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Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Aktuelle Wirtschaft (Foto: SWR, SWR)

Ins Paket statt auf den Müll. So sollen sogenannte Retterboxen gegen Lebensmittelverschwendung helfen. Wie gut ist die Idee, Produkte zu verschicken, die sonst weggeworfen würden?

Lebensmittel zu essen und nicht wegzuwerfen. Dass das eine gute Sache ist, würden sicherlich viele so unterschreiben.

Allerdings: In vielen Retterboxen sind vor allem lange haltbare Lebensmittel, wie Chips, Nudeln, Soßen oder Schokolade. Und das wirft für SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn die Frage auf, ob diese Boxen wirklich eine so große Hilfe im Kampf gegen die Essensverschwendung sind. Denn:

Supermärkte können haltbare Lebensmittel in der Regel gut verkaufen

Lange haltbare Lebensmittel können Supermärkte so vermarkten, dass sie rechtzeitig verkauft werden und die meisten schaffen das auch. Supermärkte sind Wirtschaftsunternehmen, sie werden schon aus Geldgründen immer besser darin, so wenig wie möglich wegzuwerfen. Und was sie dann doch aussortierten müssen, sind Dinge wie Milchprodukte oder auch Obst und Gemüse, also Dinge, die sich häufig nicht gut zum Verschicken eignen.

Zwei Mitarbeiterinnen sortieren in einem Tafelladen Lebensmittel (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Supermärkte können Lebensmittel an Tafelläden ausgeben, die sie dann an Bedürftige verteilen. Picture Alliance

Was passiert mit nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln?

Lebensmittel kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums werden zuerst reduziert, da geht schon einiges weg. Dann haben die allermeisten Supermärkte Kooperationen mit Tafelläden, die brauchen immer dringend Lebensmittel. Sie müssen allerdings auf die Haltbarkeit achten, und können nicht alle Lebensmittel in jeder Menge dann auch verteilen.

Wenn trotz reduzierter Preise und Abgabe an Tafeln noch etwas übrig bleibt, dann gibt es zusätzlich noch eine Möglichkeit: In vielen Städten sind mittlerweile sogenannte Food-Saver aktiv.

Eine Frau zeigt einen Hefezopf und ein Brot in einem offenen Schrank (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Öffentlich zugängliche Schränke mit Lebensmitteln für jeden, der sie brauchen kann, gibt es immer häufiger. Picture Alliance

Sie retten das Essen und stellen es dann zum Beispiel in sogenannte Fairteiler, das sind öffentlich zugängliche Vorratsschränke, aus denen sich jeder, der vorbei kommt, herausholen, was gerade da ist. Das Fazit von SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn ist deshalb:

"Um Essen zu retten, muss ich es nicht quer durch die Republik schicken, wenn ich das will, kann ich reduzierte Ware im Supermarkt kaufen, den Apfel mit den Dellen oder auch den Joghurt, der heute abläuft."

SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn

Supermärkte werfen nur vergleichsweise wenig Essen weg

Wichtig zu wissen ist allerdings auch: Supermärkte spielen beim Problem der Lebensmittelverschwendung eine eher kleine Rolle – dort liegt der Ausschuss bei rund fünf Prozent.

Das eigentliche Problem verursachen wir zu Hause – dort wird der absolute Löwenanteil weggeworfen.

Lebensmittel in einer Tonne (Foto: picture-alliance / Reportdienste)
Lebensmittel in einer Tonne

Weil wir den Teller nicht leer essen, Reste nicht verwerten, den Käse so lange ignorieren, bis er schimmelt oder grundsätzlich keine braunen Bananen essen – die Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Tipps für kleine Schritte im Alltag geben beispielsweise auch Verbraucherschützer im Internet. Das empfiehlt SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn:

"Wer wirklich etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun will, der kann zu Hause damit anfangen. Dann ist schon eine Menge erreicht."

SWR-Umweltredakteurin Susanne Henn

Krummes Gemüse oder Retterapps - was noch hilft

Neben "klassischen" Retterboxen mit Nudeln und anderem kurz vor oder auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, gibt es auch noch andere Modelle.

Zum Beispiel Anbieter, die Obst und Gemüse verschicken, oder regional liefern, das nicht den Normen für den normalen Verkauf entspricht. Also krumme Gurken oder knubbelige Äpfel, die dann direkt vom Hof kommen.

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Auch unterschiedlichste Apps versprechen Unterstützung beim Lebensmittel retten, zum Beispiel, indem sie Verbraucher mit Restaurants oder Bäckereien in Kontakt bringen, die Reste günstiger verkaufen oder Ideen zum Kochen mit Resten anbieten.

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Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Aktuelle Wirtschaft (Foto: SWR, SWR)