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In Baden-Württemberg droht Schottergärten das Aus. Das Naturschutzgesetz soll geändert werden. Was also tun mit den Flächen, die Naturschützer "Gärten des Grauens" nennen?

Vorgärten voller Steine: Nur hier und da steht ein einsamer Thuja, Bambus oder Kirschlorbeer. Solche Schottergärten liegen sehr zum Ärger vieler Naturschützer im Trend.

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In Baden-Württemberg sind vor allem in Neubaugebieten Steingärten auf dem Vormarsch. Ihre Besitzer schätzen die pflegeleichten und akkuraten Stein- und Schotterbeete. Laut Naturschützern bieten sie jedoch Insekten und Kleintieren keine artgerechte Umgebung. Sie nennen die Flächen „Gärten des Grauens“. Mancherorts sind solche Steingärten bereits verboten und auch das Land Baden-Württemberg hat ihnen jetzt Kampf angesagt.

Aber was genau spricht eigentlich gegen Schottergärten?

Schottergärten sind ökologisch praktisch wertlos

Laut Martin Klatt vom NABU Baden-Württemberg sind Schottergärten ökologisch praktisch wertlos.

„Es gibt keine Pflanzendecke, es gibt auch keine Nahrung für Tiere, weder blütenbesuchende Insekten noch blattfressende Schmetterlingsraupen haben dort eine Chance, demzufolge fehlen dann auch die Vögel, es fehlen die Eidechsen, es fehlt die ganze Basis für einen lebendigen Garten.“

Martin Klatt, NABU Baden-Württemberg

Der Aufbau gleicht einer versiegelten Fläche, weil unter den Steinen eine Folie verlegt wird. Das bedeutet: Sowohl im Boden als auch darüber ist kein Leben mehr. Es wird auch kein Feinstaub gebunden oder Sauerstoff produziert.

Das Wohnklima leidet durch Schottergärten

Doch nicht nur Tiere, sondern auch wir Menschen haben Nachteile durch Schottergärten statt grünen Gärten - vor allem im Sommer. Denn die Steinflächen heizen sich unheimlich auf. So werden extreme Sommer noch extremer und nachts kühlt es rund um das Haus deutlich weniger ab. Das bedeutet für die Bewohner Stress. Mit Wärmekameras werden Temperaturen gemessen, die doppelt so hoch liegen wie auf begrünten Flächen.

Reinigen statt Unkrautjäten und Pflanzenpflege: Schottergärten sind nicht weniger Arbeit!

Schottergärten stehen im Ruf, zumindest pflegeleicht zu sein. Aber auch das ist wohl eher ein Irrtum:

„Die Besitzer werden sehen, in Zukunft ist das gar nicht so pflegeleicht. Denn wie vermehren sich denn unsere Pflanzen? Durch Samen. Die werden durch die Luft getragen. Auch die Erde. Es ist unglaublich, wie der Wind die Erde fortträgt. Das alles setzt sich wieder nieder zwischen den Steinen und da wird auch wieder was wachsen wollen.“

Landschaftsarchitektin Karin Haupt von der vhs Ökostation in Stuttgart.

Das heißt, der Schotter muss regelmäßig gereinigt werden. Doch ein normales Unkrautjäten ist nur schwer möglich.

„Und dann kommt irgendwann wahrscheinlich der fatale Gedanke auf: Nehmen wir doch ein Totalherbizid. Womit wir dann den Irrsinn noch komplettiert hätten.“

Martin Klatt, NABU Baden-Württemberg

Gut zu wissen: In der Psychologie sind die Farben gut erforscht. Nicht die Farbe Grau entspannt das Auge und den Geist am meisten, sondern Grün und Blau!

Blumenwiese als Alternative zum Schottergarten

Wer weg will vom Schotter, für den gibt es gute Alternativen. Ein lebendiger Garten muss nicht viel Arbeit machen, versprechen Naturschützer dabei. Der BUND empfiehlt beispielsweise eine Blumenwiese, die zwei bis drei Mal im Jahr gemäht wird und ein paar Sträucher – möglichst heimische Arten.

Bestehende Steinwüsten rückzubauen, ist aufwändiger, denn erstmal müssen Schotter und Vlies oder Folie raus und man sollte für einen gesunden Boden Boden sorgen.

Blühender Salbei (Foto: SWR, Katja Hemmer)
Katja Hemmer

Für Schottergärten, die nach unten nicht versiegelt sind, hat Martin Klatt vom NABU da aber einen pragmatischen Tipp: Sand über den Schotter kippen, danach eine feine Schicht Kompost einarbeiten. Wichtig dabei: Es sollte sich um hochwertigen Kompost handeln, der wenig Samen enthält. Ein gute Orientierung bietet dabei das RAL Gütezeichen Kompost. Im Anschluss kann man einen Blumenrasen aussähen, der mit mageren Standorten zurechtkommt.

"Dann hätte man eine Vegetation, die nicht viel Pflege braucht und die tatsächlich auch ein reiches Blütenangebot liefert.“

Martin Klatt, NABU Baden-Württemberg
Zinnie (Foto: SWR, SWR - Foto: Katja Hemmer)
SWR - Foto: Katja Hemmer

Bunt, insektenfreundlich und pflegeleicht

Aber auch mit anderen Pflanzen kann man einen pflegeleichten Vorgarten haben. Der Haupttrick besteht darin, die Fläche dicht zu bepflanzen. Eine alte Gärtnerregel lautet: Wo eine Kulturpflanze wächst, kann kein Unkraut gedeihen. Wie eine sinnvolle Auswahl aussieht und was man sonst noch beachten sollte, hat Werner Ollig von der Gartenakdemie Rheinland-Pflaz in der Sendung ARD Buffet gezeigt. Und wer es lieber downloaden und nachlesen will, wird fündig unter: Blühende Gärten statt Schotterwüsten

Trend mit vielen Fragezeichen Schottergärten - Steinwüste statt Artenvielfalt

Seit rund sieben Jahren sind Schottergärten in Mode, für Hausbesitzer, die nicht viel Zeit in Grünflächen investieren wollen oder können, eine Alternative zum klassischen Garten.  mehr...

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

SWR2 Tandem Gärten des Grauens

Gast: Ulf Soltau, Berliner Biologe, Weltverbesserer und Fotoblogger
Moderation: Patrick Batarilo
Redaktion: Fabian Elsäßer  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

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