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Seit kurzem drucken erste Lebensmittelhersteller den Nutri-Score auf ihre Produkte. Die Ampel zeigt an, welche Lebensmittel täglich gegessen werden können und welche nicht.

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Linsenfertiggericht mit einem Nutriscore A (Foto: Imago, Imago)
Lebensmittel mit einem grünen Nutri-Score werden bevorzugt gekauft Imago Imago

Lebensmittel mit dem Nutri-Score

Lebensmittelproduzenten wie Iglo und Danone drucken den Nutri-Score inzwischen auf ihre Produkte. Die Lebensmittelampel habe ich auch schon auf etlichen weiteren Produkten gesehen: auf den Tiefkühl-Pizzen von Wagner, auf Soja-Produktenvon Alpro und auf Bonduelle-Dosen. Mehr als 1000 Lebensmittel, die wir kaufen können, haben den Nutri-Score bereits. Und immer mehr davon kommen jetzt in die Regale.

Auch Kartoffelspezialist McCain kennzeichnet bereits erste Produkte mit der grün-gelb-roten Nährwerteinschätzung. Brothersteller wie Mestemacher und Harry-Brot sind ebenfalls dabei. Auch der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat seinen Widerstand gegen die Ampel längst aufgegeben und will bis Ende des Jahres den Nutri-Score für alle Produkte haben, also auch auf Schokoriegeln zum Beispiel, die mit einem rotem E gekennzeichnet werden müssen. Derzeit gibt es die Ampel nur auf einigen Müsli- und Fleischersatzprodukten sowie auf Tiefkühl-Pizzen.

Andere große Konzerne wie Unilever warten noch ab, ziehen nach wie vor eine Nährwerteinschätzung vor, die sich auf Portionen bezieht. Klar, mit kleinen Portionen kann man sich ein fettes Produkt dann schön rechnen. Auch Edeka „prüft“ derzeit noch, wie es so schön heißt.

Rewe dagegen und Discounter Penny haben erste Produkte ihrer Eigenmarken schon damit ausgestattet. Discounter wie Aldi und Lidl haben ebenfalls angekündigt, den Nutri-Score auf ihren Eigenprodukten nutzen zu wollen, lassen sich aber mit der Umsetzung noch Zeit. Wer die farbige Nährwertskala nutzt, muss alle seine Produkte damit kennzeichnen, also nicht nur die "Guten", sondern auch die mit einem ungünstigen Nutri-Score. Rund 100 deutsche Unternehmen haben die Nutzung des Nutri-Scores bereits beantragt.

Grün ist Top, rot ist Flop

Der Nutri-Score ordnet den Nährwert eines Lebensmittels von einem empfehlenswerten, grünen A bis zu einem ungünstigen, roten E ein. Wir Verbraucher sehen auf einen Blick, ob das Müsli, der Erdbeerjoghurt oder die Fischpfanne quasi täglich essen könnten, besser nur ab und zu oder besser doch die Finger davon lassen sollten.

In welches dieser farbigen Felder das verarbeitete Lebensmittel passt, wird wissenschaftlich berechnet, und zwar immer anhand von 100 Gramm oder 100 Milliliter des Produkts.

  • Für viel Fett, Salz und Zucker etwa werden Minuspunkte vergeben.
  • Positiv dagegen wirkt es sich aus, wenn im Lebensmittel Proteine, Ballaststoffe oder Obst und Gemüse enthalten sind.
Nutri-Score mit einem grünem A auf einer Packung TK-Spinat (Foto: Imago, Imago)
Gemüse wie dieser tiefgekühlte Rahmspinat bekommt nur dann einen Nutri-Score, wenn er verarbeitet worden ist Imago Imago

Täglich eine Zwischenmahlzeit weniger

Wir würden täglich etwa 10 Prozent weniger Kalorien essen bzw. trinken, wenn auf allen verarbeiteten Produkten die Lebensmittelampel Nutri-Score prangen würde: rund 180 Kilokalorien, so viel wie ein Snack zwischendurch ausmacht. Zu dem Schluss kommen französische Wissenschaftler und belegen damit, dass der Nutri-Score die Kalorienaufnahme tatsächlich beeinflusst.

