Versorgungsausgleich bei Renten Stirbt der Ex-Partner, lohnt eine Neuberechnung

Bei hunderttausenden Geschiedenen wird ein Teil ihrer Rente dem Ex-Partner zugewiesen. Nach dessen Tod können viele diesen Betrag wieder für sich beanspruchen, aber nur auf Antrag.

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Sendedatum
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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Vielen geschiedenen Senioren wird ein Teil der Rente für die Ex-Partnerin oder den Ex-Partner abgezogen, selbst wenn diese oder dieser schon verstorben ist. Das Geld behalten die Rentenversicherer für sich. Was kaum jemand weiß: Man kann sich in vielen Fällen seine volle Rente zurückholen. Und mit etwas Glück hat man am Ende mehrere Hundert Euro mehr – Monat für Monat:

Scheidung sorgt oftmals für Rentenlücke

Karl-Heinrich U. ist seit sechs Jahren in Rente. Dass es finanziell im Alter knapper sein würde als früher, war klar. Weil die Rente niedriger ist als sein Gehalt zu Berufszeiten als Bauschlosser. Aber auch, weil er 1997 geschieden wurde, nach 21 Jahren Ehe. Ein Teil der Rente ging an seine Ex-Frau.

„Ich war der Hauptverdiener, und meine Frau war mit den Kindern zu Hause. Und das war für mich selbstverständlich bei der Scheidung, dass ich den Ausgleich meiner Frau geben musste.“

Karl-Heinrich U.

Bei einer Scheidung gibt es in aller Regel den so genannten Versorgungsausgleich für die Rente. Das bedeutet: Auch Karl-Heinrich U. musste als Hauptverdiener einen Teil der Bezüge an seine Ex-Frau abgeben. Pro Monat 270 Euro aus der gesetzlichen und 100 Euro aus der Betriebsrente.

Geldscheine in Händen eines älteren Menschen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)
Der Hauptverdiener muss oftmals nach der Scheidung dem Ex-Partner einen Versorungsausgleich für die Rente zahlen. picture alliance/Marijan Murat/dpa

Rückerstattung nur auf Antrag

Doch wenige Monate nach ihrem Rentenantritt starb seine Ex-Frau. Da stand für ihn fest: Er wollte seine volle Rente zurück.  

Was viele nicht wissen: Wenn der geschiedene Partner verstirbt und höchstens 36 Monate Rente bezogen hat, dann kann der überlebende Partner seine gekürzte Rente wieder zurückverlangen.

„Das passiert nicht automatisch. Der Rentenversicherungsträger schreibt Sie also nicht an. Und wenn Sie den Antrag nicht stellen, erhalten Sie auch Ihre Rente nicht zum Positiven abgeändert.“

Raimund Wolf, Rentenberater für den Versorgungsausgleich

Karl-Heinrich U. meldete sich bei der deutschen Rentenversicherung und der Zusatzversorgungs-Kasse. Das Ergebnis: Die 270 Euro aus der Rentenkasse bekam er sofort wieder. Aber die 100 Euro Zusatzrente fehlten weiterhin.

Hunderttausende haben Anspruch auf Rentenneuberechnung

Auch der frühere Post-Beamte Günter Z. wollte seine Altersvorsorge zurück. Als seine geschiedene Frau starb, hatte sie allerdings schon länger als 36 Monate Rente bezogen. Sein Antrag wurde abgelehnt. Das wollte er nicht auf sich beruhen lassen. Er schaltete einen Anwalt ein.    

„Viele Menschen, die einen ablehnenden Bescheid bekommen, denken dann, das war es. Das ist aber oft ein Irrtum. Fakt ist, dass es in Hunderttausenden von Fällen möglich ist, die verlorene Versorgung zurück zu holen, es ist nur kaum bekannt.“

Dr. Gregor Mayer, Fachanwalt für Familienrecht

Dabei hat das 2018 sogar der Bundesgerichtshof entschieden. Aber es hat sich offenbar noch nicht herumgesprochen. Betroffen sind vor allem Ehen, die zwischen 1977 und 2009 geschieden wurden. Der Weg geht dann über das Familiengericht, dort muss eine Neuberechnung beantragt werden.

„Gute Chancen bestehen beispielsweise, wenn aus der Ehe vor 1992 geborene Kinder hervorgegangen sind. Oder bei Beamten, denen nach der Scheidung der Ruhesatz gekürzt wurde, oder wenn Betriebsrenten ausgeglichen wurde.“

Dr. Gregor Mayer, Fachanwalt für Familienrecht

Neuberechnung gilt nicht rückwirkend

Es gibt einen ganzen Strauß an Möglichkeiten. Man muss sich immer den Einzelfall anschauen. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang aber auch zu wissen, dass ein solcher Antrag immer nur in die Zukunft wirkt, also ab dem Folgemonat nach der Antragstellung. Ab dann gibt es die erhöhte Rente, rückwirkend nicht. Wer zu lange wartet, verliert Geld.

Günter Z. hat seine Pension vor dem Familiengericht neu berechnen lassen. Jetzt bekommt er 450 Euro mehr im Monat, seine volle Pension. Karl-Heinrich U. hat ebenfalls geklagt und seine Betriebsrente zurückgeholt. Er hat jetzt insgesamt 370 Euro mehr im Monat.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung oder dem Bundesverband der Rentenberater. Der Bundesgerichtshof fällte 2018 zwei Urteile zum Versorgungsausgleich (XII ZB 466/16 und XII ZB 624/15).

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