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Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz führen die Maskenpflicht im Nahverkehr und beim Einkaufen zum 27. April ein: Fakten, Nähanleitungen, sowie Tipps zum Tragen und Reinigen.

Inhaltsangabe:

Maskenpflicht für alle: Ein Überblick über die aktuelle Situation

Bei der Frage, ob jeder in Bus und Bahnen sowie beim Einkaufen eine Maske tragen sollte, herrscht auch am 23. April 2020 noch Uneinigkeit: Die Maskenpflicht wird zwar überall eingeführt - in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beispielsweise zum 27. April - der Einführungszeitpunkt der "Nachzügler" reicht aber vom 23. bis zum 29. April, in Berlin und Brandenburg ist das Tragen nur im Nahverkehr Pflicht und die Deutsche Bahn belässt es derzeit bei einer dringenden Empfehlung. Und auch bei der Frage, wo man die Masken herbekommt, darf man die föderale Vielfalt bewundern. Deutschland bleibt in diesem zentralen Punkt immer noch ein Flickenteppich.

Wie genau der Masken-Flickenteppich aussieht, sehen Sie hier:

Das Allerwichtigste ist, dass alle Menschen, die mit eventuell oder tatsächlich mit Covid-19-Infizierten in Kontakt kommen und keinen Sicherheitsabstand einhalten können, jederzeit Zugriff auf eine optimale Schutzausrüstung haben. Egal ob im Krankenhaus, in der Arztpraxis, im Pflegeheim, im Pflegedienst, als Rettungsdienst oder im Polizeieinsatz – diese Menschen sind zwingend darauf angewiesen, dass sie neben Schutzanzügen, Schutzbrillen und sterilen Handschuhen auch über eine ausreichende Anzahl an medizinischen Masken verfügen.

Das Problem: Hier gibt es momentan einen echten Versorgungsengpass. Auch deshalb gibt es wohl in Deutschland bislang keine Maskenpflicht. Denn der derzeitige massive Versorgungs-Engpass führt dazu, dass weltweit - teils mit unlauteren Mitteln - versucht wird, Masken zu besorgen. Das führt nicht nur zu massiven Preiserhöhungen, sondern ruft auch Spekulanten und Betrüger auf den Plan. Würde jetzt noch eine Maskenpflicht für alle verabschiedet, könnte das diese Situation weiter verschärfen.

Und es gibt auch rechtliche Bedenken, gegen eine Einführung. Denn wie kann man den Menschen vorschreiben, dass sie - beispielsweise beim Einkaufen - etwas tragen sollen, das sie nicht erwerben können. Dürfen sie dann im Zweifelsfall nicht mehr einkaufen?

Auf die Maske, fertig, los? So kommen Sie an einen Mundschutz!

Hier kommen die Masken ins Spiel, die inzwischen von deutschen Textilunternehmen produziert werden und auch die vielen, vielen Nähanleitungen, die man inzwischen im Netz findet. Inwieweit sie helfen können und inwieweit nicht, was es dabei zu beachten gibt und was jeder selbst beitragen kann, das haben wir sie für sie in den nächsten Abschnitten zusammengestellt.  

Und für alle, die wissen wollen, wo sie eine Maske erwerben oder teilweise auch kostenlos oder gegen einen Spendenbeitrag erhalten können, haben wir eine Extra-Übersicht zusammengestellt.

Neuer Corona-Beschluss Maskenpflicht in ganz Baden-Württemberg ab 27. April

Die Landesregierung führt in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht ein. Sie soll ab kommenden Montag gelten. Das hat Ministerpräsident Kretschmann in einem Pressestatement mitgeteilt.  mehr...

So wird die Maske nicht selbst zur Infektionsquelle: Richtig anlegen, benutzen, abnehmen und entsorgen 

  • Reinigen Sie Ihre Hände vor dem Aufsetzen der Maske mit einem alkoholischen Händedesinfektionsmittel oder mit Seife und Wasser.
  • Decken Sie Mund, Nase und Kinn mit der Maske ab und stellen Sie sicher, dass keine Lücken zwischen Gesicht und Maske vorhanden sind.
  • Vermeiden Sie es, die Maske während des Gebrauchs zu berühren; wenn Sie die Maske berühren, reinigen Sie Ihre Hände mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel oder mit Seife und Wasser.
  • Ersetzen Sie die Maske durch eine neue, sobald sie feucht ist, und verwenden Sie Einwegmasken nicht erneut.
  • Nehmen Sie die Maske von hinten an den Trägern ab und berühren Sie dabei nicht die Vorderseite der Maske; werfen Sie sie sofort in einen geschlossenen Behälter; reinigen Sie Ihre Hände mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel oder Seife und Wasser.