Durch den Nutri-Score würden bei uns etwas gesündere Lebensmittel auf die Teller kommen. Die Franzosen haben berechnet, dass 12 Prozent mehr Obst dabei wäre, 5 Prozent mehr Gemüse und 7 Prozent mehr Ballaststoffe. Darüber hinaus gesündere Fette und weniger Salz.
Diese Veränderungen kommen zustande, weil wir durch die Lebensmittelampel besser bewertete Produkte bevorzugen. Außerdem verändern die Hersteller die Rezeptur ihrer Produkte, damit sie möglichst mit einem grünen A oder B glänzen können. So haben sie beispielsweise in Milchdesserts den Fett- und Zuckergehalt deutlich reduziert.

Das leistet der Nutri-Score

Das klassische Nuss-Nougat-Cremes ein rotes E tragen müssen, überrascht sicher niemanden. Genauso ist uns klar, dass eine Gemüsepfanne im Vergleich zur Pizza das bessere Abendessen ist.

Der Nutri-Score macht aber Pizzen untereinander besser vergleichbar und belohnt Hersteller, die weniger Salz und Fett verarbeiten, dafür etwa Gemüse drauf packen. Dann kriegt die Pizza nämlich ein hellgrünes B. Egal ob Frühstückmüslis oder Fertiggerichte, Produkte aus der gleichen Gruppen werden untereinander vergleichbar. Und wir Verbraucher können mithilfe der Ampelkennzeichnung spontan entscheiden, ob wir einen Fruchtjoghurt bevorzugen, der grün eingeordnet ist.

Außerdem entlarvt der Nutri-Score beispielsweise Zuckerbomben, die trotzdem als gesund dargestellt werden. Der süße Müsliriegel, der offensiv als Fitmacher beworben wird und das Kindergetränk mit viel Zucker und wenig Fruchtsaft kriegen nämlich ein warnendes, rotes E.

Eine Studie aus Frankreich hat bereits bestätigt, dass Verbraucher bevorzugt zu grün eingestuften Produkten greifen und die anderen eher im Regal lassen.

3 verschiedene Lebensmittel mit dem Nutriscore (Foto: Imago, Imago)
Der Nutri-Score ist inzwischen auf etlichen Lebensmitteln zu finden Imago Imago

Das leistet der Nutri-Score nicht

Die Lebensmittelampel ist freiwillig. Hersteller von ungesunden Fertiggerichten und süßen Limos werden den Nutri-Score also nicht nutzen, solange er nicht verpflichtend ist. Wenn aber nicht alle Hersteller mitmachen, wird das Vergleichen innerhalb einer Produktgruppe schwierig. Immerhin gibt es inzwischen ein Vorhaben der EU-Mitgliedsländer, den Nutri-Score verpflichtend einzuführen. Bis zur Umsetzung werden allerdings noch Jahre vergehen.

Außerdem könnten grün eingestufte Pizzen, Pommes und Toast manche Menschen überzeugen, dass man sich auch ohne Brokkoli und Äpfel ausgewogen ernähren kann. Wer deshalb noch mehr verarbeitete Produkte kauft, statt zu natürlichen Lebensmitteln zu greifen, ernährt sich trotzdem nicht ausgewogen.

Zusatzstoffe und kalorienarme Süßungsmittel werden beim Berechnen des Nutri-Scores nicht berücksichtigt. Doch genau diese Zutaten müssen die Hersteller bei etlichen hoch verarbeiteten Lebensmitteln einsetzen, wenn sie mit ihrem Produkt gut dastehen wollen. Bio-Lebensmittel, die kaum oder keine Zusatzstoffe enthalten, können deshalb nicht besser abschneiden und sehen sich benachteiligt.

Das halte ich vom Nutri-Score

Die Lebensmittelampel allein ist eine mögliche Orientierung und kann uns beim Einkauf vielleicht das eine oder andere Mal die richtige Richtung weisen. Wer eine TK-Pizza will, greift vielleicht impulsiv zu der besser eingestuften, statt zu einer anderen und probiert die mal aus. Vielleicht lassen hungrige Einkäufer sogar die Finger von einem rot eingestuften Schokoriegel und greifen zu einem anderem Snack. Trotzdem ist der Nutri-Score keine solide Grundlage für eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Dafür wäre ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel genauso nötig, wie eine Preissenkung für Obst und Gemüse.

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