Wildschweine stehen im Herbstwald im Laub (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Jäger kontrollieren genau

Keine Angst vor belastetem Wildfleisch

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Viele möchten Wildfleisch mal ausprobieren, befürchten aber gesundheitliche Risiken durch die Afrikanische Schweinepest, bleihaltige Munition oder radioaktive Belastung.

Eigentlich wird Wildfleisch gerade immer beliebter. Die neulich mal wieder angeprangerten Zustände in einigen Schlachthöfen dürften dazu beitragen. Außerdem schmeckt Wildfleisch einfach wunderbar aromatisch. Dennoch trauen sich manche nicht so richtig ans Wild, weil sie Angst vor möglichen Gesundheitsschäden haben. Dabei geht es um Risiken durch bleihaltige Munition, radioaktiv belastetes Fleisch oder - ganz aktuell – durch die Afrikanische Schweinepest.

Alle diese Befürchtungen sind zwar nachvollziehbar, aber nicht nötig. Kontrollen und hohe Hygienestandards sorgen dafür, dass wir Wildfleisch unbesorgt genießen können, zumal die meisten Menschen Wildschweingulasch oder Rehrücken nur gelegentlich genießen.

Radioaktiv belastetes Wild

Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl ist eine radioaktive Belastung von Wildfleisch in manchen Regionen Deutschlands zwar immer noch messbar, doch liegen aktuell untersuchte Proben meist weit unter dem von der EU festgesetzten Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm.

Das vorhandene Radiocäsium, das sich nach dem Reaktorunfall mit den Regentropfen auf Boden und Bäumen absetzte, gelangte mit der Zeit in tiefere Bodenschichten und wurde vor allem auf Waldböden von Pflanzen und Pilzen aufgenommen. Wildschweine wühlen im Boden und fressen unterirdische Hirschtrüffel. Deshalb werden deutschlandweit noch etwa 10 Prozent der Wildschweine beanstandet.

Hinter Maronen steht ein Warnschild Radioaktivitaet: Wie belastet ist Wildfleisch? (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das nachdem dem Reaktorunfall in Tschernobyl vorhandene Radiocäsium wurde vor allem auf Waldböden von Pflanzen und Pilzen aufgenommen. Picture Alliance

Bei anderem Wild besteht dieses Risiko nicht, weil es andere Ernährungsgewohnheiten hat. Gebiete, in denen heute noch radioaktiv belastete Wildschweine nachgewiesen werden, sind unter anderem auch in Baden- Württemberg und Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg wird in den bekannten belasteten Gebieten in Oberschwaben und im Schwarzwald ausnahmslos jedes Wildschwein gemessen. Hier überschreiten etwa 20 Prozent der geschossenen Wildschweine den Grenzwert und werden entsorgt. In Rheinland-Pfalz sind der Pfälzerwald und Hochwald betroffen. Hier überschreiten etwa 10 Prozent der Tiere den Grenzwert.

Wildschweine außerhalb der bekannten Risikogebiete werden in der Regel nicht beprobt, weil hier das Risiko einer radioaktiven Belastung extrem gering ist. Stichproben können trotzdem genommen werden. Sollte doch mal ein radioaktiv belastetes Fleischstück auf unserem Teller landen, ist das unproblematisch. Die Werte sind selbst bei Grenzwertüberschreitungen so gering, dass sie kein akutes Gesundheitsrisiko darstellen. Und dass sich solche eventuellen Belastungen aufaddieren, ist auszuschließen, weil wir nur selten Wildschwein essen.

Wildschweine und Trichinen

Wildschweinfleisch kann mit Trichinen befallen sein. Deshalb muss jedes geschossene Wildschwein beprobt und auf die parasitären Fadenwürmer untersucht werden. Befallene Tiere werden entsorgt und gelangen nicht in den Verkauf. Sicherheitshalber raten Experten aber trotzdem, Wildschweinfleisch gut zu garen und nur durchgeschmorte oder durchgebratene Wildschweinstücke zu verzehren.

Blei im Wild

Bleihaltige Munition ist nach wie vor beliebt. Für Menschen, die nur mal gelegentlich Wild essen, besteht trotzdem keine Gesundheitsgefahr. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Jägerhaushalte und Menschen, die sehr viel Wild essen, tatsächlich gefährdet sind. Diese Gefährdungen beziehen sich auf Schwangere, Frauen mit Kinderwunsch und Kinder selbst. Ihnen rät das Bundesinstitut für Risikobewertung deshalb, auf Wildfleisch zu verzichten.

Wild, das mit bleihaltiger Munition geschossen worden ist, kann teilweise hoch belastet sein, da winzige Splitter tief ins Fleisch eindringen. Sie können bis zu 40 cm um den Schusskanal herum auftreten. Höhere Bleigehalte wurden aber auch in weiter entfernten Stücken festgestellt. Das Schwermetall reichert sich im Körper in den Knochen an und ist giftig. Es schädigt die Blutbildung, die inneren Organe und das Nervensystem.

Allerdings ist in Baden-Württemberg und dem Saarland bleihaltige Munition für Wildschwein und Hirsch inzwischen sowieso verboten; in Rheinland-Pfalz gilt dieses Verbot nur im Staatswald. Derzeit gibt es diesbezüglich noch einen deutschlandweiten Flickenteppich. In den nächsten Jahren soll bleihaltige Munition innerhalb der EU aber endgültig abgeschafft werden. Wer sicher gehen will, fragt beim Kauf im Forstamt oder der Wildmetzgerei nach.

Jäger mit Hund und Gewehr im Sonnenuntergang: Wieviel Blei enthält die Munition (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
2021 soll bleihaltige Munition innerhalb der EU endgültig abgeschafft werden. Picture Alliance

Die Afrikanische Schweinepest (ASP)

Zunächst muss ich zu diesem Thema eins dringend loswerden: ASP ist für Schweine fatal, weil tödlich, aber für Menschen völlig ungefährlich.

Infizierte Schweine, egal ob Wild- oder Nutztier, werden nicht gehandelt, sondern verbrannt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Der Mensch selbst ist nicht gefährdet, wohl aber ein wesentlicher Gefährder. Das größte Verbreitungsrisiko geht nämlich von unzureichend gesäuberten Viehtransporten, Jagdreisen und Speiseresten aus.

Die Jäger hierzulande sind in Bezug auf die ASP geschult. Das heißt, tot aufgefundene Wildschweine, die möglicherweise ASP-infiziert sind, werden beprobt und nicht bewegt. Die Jäger sind entsprechend ausgerüstet. Tot aufgefundene Tiere werden sowieso nicht zum Verzehr freigegeben. Das wäre strafbar.

Ein Warnschild, mit dem ein Sperrbezirk auf Grund der Afrikanischen Schweinepest markiert wird. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Auch wenn es zuletzt immer wieder zu Fällen von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen kam, besteht kein Grund zur Sorge. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich Picture Alliance

Sollte ein Jäger ein infiziertes Tier geschossen haben, dann erkennt er das, wenn er das Tier nach Auffälligkeiten untersucht. Denn das muss er beim Aufbrechen des Tieres sowieso routinemäßig. Dazu gehört auch, dass die inneren Organe gesund und unauffällig aussehen müssen. Sonst darf das Tier nicht freigegeben werden. Hat ein Wildschwein etwa punktförmige Einblutungen auf den Nieren, ist das ein deutliches Zeichen für ASP. Dieses Tier wird dann beprobt und entsorgt, ohne Ausnahme. Das gilt immer, wenn der Jäger etwas Auffälliges am Tier bemerkt.

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