Do it Yourself: Worauf man bei den selbstgemachen Masken besonders achten muss

  • Prüfung des verwendeten Stoffes auf seine Atemdurchlässigkeit: Nur wenn der Stoff eng angelegt an Mund und Nase das Ein- und Ausatmen ohne großen Atemwiderstand zulässt, ist er für eine Behelf-Mund-Nasen-Maske geeignet. Wichtig dabei: Soll die Maske zwei oder sogar dreilagig werden, müssen bei dem Test alle Lagen an Mund und Nase gehalten werden.
  • Es wird vermehrt gesagt, dass man auch Staubsaugerbeutel nutzen könnte, da das Material eine sehr gute Filterwirkung habe. Das mag richtig sein, nur warnen verschiedene Hersteller eindringlich davor, dass viele Staubsaugerbeutel aus Hygienegründen ein feines antibakteriell wirkendes Pulver aus Polymer beinhalten, das neben der Lunge auch die Verdauungsorgane schädigen kann.
  • Die Maske sollte immer trocken gelagert werden.
  • Vor der Erstbenutzung sollte sie gewaschen werden
  • Gebrauchte Masken sollten nach jeder Anwendung idealerweise gewaschen werden.
  • Masken müssen mindestens bei 60 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden, sicherer sind 95 Grad, da Maschinen im 60-Grad-Programm nicht unbedingt auf 60 Grad erhitzen.
  • Alternativ können sie auf dem Herd mindestens 5 Minuten lang in einem Wasserbad ausgekocht werden.
  • Der Virologe Christian Drosten geht ferner davon aus, dass ein Erhitzen im Backofen schon ab 70 Grad Celsius bei manchen Materialien wirksam sein kann.
  • Nicht sinnvoll ist es, die Masken in den Kühlschrank zu legen oder einzufrieren, da die Viren recht kältebeständig sind. Laut BfR halten sich beispielsweise andere Coronaviren bei minus 20 Grad bis zu zwei Jahre.
  • Achtung: Gestalten Sie die Masken möglichst mit Materialien, die 60 Grad und mehr vertragen oder die Sie alternativ herausnehmen und anderweitig desinfizieren oder entsorgen und ersetzen können.

BMNS-, Alltags- oder auch Community-Masken: Rechtliche Hürden, die Sie kennen sollten

Als Otto-Normalverbraucher soll man nur MNS-Masken tragen, doch auch dort gibt es Engpässe. Selbst Feuerwehrleute, Angestellte von Supermärkten und Mitarbeiter von Arztpraxen haben derzeit nicht genügend davon. Aufgrund dessen wurde von Hausärzteverbänden, Städten, Feuerwehren, Privatleuten und vielen mehr mit einer ganzen Reihe von Nähanleitungen reagiert.

Warum selbstgenähte Masken keine Medizinprodukte sind

Medizinische Mund-Nasen-Schutz Masken unterliegen dem Medizinprodukterecht. Unsterile medizinische MNS stellen im Allgemeinen Medizinprodukte der Risikoklasse I gemäß der Medizinprodukterichtlinie (93/42/EWG, MDD) dar, müssen Normen genügen und ein Nachweisverfahren durvchlaufen. Nur dann können Hersteller sie mit dem CE-Kennzeichen versehen und sie sind in Europa frei verkehrsfähig.

Bei vielen der Nähanleitungen wird deshalb derzeit von einer Empfehlung gesprochen und eine Gewährleistung wird ausgeschlossen. Und oft werden sie – in Anlehnung an die amtliche Bezeichnung des Originals Behelf-Mund-Nasen-Schutz (BMNS) genannt - und neuerdings auch Gesichts,- Community- oder Alltagsmasken - also alles Bezeichnungen ohne das Wort Schutz.

