so der Stuttgarter Friseurmeister Alexander Preßler. Zusammen mit seinem Kollegen Vittorio Arciprete betreibt er einen Friseursalon in Stuttgart. Beide sprechen sich gegen Silikone und Ersatzstoffe aus.

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl, hinter ihr steht ein Mann. beide tragen eine Alltagsmaske. (Foto: SWR)
Der Stuttgarter Friseurmeister Vittorio Arciprete mit einer Kundin in seinem Salon.

Um den Effekt von Silikonen zu zeigen, hat Testerin Daniela ihre Haare über mehrere Wochen mit silikonhaltigem Shampoo gewaschen. Besonders aufgefallen ist ihr hierbei, wie sich die Struktur ihrer Haare verändert hat. "Bereits nach der ersten Wäsche hat sich mein Haar sehr weich angefühlt. Zunächst dachte ich, es fühlt sich ganz gut an. Im Endeffekt muss ich sagen, ist mir das Haar fast ein bisschen zu weich geworden." Darüber hinaus sehe das Haar nach einem Tag wieder leicht fettig aus.

Der Haaransatz wirkt leicht fettig. (Foto: SWR)
Der Haaransatz von unserer Testerin Daniela wirkt bei näherer Betrachtung fettig.

Um Veränderungen der Haarstruktur zu zeigen, wird die linke Hälfte von Danielas Haaren mit einem sogenannten Detox-Shampoo gewaschen. Dieses entfernt gezielt Rückstände wie Silikone. Bereits nach dem Waschen lässt sich ein Unterschied bei der Kämmbarkeit feststellen. Während sich die Haare auf der rechten Seite – immer noch mit Silikonen – ohne Probleme kämmen lassen, gleitet die Bürste links nicht so problemlos durch das Haar.

Eine Person kämmt nasse Haare. (Foto: SWR)
Zum Vergleich: links lassen sich die Haare nur schwer kämmen, rechts hingegen gleitet der Kamm leicht durch die Haare.

Was sich nach einem Nachteil anhört, erweist sich nach dem Föhnen als positiv:

Ohne Silikon besitzt das Haar deutlich mehr Spannkraft und Volumen als mit Silikon.

Fazit:

Mit Silikonen oder Silikonalternativen verlieren die Haare an Volumen und wirken schneller fettig. Wer Silikone und silikonhaltige Produkte meiden und die Umwelt schonen möchte, darf aber nicht einfach blind dem Aufdruck "ohne Silikone" vertrauen, sondern muss das Kleingedruckte lesen oder zu zertifizierter Naturkosmetik greifen. Hier sind Kunststoffe nämlich grundsätzlich verboten.

Tipp, wie man Silikone in Produkten erkennt:

  • Die Hersteller werben auf den Verpackungen mit "0% Silikone" oder "ohne Silikone" und betreiben dadurch sogenanntes Greenwashing. Sie werben also mit dem, was nicht im Produkt ist und stellen sich damit als nachhaltiger und umweltfreundlicher dar, als sie tatsächlich sind.
  • Ob ihr Shampoo wirklich silikonfrei ist, können sie an den Inhaltsstoffen erkennen: Typische Silikone weisen in der Regel die Bezeichnungen "Dimethicone" oder "Dimethiconol" auf.
  • Wer beim Einkaufen nicht immer auf die Inhaltsstoffe achten möchte, kann auch Produkt-Apps, wie zum Beispiel Codecheck- oder Toxfox nutzen. Einfach mit den Apps den Barcode des Produktes scannen und schon werden die Inhaltsstoffe inklusive ihrer Gefahreneinordnung angezeigt.
  • Wenn Sie ihre Haarpflege auf Produkte umstellen, die tatsächlich frei von Silikon- und Ersatzstoffen sind, kann es vorkommen, dass ihre Haare vorübergehend etwas matt und abgegriffen aussehen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, denn das ist völlig normal. Die Silikone müssen sich erst wieder auswaschen. Nutzen sie gegebenenfalls ein tiefenreinigendes Shampoo, welches das Haar von sämtlichen Rückständen wie Silikonen und Pflegeprodukten befreit.
  • Allergikern hilft beim Einkaufen das DAAB-Logo des "Deutschen Allergie- und Asthmabundes". Produkte, die mit diesem Logo versehen sind, wurden bereits von Personen getestet, die mit empfindlicher Haut zu kämpfen haben und besonders schnell allergisch reagieren. Außerdem achtet der DAAB besonders kritisch auf die Verwendung von Duft- und Konservierungsstoffen in Kosmetikprodukten.
  • Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte zu Bio- und Naturprodukten greifen. Der Vorteil: Hier dürfen keine Mineralöl-Produkte enthalten sein. Zudem wird oft auch auf Konservierungsstoffe verzichtet. Dennoch können Duftstoffe auch bei Naturkosmetik ein Problem darstellen.

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