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Eine neue Abzock-Masche macht sich breit: Betrüger nutzen Fankontakte von Prominenten und bitten als Fake-Promi um Spenden, angeblich für gute Zwecke. Gerne auch in Höhe von mehreren tausend Euro.

Dreiste Betrüger suchen sich Fan-Kontakte auf den offiziellen Portalen prominenter Persönlichkeiten - wie etwa Peter Maffay, Francisco Javier Medina, Carsten Stahl und Markus Krampe - und bringen die ahnungslosen Frauen und Männer sowohl finanziell als auch emotional an den Rand der Verzweiflung.

So funktioniert Spenden-Scamming

Promis faszinieren Viele. Plötzlich sind Nachrichten von ihnen auf dem eigenen Handy - von Carsten Stahl, Peter Maffay, Dieter Bohlen. Aber das ist nur Fake. Die Profile der Stars werden von Betrügern, sogenannten Scammern, genutzt, um die Opfer mit falschen Spendenaufrufen - angeblich für Charity-Projekte der Stars - um ihr Geld zu bringen. Aber das Geld landet bei den Verbrechern.

Loretta aus Schwäbisch Hall wäre um ein Haar zum Opfer eines Online-Betrügers geworden. Sie hat es gerade noch rechtzeitig bemerkt. Jetzt chattet sie mit Spenden-Betrügern, um die Masche aufzudecken.

Stars wehren sich

Ein bekanntes Beispiel für einen Prominenten, dessen Namen die Scammer missbrauchen, ist der Sänger Peter Maffay - besonders aktiv in Sachen Charity unterstützt die Peter-Maffay-Stiftung unter anderem traumatisierte Kinder und Jugendliche. Er antwortet uns dazu: "Das ist für mich eine neue Stufe der Verrohung unserer Gesellschaft, welche traurigerweise immer neue Blüten treibt. Gerade auch, dass dafür unsere Stiftung missbraucht wird, macht mich fassungslos."

Schlagersänger Peter Maffay ist entsetzt über den Missbrauch seiner Identität und des Profils seiner Stiftung.  (Foto: SWR)
Schlagersänger Peter Maffay ist entsetzt über den Missbrauch seiner Identität und des Profils seiner Stiftung.

Auch Carsten Stahl ist entsetzt. "Aber wenn man das dann meldet, dann passiert so gut wie gar nichts. Es ist verdammt schwierig. Es ist ein Fluch und Segen zugleich und macht mich natürlich wütend, wenn man in meinem Namen Schindluder treibt oder Menschen ausnutzt."

Internetplattform gegen Scamming – Abzocke mit Liebesbetrug oder Spenden

Helga Grotheer wurde vor Jahren selbst zum Opfer. Seitdem leistet sie Aufklärungsarbeit und warnt mit einer eigenen Internetplattform vor den perfiden Methoden der Betrüger: "Romance Scambaiter". Sie erklärt: "Das ist einmal mein Idol, das ich anhimmle. Und dann wird natürlich diese freundschaftliche Weise so dargestellt, so nach dem Motto: Du bist mein bester Fan, ich habe so viel Sympathie für dich und mein Herz gehört dir! Und schon ist man dahingeschmolzen."

In die Falle der Abzocker gehen sogar Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten: Katja Lorenz hat als Agentin beruflich viel mit Schauspielern zu tun - sogar sie glaubte monatelang, sie chattet mit dem amerikanischen Schauspieler Vin Diesel. Sie wird bei Instagram mit einer Nachricht angeschrieben. Zuerst dankt der angebliche Star für ihr fleißiges Kommentieren auf seinem Profil. Der Kontakt wird immer intensiver. Die beiden schreiben täglich, telefonieren auch - unglaublich: sogar per Video-Chat. "Durch den Videoanruf war dann im Prinzip eigentlich jeder Zweifel erstmal weg." Nach einiger Zeit bittet der angebliche Vin Diesel Katja um Geld - insgesamt 5.500 Euro.

Videotelefonat mit dem Star – täuschend echt mit App und Avatar

Ein gefaktes Videotelefonat mit einem Hollywood-Star: Wie ist das technisch möglich? Xenia Silbe, Spezialistin für Cyber-Sicherheit, zeigt, wie das mit Hilfe einer Avatar-App funktioniert.  Statt dem eigenen Gesicht kann man einen beliebigen Avatar auswählen.

Eine App stellt beliebige Avatare für einen Videochat zur Verfügung, um damit eine andere Identität vorzuspiegeln. (Foto: SWR)
Eine App stellt beliebige Avatare für einen Videochat zur Verfügung, um damit eine andere Identität vorzuspiegeln.

Wohin fließt das Spendengeld für angebliche Promi-Projekte?

Die Drahtzieher werden selten gefasst, sitzen meist im Ausland. Dort fließt auch das Geld hin. Genau das ist das Problem, wenn es um die Strafverfolgung geht. Rechtsanwalt Sebastian Gorski erklärt, die Verfolgung sei schwierig und setze einen hohen Aufwand voraus. Er vermutet, die Behörden seien noch deutlich unterbesetzt, um das zu leisten. Gorski sieht zudem rechtliche Grenzen. "Versuchen Sie mal, in Nigeria jemanden ausfindig zu machen und zu belangen für Betrügereien im Internet."

Wie sich Stars und Fans wehren können

Schauspieler Carsten Stahl will den Spendenbetrug trotzdem nicht einfach hinnehmen. Er hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet und hofft, dass die Polizei einen Täter ermitteln kann. Auf Facebook, Instagram und in der Presse will er aufklären.

Im Zweifel sollten Fans bei Spendenaufrufen immer unter den offiziellen Star-Accounts anfragen - denn auch die Prominenten haben großes Interesse, nicht von Betrügern missbraucht zu werden.

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