Arbeitsschutz: Welche Maske muss es sein

Wer wissen will, welche Maske ihm bei der Arbeit von seinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden muss, der findet dazu einen guten Überblick beim Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Do it Youself: Masken-Nähanleitungen für Anfänger und Fortgeschrittene

Hier haben wir ein paar für Sie zusammengestellt.

Der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Hausärzteverbandes hat eine Anleitung für einen zweilagigen, waschbaren Behelf-Mund-Nasen-Schutz herausgegeben. Zur Anfertigung werden neben dabei neben einem atmungsdurchlässigen Baumwollstoff, nur eine Schere, zwei Haushaltsgummis und ein Büro-Tacker benötigt.

Die Stadt Essen hat eine achtseitige Nähanleitung für die Herstellung eines zweilagigen, wiederverwendbaren Mundschutzes veröffentlicht. Zur Anfertigung werden kochfeste Baumwolle und ein Draht zum Fixieren im Nasenbereich benötigt. Die Anleitung setzt außerdem Nähutensilien wie Nähmaschine, Schere und Bügeleisen voraus.

Andere vor Ansteckung schützen Corona: Mundschutz selbst nähen

Wer andere nicht mit Corona anstecken will, kann sich einen Mundschutz nähen. Selbst basteln ist einfach und kann andere schützen. Eine Sammlung von Bastel- und Nähanleitungen.  mehr...

Schutzvisier zum Selbstbauen

Für alle, die direkten Kontakt mit eventuell oder tatsächlich mit Covid-19-Infizierten haben und sich nicht ausreichend geschützt fühlen, hat Mark Frank, Leiter der Notaufnahme im Städtischen Klinikum Görlitz, eine Anleitung für ein Schutzvisier auf Facebook gepostet. Benötigt werden dafür Laminierfolie, elastisches Gummiband und selbstklebende Schaumstofffolie.

MNS- und FFP-Masken: Was ist das? Wer braucht sie?

Grundsätzlich muss unterschieden werden, welches Schutzziel beim Tragen einer Maske verfolgt wird. Für den Patientenschutz beispielsweise im OP ist der Mund-Nasen-Schutz ausreichend. Soll der Beschäftigte aber vor einer luftgetragenen Infektion geschützt werden, reicht der Mund-Nasen-Schutz nicht aus. Es müssen partikelfiltrierende Halbmasken getragen werden, welche als Persönliche Schutzausrüstung (PSA) den Anforderungen der europäischen PSA-Verordnung (EU) 2016/425 unterliegen.

MNS-Maske (Mund-Nasen-Schutz; synonym Operationsmasken – OP-Masken): MSN-Masken werden überwiegend in der medizinischen Erstversorgung, der ambulanten Behandlung und in der Krankenhausversorgung sowie in der Pflege verwendet und sind ein Medizinprodukt. Sie müssen die Anforderungen der DIN EN 14683 Medizinische Gesichtsmasken – Anforderungen und Prüfverfahren erfüllen. Diese Masken sind aus mehreren Lagen Stoff, wobei eine davon eine Filterwirkung haben und die äußere Schicht flüssigkeitsabweisend sein muss. Die Filterwirkung entsteht, wenn das spezielle Material durch die Reibung an den beiden anliegenden Schichten statisch aufgeladen wird. Sowohl diese Aufladung als auch der flüssigkeitsabweisende Schutz gehen beim Waschen verloren. Deshalb sind in der EU nur Wegwerfprodukte zugelassen.
Das Tragen von MNS durch den Behandler schützt vor allem den Patienten vor möglicherweise über Mund oder Nase abgegebene potentiell infektiöse Speichel- oder Schleimtröpfchen des Behandlers.

  • MNS kann wirkungsvoll das Auftreffen größerer Tröpfchen z. B. im Auswurf des Patienten auf die Mund- und Nasenschleimhaut des Trägers verhindern.
  • MNS schützt Mund und Nase des Trägers vor Berührungen durch kontaminierte Hände.

