Eine Elektroheizung steht in einem Raum vor unscharfem Hintergrund, zur rechten Seite geht ein Stromkabel weg (Foto: Colourbox)

Teuer und unökologisch

Der unselige Run auf Elektroheizungen

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Stephanie Geißler
Werner Eckert
Werner Eckert (Foto: SWR)
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Michael Herr

Weil sich die Gaskrise bald zuspitzen könnte, sind strombetriebene Heizgeräte gefragt wie nie im Sommer. Dabei hat deren Betrieb mindestens zwei gravierende Schönheitsfehler.

Es ist im Moment im wahrsten Sinne das Dauerbrenner-Thema: Die Preise für Gas und Strom sind in den vergangenen Monaten durch die Decke gegangen. Und über der ohnehin schon bescheidenen Lage schwebt ein Damoklesschwert: ein möglicher vollständiger Lieferstopp für russisches Gas.

Alternativen zur Gasheizung: Elektroheizungen boomen

Die Furcht vor den Folgen einer solchen Eskalation treibt viele Menschen offenbar in den Hamstermodus. So verzeichnen viele Baumärkte derzeit einen größeren Ansturm auf Heizgeräte und Heizmittel, die man alternativ zur Gasheizung anwerfen kann. Einhellig berichten das drei große deutsche Ketten für Heimwerkerbedarf: Hornbach, toom und Bauhaus. Egal ob Heizgebläse, Infrarotplatten oder Konvektoren - alles was wärmt und mit Strom betrieben wird, geht zurzeit weg wie warme Semmeln.

Verwunderung bei Verkäufern im Baumarkt

Bei der pfälzischen Baumarktkette Hornbach habe das große Interesse an Heizgeräten im Sommer einige Verkäuferinnen und Verkäufer stutzig gemacht, berichtet Pressesprecher Florian Preuß. Der ein oder andere habe bei den Kundinnen und Kunden nach Gründen gefragt:

"Von einigen kam dann die Rückmeldung: Das ist in gewisser Weise eine Art Vorsorge für den Notfall."

Schildbürgerstreich und Bärendienst an der Umwelt

So nachvollziehbar die Angst vor einem Winter im Kalten ist, wirtschaftlich ist der Sturm auf die Heizkörper nicht. SWR-Umweltexperte Werner Eckert spricht in Hinblick auf die elektrischen Zusatzheizungen sogar von einem Schildbürgerstreich. Der Betrieb eines solchen Gerätes koste im Schnitt derzeit bei gleicher Wärmeleistung dreimal so viel wie eine Gasheizung.

Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Sollte der Gaspreis noch weiter steigen, dürften die Strompreise mitziehen. Auch aus Umweltschutzgründen hält der Redakteur wenig von dieser Lösung:

Werner Eckert, SWR-Umweltexperte

Mit Holz heizen: Alternative Kaminofen?

Anders sieht es aus, wenn man einen zugelassenen Kachelofen hat. Den zum Gassparen im kommenden Winter verstärkt zu beheizen, könnte durchaus Sinn machen, erklärt Werner Eckert. "Allerdings könnte es sein, dass man dann auch das Holz teuer bezahlen muss." Dennoch setzen in diesem Jahr offenbar viele auf die nachwachsende Wärmequelle.

Pellets zum Heizen (Foto: SWR)
Begehrter Heizstoff: Holzpellets

Das merkt man auch bei Hornbach. Über ein Subunternehmen verkauft der Baumarktriese auch Holzpellets und Brennholz. Vor den Verkaufsstellen bilden sich bereits seit März lange Schlagen, erzählt Pressesprecher Florian Preuß:

"Natürlich kann es mal sein, dass da drei, vier Autos vor einem stehen und man ein bisschen warten muss. Aber dass da 20 oder 30 Autos stehen, das habe ich noch nie erlebt. Teilweise mussten wir an einigen Standorten Maßnahmen ergreifen, damit der Verkehr auf den Zufahrtsstraßen nicht beeinträchtigt wird."

Und auch auf die Holzöfen selbst gibt es einen Run. Bei toom heißt es, man könne die derzeitige Nachfrage nach Kaminöfen kaum bedienen, weil gleichzeitig Bauteile aus Stahl und Platinen fehlen. Erst ab August seien Öfen wieder vorrätig.

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Vollwertiger Heizungsaustausch vor dem Winter utopisch

Wirklich nachhaltig wäre dagegen, die fossile Heizung rauszuwerfen - und gegen eine moderne Heizungsanlage zu tauschen. Für den kommenden Winter könnte das allerdings sehr schwierig werden, weiß SWR-Umweltexperte Werner Eckert. Heizungsbauer seien derzeit ausgebucht, auch die Heizungen selbst kaum zu kriegen. "Realistischer Termin für einen Heizungstausch ist nächstes Frühjahr. Da dürfte die kommende Heizperiode allerdings schon rum sein", so Eckert.

Geld zurücklegen für höhere Heizkosten

Für Leute, deren Heimstatt mit Gas beheizt wird - rund die Hälfte der Haushalte in Deutschland - dürfte es in diesem Winter also faktisch deutlich teurer werden. Um wegen der gestiegenen Nebenkosten nicht in Schieflage zu geraten, sollten Mieter schon jetzt darüber nachdenken, ihre Vorauszahlung zu erhöhen oder ein finanzielles Polster anzulegen. Letzteres gilt auch für Besitzer von Wohneigentum.

Eine effektive Maßnahme gegen gestiegene Heizkosten gibt es trotzdem: Die eigene Wohlfühltemperatur überdenken. Ein Grad Zimmertemperatur weniger bedeuten sechs Prozent geringere Heizkosten.

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Letzter Ausweg Gasflaschenofen?

Rote Gasflasche mit brennbarem Butangas (Foto: IMAGO, imago/imagebroker/saurer)
Derzeit auch oft vergriffen: Butangasflasche imago/imagebroker/saurer

Wer trotz der schlechten finanziellen und ökologischen Bilanz der Beistellheizer unbedingt etwas braucht, um seine Angst vor einem kühlen Winter in den Griff zu bekommen, für den gibt es eine weitere Alternative: Ein kleiner Ofen, der mit Gaskartuschen betrieben wird.

Deren Inhalt stammt bei der Baumarktkette Hornbach nach eigenen Angaben aus Westeuropa. Zwar stellen auch diese Öfen keine wirtschaftliche geschweige denn ökologische Heizungsart da. Ein russischer Gaslieferstopp wäre aber immerhin kein Problem.

Mangelware: Gaskartuschen

Einen Engpass gibt es dennoch: Weil viele der Heizungsbesitzer das Gas gerade horten, sind zu wenige Pfandkartuschen im Umlauf. Obwohl reichlich Gas für die Öfchen da ist, findet es also trotzdem nicht immer den Weg zu den Kunden.

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