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Das Corona-Kontaktverbot treibt manche Prostituierte jetzt in Hartz 4. So wie Nicole Schulze in Trier. Sie geht auf den Straßenstrich. Homeoffice ist für sie keine Lösung.

In ihrem Wohnwagen hat Nicole Schulze ein ausgeklapptes Sofa mit rotem Spannbettlaken, ein paar Kissen, eine kleine Küche. Seit 16 Jahren arbeitet Schulze auf dem Straßenstrich, zuerst in Köln, dann in Trier. Zu ihrem Glück hat sie noch etwas gespart. Die Rechnungen für April und die Miete für ihre Wohnung kann die 40-Jährige trotz des Arbeitsverbots noch bezahlen.

Also im Moment ist mein Verdienst auf Null. (...) Viele Frauen bieten jetzt Telefonsex oder sich im Internet an. Das ist nichts für mich. Man muss sich das so vorstellen: Ich bin seit 16 Jahren auf der Straße und auf der Straße gibt es keinen Computer.“

Jobwechsel: Altenpflege statt Prostitution?

Nicole Schulze könnte sich vorstellen, den Beruf zu wechseln und in der Pflege zu arbeiten, zum Beispiel im Altenheim, falls das Sexarbeitsverbot wegen Corona länger bestehen bleibt. Die Chance auf einen solchen Wechsel sieht sie aber für die wenigsten Kolleginnen.

Spendenaktion für Prostituierte

Nicole Schulze hat jetzt im Internet eine Spendenaktion gestartet, um schnell Hilfe zu bekommen. Knapp 2.000 Euro sind schon zusammengekommen. Damit will sie Frauen in Trier, aber auch bundesweit helfen. In Trier sind offiziell 150 Sexarbeiter gemeldet. Außerdem fordert Schulze, dass Frauen ausnahmsweise auch in Bordellen schlafen dürfen, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Prostituiertenschutzgesetz verbietet, dass sie im gleichen Zimmer arbeiten und wohnen.

Viele Sexarbeiterinnen kommen aus Balkanländern

Auch die Beratungsstelle für Prostituierte in Trier, A.R.A, ist alarmiert. Viele Frauen könnten obdachlos werden, erzählt die Beraterin Zuhal Resne. Denn viele Frauen hätten keinen Lebensmittelpunkt in Deutschland, sondern stammen aus den Balkanländern Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

Wenn sie es nicht mehr zu ihren Familien zurückgeschafft haben, wird es durch die Schließungen der Grenzen weiterhin schwierig bleiben. Die Frauen sind sozusagen in einer Sackgasse. Da versuchen wir gerade zu helfen.“

Forderung: Schnelle Hilfen wie für Solo-Selbstständige

Erste Hilfe kommt nun von der Politik: Durch das Gesetz zum Kündigungsschutz, das der Bundestag zu Beginn der Corona-Pandemie beschlossen hat, sind auch Prostituierte vorerst vor Obdachlosigkeit geschützt — zumindest wenn sie offiziell zur Miete wohnen. Die Beratungsstelle in Trier fordert außerdem, dass die staatlich gemeldeten Prostituierten auch von den Corona-Hilfen des Bundes für Solo-Selbstständige profitieren sollen. Lange auf Anträge warten könnten sie aber nicht, sagt Nicole Schulze. Sie bräuchten sofort finanzielle Hilfe. Sonst bestehe auch die Gefahr, dass sie im Kampf um ihre Existenz in die Kriminalität abrutschen.

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