Filtering Facepiece", abgekürzt FFP: Diese partikelfiltrierende Halbmasken werden als Atemschutz gegen Aerosole aus festen oder flüssigen, nicht leicht flüchtigen Partikeln eingesetzt. Sie sind - als vollständiges Atemschutzgerät mit nicht auswechselbarem Filtermaterial - nach der europäischen Norm DIN EN 149 geprüft und erfüllen die Anforderungen dieser Norm. Die Norm unterscheidet je nach Rückhaltevermögen des Partikelfilters die Geräteklassen FFP1, FFP2 und FFP3. Sie sitzen mit etwas Abstand über Mund und Nase, liegen dabei an den Wangen eng an. Das Tragen einer FFP Maske kann über längere Zeit körperlich anstrengend sein. Und auch die Schutzwirkung dieser Masken ist nicht unbegrenzt, sie müssen also in regelmäßigen Abständen gewechselt werden.

Gut zu wissen: Nur Atemschutzmasken mit Schutzklasse FFP2 oder FFP3 sind für medizinisches Personal im Umgang mit dem Coronavirus zertifiziert und können dazu beitragen, diese vor einer Ansteckung zu schützen.

Masken sind kein Rund-um-Schutz, aber eine sinnvolle Unterstützung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird häufig damit zitiert, dass sie es nicht für sinnvoll hält, dass alle im öffentlichen Raum Masken tragen. Diese Maßnahme würde bei der Eindämmung des Corona-Virus SARS-CoV-2 nicht helfen. Sieht man sich aber die Empfehlungen auf den Seiten der WHO genauer an, stellt man fest, dass das so nicht ganz stimmt. Die WHO empfiehlt zum Beispiel, dass man eine Maske tragen soll, wenn man hustet oder niest. Aber: Das weiß man ja oft nicht vorher. Ferner betont die WHO, dass die Masken zwar kein Allheilmittel seien, aber durchaus eine unterstützende Wirkung bei der Eindämmung haben können. Voraussetzung dafür ist, dass ihr Einsatz mit einer häufigen Handreinigung mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel oder Seife und Wasser kombiniert wird.

Zusätzlich muss man darauf achten, dass die Masken selbst nicht zur Infektionsquelle werden. Das heißt:  Man muss beim Umgang mit der Maske ein paar Regeln beachten.

Untermauert wird die Aussage, dass Masken als unterstützende Maßnahme wirksam sein können, durch ein Experiment der Bauhaus-Universität Weimar.

Experiment: Wie sich Atemluft beim Husten verbreitet

Was passiert, wenn wir husten? Mithilfe des sogenannten Schlierenspiegels machen Forscher der Bauhaus-Universität Weimar sichtbar, was für das menschliche Auge normalerweise verborgen bleibt: Kleinste Luftströmungen im Raum. Der Kurzfilm illustriert eindrücklich, warum wir die Verhaltensempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zum Schutz vor dem Coronavirus einhalten sollten.

Screenshot eines Videos der Universität Weimar: Ein Experiment zeigt, wie sich Atemluft beim Husten verbreitet (Foto: SWR, Bauhaus-Universität Weimar)
So verbreitet sich Atemluft beim Husten Bauhaus-Universität Weimar

Zu sehen ist die Silhouette eines Mannes, der erst normal atmet und schließlich beginnt stark zu husten. Erst ohne Schutzvorkehrungen, dann mit vorgehaltener Hand, in die Armbeuge und mit verschiedenen Atemschutzmasken.

„Besonders beim Husten ohne Schutz vor dem Mund wird deutlich, wie stark sich die Atemluft im Raum ausbreitet.“

Prof. Conrad Völker, Leiter der Professur Bauphysik

Das Experiment zeigt eindrücklich: Beim Husten muss der Mund bedeckt sein. Wichtig dabei:

  • Die Hände müssen sauber gehalten werden, um mögliche Viren oder andere Krankheitserreger nicht über Körperkontakt oder Oberflächen weiterzutragen.
  • Und: Abstand halten ist essenziell.

Gut zu wissen: Der Einsatz von Atemschutzmasken zeigt in dem Experiment keinen hundert-prozentigen Schutz vor einer Tröpfcheninfektion, aber eine deutliche Verringerung in der Raumluft. 

Wie schütze ich mich? Wie ist die Lage in meinem Heimatort? Coronavirus: Alles Wichtige für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

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