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Ab sofort dürfen Lebensmittelhersteller den Nutri-Score auf ihre Produkte drucken. Die Ampel zeigt an, welche Lebensmittel täglich gegessen werden können und welche nicht.

Lebensmittelproduzenten wie Iglo können den Nutri-Score nun endlich offiziell auf ihre Produkte drucken und müssen die Lebensmittelampel nicht mehr auf ihren Webseiten verstecken. Mehrere Hersteller machen das bereits, andere wollen in den nächsten Monaten nachziehen. Je mehr mitmachen, desto besser. Denn nur wenn (fast) alle Produkte innerhalb einer Gruppe den Nutri-Score haben, können wir Verbraucher die Pizzen und Müslis miteinander vergleichen und erkennen, welche einen guten Nährwert haben und welche nicht.

Grün ist Top, rot ist Flop

Der Nutri-Score ordnet den Nährwert eines Lebensmittels von einem empfehlenswerten, grünen A bis zu einem ungünstigen, roten E ein. Wir Verbraucher sehen auf einen Blick, ob das Müsli, der Erdbeerjoghurt oder die Fischpfanne etwas für jeden Tag ist oder nicht.

In welches dieser farbigen Felder das verarbeitete Lebensmittel passt, wird wissenschaftlich berechnet, und zwar immer anhand von 100 Gramm oder 100 Milliliter des Produkts.

  • Für viel Fett, Salz und Zucker etwa werden Minuspunkte vergeben.
  • Positiv dagegen wirkt es sich aus, wenn im Lebensmittel Proteine, Ballaststoffe oder Obst und Gemüse enthalten sind.
Nutri-Score mit einem grünem A auf einer Packung TK-Spinat (Foto: Imago, Imago)
Gemüse wie dieser tiefgekühlte Rahmspinat bekommt nur dann einen Nutri-Score, wenn er verarbeitet worden ist Imago Imago

Täglich eine Zwischenmahlzeit weniger

Wir würden täglich etwa 10 Prozent weniger Kalorien essen bzw. trinken, wenn auf allen verarbeiteten Produkten die Lebensmittelampel Nutriscore prangen würde: rund 180 Kilokalorien, so viel wie ein Snack zwischendurch ausmacht. Zu dem Schluss kommen französische Wissenschaftler und belegen damit, dass der Nutri-Score die Kalorienaufnahme tatsächlich beeinflusst.

Durch den Nutri-Score würden bei uns etwas gesündere Lebensmittel auf die Teller kommen. Die Franzosen haben berechnet, dass 12 Prozent mehr Obst dabei wäre, 5 Prozent mehr Gemüse und 7 Prozent mehr Ballaststoffe. Darüber hinaus gesündere Fette und weniger Salz.
Diese Veränderungen kommen zustande, weil wir durch die Lebensmittelampel besser bewertete Produkte bevorzugen. Außerdem verändern die Hersteller die Rezeptur ihrer Produkte, damit sie möglichst mit einem grünen A oder B glänzen können.

Das kann der Nutri-Score leisten

Das klassische Nuss-Nougat-Cremes ein rotes E tragen müssen, überrascht sicher niemanden. Genauso ist uns klar, dass eine Gemüsepfanne im Vergleich zur Pizza das bessere Abendessen ist.

Der Nutri-Score macht aber Pizzen untereinander besser vergleichbar und belohnt Hersteller, die weniger Salz und Fett verarbeiten, dafür etwa Gemüse drauf packen. Dann kriegt die Pizza nämlich ein hellgrünes B. Egal ob Frühstückmüslis oder Fertiggerichte, Produkte aus der gleichen Gruppen werden untereinander vergleichbar. Und wir Verbraucher können mithilfe der Ampelkennzeichnung spontan entscheiden, ob wir einen Fruchtjoghurt bevorzugen, der grün eingeordnet ist.

Außerdem entlarvt der Nutri-Sscore beispielsweise Zuckerbomben, die trotzdem als gesund dargestellt werden. Der süße Müsliriegel, der offensiv als Fitmacher beworben wird und das Kindergetränk mit viel Zucker und wenig Fruchtsaft kriegen nämlich ein warnendes, rotes E.

Eine Studie aus Frankreich hat bereits bestätigt, dass Verbraucher bevorzugt zu grün eingestuften Produkten greifen und die anderen eher im Regal lassen.

Eine runde Plastikschale mit zwei getrennten Komponenten eines Fertiggerichtes aus Reis und Sauce (Foto: Imago, Imago)
Fertiggerichte machen viel Müll und kommen oft nicht ohne Zusatzstoffe aus Imago Imago

Das kann der Nutri-Score nicht leisten

Die Lebensmittelampel ist freiwillig. Hersteller von ungesunden Fertiggerichten und süßen Limos werden den Nutri-Score also nicht nutzen, solange er nicht verpflichtend ist. Wenn aber nicht alle Hersteller mitmachen, wird das Vergleichen innerhalb einer Produktgruppe schwierig.

Außerdem könnten grün eingestufte Pizzen, Pommes und Toast manche Menschen überzeugen, dass man sich auch ohne Brokkoli und Äpfel ausgewogen ernähren kann. Wer deshalb noch mehr verarbeitete Produkte kauft, statt zu natürlichen Lebensmitteln zu greifen, tut sich aber nicht unbedingt etwas Gutes, auch wenn sie grün eingestuft sind.

Zusatzstoffe und kalorienarme Süßungsmittel werden beim Berechnen des Nutri-Scores nicht berücksichtigt. Doch genau diese Zutaten müssen die Hersteller bei etlichen hoch verarbeiteten Lebensmitteln einsetzen, wenn sie mit ihrem Produkt gut dastehen wollen.

Das halte ich vom Nutri-Score

Die Lebensmittelampel allein ist eine mögliche Orientierung und kann uns beim Einkauf vielleicht das eine oder andere Mal die richtige Richtung weisen. Der Nutri-Score ist aber keine solide Grundlage für eine gesunde Ernährung. Dafür wäre ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel genauso nötig, wie eine Preissenkung für Obst und Gemüse.

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