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Gebrannte Mandeln und Schokofrüchte - für viele Schausteller ist die Vorweihnachtszeit die wichtigste Zeit des Jahres. Doch ohne Weihnachtsmärkte droht den Schaustellern der Ruin.

Tobias Wölfle aus Esslingen ist Schausteller aus Leidenschaft. Der 42-Jährige kommt aus einer Schaustellerfamilie, schon sein Vater hatte jahrzehntelang in der Region Stuttgart gebrannte Mandeln verkauft und das Kinderkarussell betrieben. 2013 übernahm der gelernte Karosseriebaumeister dann den Betrieb seines Vaters - die Mandelbrennerei Stuttgart. Seitdem tourt er das gesamte Jahr über und verkauft gebrannte Mandeln, Magenbrot und Schokofrüchte oder betreibt für Kinder ein Karussell.

Corona: Umsätze der Schausteller brechen weg

"Ich wusste schon relativ früh, dass ich Schausteller werden möchte. Man wird nicht reich davon, aber es reicht und man hat viel Spaß", sagt Tobias Wölfle. Doch das Jahr 2020 ist für ihn ein Jahr zum Vergessen: Die Corona-Pandemie führte dazu, dass fast alle großen Events wie zum Beispiel das Cannstatter Volksfests oder die Weihnachtsmärkte in der Region Stuttgart abgesagt wurden. Dadurch gingen die Umsätze des Schaustellers stark zurück, auch wenn er finanzielle Unterstützung durch die Corona-Hilfen der Bundesregierung bekommen hat.

"Ich habe gerade einen Umsatzrückgang von 84 Prozent und da sind schon 30.000 Euro vom Staat drin, die ich bekommen habe. Wenn die nicht drin wären, würden wir vielleicht bei 95 Prozent liegen."

Tobias Wölfle, Schausteller aus Esslingen

Weihnachtsmärkte sind Umsatzbringer für Schausteller

Vor allem die coronabedingte Absage der Weihnachtsmärkte trifft den Schausteller hart. In den vergangenen Jahren war er mit seinen Ständen zum Beispiel auf den Weihnachtsmärkten in Stuttgart, Winnenden oder Reichenbach. 30 Prozent mache das Weihnachtsmarktgeschäft pro Jahr aus. "Ohne Weihnachtsmärkte wird es schon schwierig", sagt Wölfle. Denn wenn der Dezember vorbei ist, beginnt für Schausteller häufig die umsatzschwache Zeit, da im Frühjahr keine großen Veranstaltungen anstehen. "Die Weihnachtsmärkte wären unser Rettungsanker gewesen", sagt auch Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart.

Alternativen: Schausteller hoffen auf Firmenfeiern und Auftragsarbeiten

Tobias Wölfle versucht sich deshalb, ein zweites Standbein aufzubauen: So erledigt er immer mehr Auftragsarbeiten und hat zum Beispiel für einen Stuttgarter Juwelier Mandeln mit Goldstaub hergestellt. Außerdem war er in den vergangenen Jahren immer häufiger zu Firmenfeiern eingeladen und hat dort seinen Süßigkeitenstand aufgebaut und Mandeln vor Ort gebrannt. Klar ist aber auch: Davon allein kann Tobias Wölfle nicht leben und deshalb hofft der Schausteller darauf, dass bald wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen.

Schausteller fordern von der Bundesregierung eine Perspektive

Wichtig sei seiner Meinung nach, dass es bald einen Zeitplan für die Schausteller gibt. "Wir brauchen auf jeden Fall eine Perspektive", sagt Wölfle. Denn auch wenn er noch zahlungsfähig sei, könne kein Schausteller auf Dauer eine solche Zeit überstehen: "Es bringt mir nichts, wenn ich bis April noch durchhalte und alles in die Waagschale werfe und es dann nicht weitergeht."

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