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Das Stuttgarter Unternehmen Roadjet steigt in den Fernbus-Markt ein und fährt ab August von Stuttgart nach Berlin - mit Massagesesseln, Entertainment-Programm und Waschräumen.

Der Fernbus-Markt ist hart umkämpft und mittlerweile gibt es nur noch wenige Anbieter. Das Münchner Unternehmen Flixbus ist klarer Marktführer, kleinere Anbieter sind Blablabus und Pinkbus. Nachdem sich die Fernbus-Unternehmen in den vergangenen Jahren Preisschlachten geliefert haben, verfolgt das Start-up-Unternehmen Roadjet aus Stuttgart einen neuen Ansatz: Mit Premium-Fernbussen will der Reiseanbieter Fahrgäste anlocken, die mehr Wert auf Komfort als auf günstige Ticketpreise legen. Gegründet wurde Roadjet von Mujib Bazhwal und Muhammed Simsek.

Die beiden Roadjet-Gründer Muhammed Simsek und Mujib Bazhwal wollen sich auf dem Fernbus-Markt behaupten. (Foto: Roadjet)
Die beiden Roadjet-Gründer Muhammed Simsek und Mujib Bazhwal wollen sich auf dem Fernbus-Markt behaupten. Roadjet

Fernbus-Anbieter will mit Komfort punkten

"Wir wollen, dass unsere Kunden entspannt reisen oder aber auch falls gewünscht, ihre Reisezeit produktiv als Arbeitszeit nutzen können", sagt Firmengründer Mujib Bazhwal. "Dafür haben wir einen Premium-Doppelstockbus entworfen, der nach unseren Vorgaben exklusiv für uns konstruiert wurde." So gibt es an Bord ausreichend Platz zwischen den 44 Sitzen, die zudem mit einer Massagefunktion ausgestattet sind. Neben WLAN sollen die Kunden während der Fahrt Filme anschauen und Musik hören können, dazu gibt es Waschräume und eine Umkleidekabine. Außerdem gibt es am Eingang der Busse ein Kamerasystem mit einem Körpertemperatursensor, um in Zeiten von Corona die Temperatur der Fahrgäste zu messen.

Mit Massagesitzen, WLAN, Waschräumen und Entertainment will Roadjet Kunden locken. (Foto: SWR, Tobias Frey/SWR)
Mit Massagesitzen, WLAN, Waschräumen und Entertainment will Roadjet Kunden locken. Tobias Frey/SWR

Roadjet startet mit zwei Bussen zwischen Stuttgart und Berlin

Ab Anfang August 2020 sollen täglich zwei Busse zwischen Stuttgart und Berlin pendeln - vormittags und am späten Abend. Nach Angaben von Roadjet soll die Fahrtzeit rund 7,5 Stunden betragen, da die Busse nur in Nürnberg und Leipzig stoppen. Die Ticketpreise sollen sich an den Preisen der 2. Klasse der Deutschen Bahn orientieren. So gibt es für die Fahrt von Stuttgart nach Berlin Tickets für rund 40 Euro. Sollte der neue Luxus-Fernbus gut bei den Fahrgästen ankommen, planen die Gründer weitere Strecken - unter anderem von Stuttgart über Frankfurt nach Hamburg.

Konkurrenz zu Marktführer Flixbus

Roadjet will sich also als erster Premium-Fernbus-Anbieter am Markt behaupten und sieht sich dem starken Marktführer Flixbus gegenüber.

"Flixbus hat es geschafft, eine extrem hohe Bekanntheit und Kundenbindung zu erreichen, und ich glaube, diese Markenbekanntheit, diese Produkte, Bekanntheit, das wird die große Herausforderung sein, um am Markt tatsächlich Bestand zu haben."

Christoph Gipp, Fernbus-Experte vom Marktforschungsinstitut Iges

SWR-Experte: Es wird nicht einfach für Roadjet

SWR-Wirtschaftsredakteur Tobias Frey, der den Fernbus-Markt seit der Liberalisierung im Jahr 2013 beobachtet, beurteilt die Pläne der Stuttgarter Gründer grundsätzlich positiv: "Roadjet könnte in eine Lücke stoßen, da es bislang keinen Luxus-Fernbus-Anbieter auf dem Markt gibt. Die meisten Anbieter haben in der Vergangenheit auf niedrige Ticketpreise und weniger auf Komfort an Bord gesetzt." Allerdings weiß der Fernbus-Experte auch, dass es für das Start-up-Unternehmen nicht einfach wird: "Der Fernbus-Markt wird von Flixbus dominiert, das Unternehmen ist bei vielen Fahrgästen bekannt und bietet ein breites Streckennetz. Roadjet wird einen langen Atem und auch viel Geld brauchen, um sich langfristig behaupten zu können."

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