Kommentar zu möglicher Schnakenplage am Oberrhein „Auch Stechmücken gehören zu unserem Ökosystem“

AUTOR/IN

Über eine „Schnakenplage“ am Rhein würden sich viele bedrohte Vögel freuen. In der Natur dreht sich nicht immer alles nur um die Pläsierchen der Menschen.

Eine Stechmücke sitzt auf einer Rapspflanze. (Foto: dpa Bildfunk, Julian Stratenschulte)
Eine Schnake sitzt auf einer Rapspflanze. Julian Stratenschulte

Es wird in den nächsten Wochen mehr Mücken entlang der Rheinauen geben. Der Ausfall zweier Hubschrauber bei den Schnakenjäger von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) soll bis zur nächsten Hochwasserwelle behoben sein. Die Lage sei nicht dramatisch, hieß es am 31. Mai aus dem baden-württembergischen Innenministerium.

Auf der einen Seite eine drohende Schnakenplage, auf der anderen Seite ruft der Naturschutzbund NABU zum Insektenzählen auf: Das will auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen.

„Zu unserem Ökosystem gehört das pummelige Bienchen und der bunte Schmetterling – aber eben auch die fiese, nervige Stechmücke.“

Ja, ich krieg da auch so meine Zweifel am Ökosystem, wenn nach einem lauschigen Abend draußen Wade und Knöchel dick geschwollen sind und jucken ohne Ende. Und ich muss auch erst mal die Schultern zucken, wenn die wütende Hundebesitzerin fragt, was bitteschön sinnvoll sei an den zig Zecken, die ihr Hund anschleppt.

Aber bleiben wir bei den Insekten: Die Wissenschaftler warnen vor Bienen- und Insektensterben - und die logische nächste Schlagzeile ist ein Vogelsterben, weil vielen von ihnen gerade die Nahrung wegstirbt.

„Eine Schwalbe zum Beispiel verputzt in der Brutzeit bis zu 2000 Stechmücken am Tag. Schwalben sind eine bedrohte Art, auch weil ihr Nahrungsangebot knapper wird. Und die Larven der Stechmücken sind wichtige Nahrung für Fische.“

Und selbst die Tatsache, dass die Stechmücken vor allem jetzt im Frühsommer massenweise auftreten, macht Sinn. Denn genau jetzt ist Fortpflanzungszeit und genau jetzt ist der Nahrungsbedarf bei vielen Tieren, die Mücken mögen, besonders hoch.

Drei junge Schwalben sitzen im Nest und reißen die Schnäbel auf. (Foto: dpa Bildfunk, Rainer Jensen)
Werden ohne Schnaken als Futter nie flügge - Drei junge Schwalben verlangen Futter. Rainer Jensen

Ich will hier keine Brandrede für Stechmücken halten, dafür bin ich viel zu oft selbst genervtes Ziel ihrer Angriffe. Ich plädiere für ausgewogenes Handeln. Das heißt einerseits Insekten zählen und beobachten, wozu der Naturschutzbund aufruft, und Insekten schützen, wo sie bedroht sind. Und andererseit eine Schnakenbekämpfung mit Bedacht durchführen. Also nicht gleich aus ein paar Schnaken mehr eine Plage machen, die mit Bundeswehrgeschützen bekämpft werden soll.

„Und wenn ich sage, jedem Tierchen sein Pläsierchen, soll das deutlich machen, wie eng in der Natur alles miteinander verknüpft ist. Da kann es nicht vorrangig nur um das Pläsier der menschlichen Zweibeiner gehen, den Sommer möglichst ungestört draußen zu genießen.“

ONLINEFASSUNG
STAND
AUTOR/IN