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Damit das Gemüse optisch den Ansprüchen der Supermärkte genügt, setzen die Bauern auf speziell gezüchtete Industrie-Sorten. Doch wie entstehen solche "perfekten" Sorten?

Inhaltsverzeichnis:

Wie aus 150.000 Kandidaten eine Neuzulassung wird: Hartweizensorten für die Nudelproduktion

Auf den Versuchsfeldern der Universität Stuttgart-Hohenheim wird neues Saatgut für die Industrie entwickelt, zum Beispiel neue Hartweizensorten für die Nudelproduktion.

150.000 neu gezüchtete Sorten wachsen auf den Versuchsfeldern, aus denen Friedrich Longin die vielversprechendsten auswählen muss.

"Was eine gute Hartweizensorte leisten muss: Sie müssen erst mal stehen bleiben bei dem Wetter und sollen dann wunderschöne, volle Ähren haben. Und dann einfach gesund sein gegen die natürlichen Krankheiten, die jetzt hier im Feld sind. Also schöne grüne Blätter und   grüne, saftige Ähren."

Prof. Friedrich Longin, Leiter Arbeitsgruppe Weizen Landessaatzuchtanstalt Universität Hohenheim

Nur etwa 10 Prozent der Sorten wird er im kommenden Jahr weiter anbauen, um sie weiter zu testen. Bei 150.000 Kandidaten bleibt für die Auswahl dieser Sorten nicht mal eine Minute.

Die Züchtung beginnt nicht etwa im Labor, sondern im "Kreuzungsgarten".  Friedrich Longin kreuzt zwei Elternsorten in der Hoffnung, durch die Kombination ihrer Eigenschaften eine noch bessere Sorte zu erschaffen. Eine Papiertüte schottet dabei die Eltern von den umliegenden Pflanzen ab, damit nur ihr genetisches Material in den Nachkommen steckt. Die werden dann über Jahre geprüft, aussortiert und immer wieder neu angebaut - ein langwieriger Prozess. Eingreifen kann der Züchter nicht, der Erfolg hängt vom biologischen Zufall ab.

Vor sieben Jahren hat Friedrich Longin beispielsweise Sorten gekreuzt, die jetzt zur finalen Begutachtung kommen. Nur fünf der ursprünglich 150.000 haben es bis in die diese Phase geschafft. Nun folgt eine letzte Prüfung auf Stabilität, Wuchshöhe, Ährenmenge und Homogenität.

"Also, wenn es sehr schön aussieht, ist natürlich ein tolles Gefühl. Wenn es schlecht aussieht, ärgert man sich natürlich. Aber auch der visuelle Eindruck ist nur ein Teil. Wir warten ja nachher die Mähdrescher-Ergebnisse ab. Und da ist es dann wirklich so, dass man schon mit fiebert. Wie kommt es an? Hoffentlich sind dann eins oder zwei dabei, die wirklich gut sind. Ja, es ist ein richtiges Mitfiebern."

Prof. Friedrich Longin, Leiter Arbeitsgruppe Weizen Landessaatzuchtanstalt Universität Hohenheim

Nach dem Dreschen werden Ertrag und die Teigeigenschaften bewertet. Sind auch die sehr gut, verkauft er die neue Sorte an die Industrie.

Kreuzung von auf Perfektion gezüchteten Elternlinien: Die Entstehung von Hybridsaatgut

Für die eigenständige Entwicklung einer neuen Sorte müssen Züchtungsunternehmen mit etwa 1,5 Millionen Euro rechnen. Ohne zu wissen, ob die Landwirte ihr Saatgut später überhaupt kaufen!

Viele der Industriesorten sind sogenanntes Hybridsaatgut und um das zu gewinnen, braucht es Zeit und Perfektion in der Züchtung:  

Größe, Geschmack, Inhaltstoffe, Reifezeitpunkt, Farbe: Diese Grafik zeigt, worauf bei der Hybridsaatgut-Gewinnung gechtet wird (Foto: SWR)
Gesucht: Reinerbige Elternpflanzen mit besten Eigenschaften!
  • Um Hybridsaatgut herzustellen, braucht man spezielle Elternpflanzen.
  • Sie wurden über mehrere Generationen durch Selbstbefruchtung reinerbig gemacht.
  • Dabei werden die jeweils besten Eigenschaften der Elternpflanzen herausgearbeitet.
  • Hybridsaatgut entsteht, wenn diese beiden auf Perfektion gezüchteten Elternlinien gekreuzt werden.
  • Die daraus wachsende Pflanze hat nur die besten Eigenschaften der Eltern – sie ist außerdem widerstandsfähiger und ertragreicher als eine „normale“ Sorte.

Der Nachteil: Diese Eigenschaften hat die Pflanze nur in der ersten Generation - der sogenannten F1. Der Landwirt muss das Saatgut daher jedes Jahr neu kaufen. Der Anteil von Hybridsaatgut bei gängigen Gemüsesorten liegt in Deutschland inzwischen bei schätzungsweise 70 Prozent!

50 Millionen Zuckerrüben-Saatkörner: So wird das Saatgut vermehrt

In der Region Emiglia Romana, der italienischen Hochburg für Saatgut-Vermehrung, hat die große deutsche Saatgutfirma KWS ihre Vermehrungsfelder. Sie gewinnt Hybridsaatgut für den Anbau von Zuckerrüben.  Wir waren vor Ort: Wie zeitintensiv und aufwändig die Gewinnung des Saatgutes ist, erfahren Sie unserem Video.

Das in Italien gewonnene Hybridsaatgut wird zunächst nach Deutschland gebracht und geht schlussendlich an Zuckerrübenbauern in der ganzen Welt. 

Marktcheck deckt auf: Das Geschäft hinter unseren Lebensmitteln

Das alles zum Anschauen und viele weitere Aspekte zum Thema finden Sie in unserer Dokumentation:

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