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Unternehmen, die Bauschutt recyclen, schonen die Umwelt und sorgen für nachhaltiges Bauen. Die Baubranche sucht verzweifelt Sand. Vor allem regional ist der Baustoff bereits knapp.

Walter Feeß ist ein Mann mit einer Mission. Wie die aussieht, zeigt der Unternehmer auf dem Firmengelände am Rande von Kirchheim unter Teck bei Stuttgart. „Schauen sie hier den Sand 02 an, der aus Boden, Steinen und sandhaltigem Aushubmaterial ausgewaschen wurde – aus sogenannten mineralischen Abfällen. Er hat eine Top-Qualität. Die Untersuchungen und Analyse-Ergebnisse bestätigen das.“

Umdenken: Aushub aus Baugruben wiederverwerten

Für die einen ist der Baugruben-Aushub, den Dutzende Lastwagen hier täglich anliefern, Abfall – für Feeß sind es wichtige Rohstoffe und Ressourcen, die wiederverwertet werden können. „Diese Materialien muss man nicht auf eine Deponie karren, sondern teilweise stecken da 70, 80 Prozent oder mehr Sand und Steine drin. Das müssen wir wiederverwerten. Aus meiner Sicht müssen wir komplett umdenken.“

Wenn der Baugruben-Aushub wie in Feeß‘ Firma ortsnah aufbereitet wird, spart das CO2, weil die Lkw weniger lange Strecken fahren müssen. Und es schont wichtige Ressourcen, zum Beispiel Sand.

„Sand wird immer knapper. Für die Herstellung zum Beispiel von Stuttgart 21 werden jede Woche etwa zwei große Güterzüge mit über 1.000 Tonnen Sand aus den neuen Bundesländern nach Stuttgart gefahren. Ohne den Sand könnten wir die Bautätigkeit in Stuttgart gar nicht herstellen.“

Walter Feeß, Recycling-Unternehmer
Recycling-Baustoffe mit verschiedener Körnung. (Foto: SWR, Geli Hensolt)
Recycling-Baustoffe aus Aushub und Bauschutt mit verschiedener Körnung. Geli Hensolt

Nachhaltig: Waschanlage für das Auswaschen von Sand

Etwa 10.000 Tonnen Sand produziert die Kirchheimer Firma pro Jahr aus Baugruben-Aushub. Der kostet pro Tonne etwa halb so viel wie konventionell erzeugter Sand. Mittendrin auf dem großen Firmengelände steht dafür eine hochmoderne blaue Waschanlage mit Förderbändern. Hier wird großes und kleines Gestein voneinander getrennt. Über eines der Bänder läuft am Ende der ausgewaschene Sand, Natursand. Er kann wiederverwendet werden, etwa um neuen Beton herzustellen.

Waschanlage von Walter Feeß für das Recycling von Aushub und Bauschutt (Foto: SWR, Geli Hensolt)
In der hochmodernen Waschanlage von Walter Feeß werden Aushub und Bauschutt gereinigt und sortiert. Geli Hensolt

Schöpfungsverantwortung: Recycling-Beton aus Bauschutt schont Ressourcen

Nicht nur das, was beim Ausbuddeln einer Baugrube übrigbleibt, kann Walter Feeß gebrauchen. Auch Bauschutt – Betonmauern zum Beispiel – kann er in seinem Betrieb recyceln. Daraus entsteht sogenannter R-Beton, ressourcenschonender Beton, aus dem auch das Firmengebäude gebaut ist. „Der R-Beton hat eine wunderbare Oberfläche.“ Dieser Beton ist nicht nur grau, sondern hat rotbraune und weiße Sprenkel. Preislich ist er mit anderem Beton vergleichbar.

Trotzdem ist der ressourcenschonende Beton momentan noch ein Nischenprodukt. An der Qualität könne es nicht liegen, meint Feeß. Eher daran, dass Viele das Produkt noch nicht kennen. Das will er ändern. Feeß sagt, er wolle mit seiner Firma beweisen, dass Recycling ökologisch und ökonomisch sinnvoll sei. Schließlich habe er als Unternehmer eine Verantwortung für etwa 200 Mitarbeitende und für die Umwelt.

„Ressourcenschonung ist ja auch ein Teil der Schöpfungsverantwortung, Verantwortung für kommende Generationen. Unsere Kinder wollen ja auch noch eine lebenswerte Zukunft.“

Walter Feeß, Recycling-Unternehmer
Kies- und Sandberge (Foto: SWR, Norbert Kohlen)

SWR2 Geld, Markt, Meinung Der Sand wird knapp

Sand steckt in vielen Produkten. Nicht nur in Häusern, auch in Autoscheinwerfern oder Zahnpasta. In Deutschland gab es bisher ausreichend Sand. Doch allmählich wird er knapp.

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