Auf einer Packung Joghurt ist der sogenannte Nutri-Score mit der Note "B" zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christophe Gateau/dpa)

Täglich eine Zwischenmahlzeit weniger Lebensmittelampel Nutriscore macht gesünder

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Wir würden täglich etwa 10 Prozent weniger Kalorien essen bzw. trinken, wenn auf allen verarbeiteten Produkten die Lebensmittelampel Nutriscore prangen würde. Zu dem Schluss kommen französische Wissenschaftler und belegen damit zum ersten Mal, dass der Nutriscore die Kalorienaufnahme tatsächlich beeinflusst.

Beeindruckende Zahlen

Täglich etwa 180 Kilokalorien weniger würde der Nutriscore bringen. Das macht in etwa eine Zwischenmahlzeit aus, die wir uns meist recht gedankenlos mal eben so gönnen.

Durch den Nutriscore würden bei uns etwas gesündere Lebensmittel auf die Teller kommen. Die Franzosen haben berechnet, dass 12 Prozent mehr Obst dabei wäre, 5 Prozent mehr Gemüse und 7 Prozent mehr Ballaststoffe. Darüber hinaus gesündere Fette und weniger Salz. Diese Veränderungen kommen zustande, weil wir durch die Lebensmittelampel besser bewertete Produkte bevorzugen und weil die Hersteller ihre Produkte deshalb ebenfalls verändern.

Das Ergebnis wären etliche tausend Todesfälle weniger durch ernährungsbedingte Krankheiten, so die französischen Forscher, nur durch den Nutriscore. Andere Label kamen da nicht ran.

Am Nutriscore führt nun kein Weg mehr vorbei, eigentlich

Unsere Ernährungsministerin Julia Klöckner wird sich von der neuen Studien der französischen Unis nicht weiter beeindrucken lassen. Schließlich hat sie ihren Zeitplan, pocht auf eigene wissenschaftliche Grundlagen und hat ja extra ein eigenes staatliches Label entwickeln lassen: den Wegweiser Ernährung.

Der kommt in kühlem Türkis daher, besteht aus mehreren sechseckigen Waben und ist nicht auf einen Blick selbsterklärend. Genau deshalb ist der Wegweiser bei ersten Verbraucherbefragungen ja auch schon durchgefallen. Die 130.000 Euro, die das Ministerium für seine „wissenschaftliche Basis“ hinblättert, sind von Anfang an absolut unnötig gewesen. Zumal von dort bisher sowieso nur soviel kam, dass die eigenen Umfrageergebnisse für die politische Positionierung der Ministerin maßgeblich seien. – Allerdings hat sich die Ministerin in Sachen Verbraucherschutz bisher eher wenig maßgeblich eingesetzt.

ein Müsli wird in der Nutriscore-App mit einem hellgrünen B angezeigt (Foto: SWR, Foto: Sabine Schütze)
Anzeige der Nutriscore-App Foto: Sabine Schütze

Den Nutriscore per App erfahren

Seit kurzem gibt es eine deutsche App, die für etliche Produkte den Nutriscore anzeigt, wenn man deren Strichcode einfach mit der Smartphone-Kamera ins Visier nimmt: NutriCARD - gesünder essen. Die App ist noch ausbaufähig, was die Produktpalette betrifft, vermittelt aber schon mal eine gute Vorstellung davon, wie es mit dem Nutriscore wäre. Die Macher versichern, dass sie App und die Datenbank weiter ausbauen. Ähnlich, aber wesentlich umfangreicher informiert die App von Open Food Facts. Die stammt aus Frankreich, deshalb gibt es sie auch schon wesentlich länger.

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