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Radon ist die zweithäufigste Ursache für die Entstehung von Lungenkrebs. Es kann durch Risse im Keller in Häuser eindringen. Wo ist die Gefahr für Radon-Vorkommen im Südwesten am größten und wie kann man sich schützen?

Radon ist ein radioaktives Gas, das im Untergrund durch den natürlichen Zerfall von Uran entsteht. Das Edelgas bahnt sich seinen Weg durch den Boden und gelangt so an die Oberfläche. Normalerweise verteilt es sich in der Luft und stellt dann für Menschen keine Gefahr dar. Allerdings kann sich Radon durch Risse im Fundament oder durch Abflüsse im Boden in Wohnräumen anreichern und die Raumluft vergiften.

Eine Grafik zeigt ein Haus, in das giftiges Radon über den Keller in die Innenräume eindringt. (Foto: SWR)
Über Risse oder Spalten im Boden kann giftiges Radon in die Wohnräume eindringen. Dabei kann es zu hohen Konzentrationen in den Innenräumen kommen.

Radon ist krebserregend

Sobald das radioaktive Radon eingeatmet wird, zerfällt es in der Lunge. Es führt zu einer Bestrahlung der Lungenzellen und kann so Krebs auslösen. Bis zum tatsächlichen Ausbruch der Krankheit können jedoch Jahrzehnte vergehen. Experten zufolge ist etwa jeder 50. Krebstod in Europa auf die Wirkung von Radon zurückzuführen.

Konzentration in der Raumluft ist entscheidend

Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt schon lange vor Radon. Wie hoch das Risiko ist, hängt von der Konzentration des Gases und der täglichen Aufenthaltsdauer in den betroffenen Räumen ab. Gemessen wird die Konzentration in der Einheit Becquerel (Bq). Ein Becquerel entspricht einem radioaktiven Zerfall pro Sekunde. In Deutschland befinden sich durchschnittlich 60 Bq Radon in einem Kubikmeter Raumluft. Deutsche und internationale Radon-Studien belegen, dass das Lungenkrebsrisiko pro 100 Bq um 10 bis 16 Prozent ansteigt. Für die höchste Radonkategorie (entsprechend 140 bis 3.000 Bq pro Kubikmeter, Mittelwert 252 Bq/Kubikmeter) ergab sich im Vergleich zur Referenzkategorie (0 bis 50 Bq/m³, Mittelwert 38 Bq/Kubikmeter) ein um 40 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Bundesweite Studie zu Radon in Wohnungen

Die Radon-Belastung ist regional unterschiedlich. Im Südwesten treten immer wieder hohe Belastungen auf. Derzeit läuft im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz eine Studie zur Radon-Konzentration in Wohnräumen: Die Behörde lässt erforschen, wie hoch die Radon-Konzentration deutschlandweit in Wohnungen ist. In 6.000 zufällig ausgewählten Wohnungen wurden dafür im Sommer 2019 je zwei Messgeräte aufgestellt, die ein Jahr lang die Radon-Konzentration in der Raumluft messen sollen. Das Gesamtergebnis der Messungen soll nun spätestens Ende des Jahres vorliegen.

Die seit Februar 2018 geltende Strahlenschutzverordnung besagt, dass in Gebäuden möglichst nicht mehr als 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Raumluft enthalten sein sollen. Besser für die Gesundheit ist es, in dauerhaft genutzten Wohnräumen unter 100 Becquerel zu kommen, wie die Weltgesundheitsbehörde (WHO) empfiehlt. Für einen solchen Wert müssten allerdings sehr viele Häuser saniert werden.

Baden-Württemberg weist Vorsorgegebiete aus

Seit Jahresbeginn gelten 29 Gemeinden im Schwarzwald als Radon-Vorsorgegebiete. Auf Grund der Bodenstruktur ist das Radon-Vorkommen hier besonders hoch. Mit der Ausweisung als Vorsorgegebiet will das Land die Bewohner dieser Region vor dem gefährlichen Gas schützen, denn in diesen Gebieten gelten strengere gesetzliche Pflichten als anderorts. Arbeitsgeber müssen hier besonders darauf achten, dass die Radon-Konzentration in Betriebsräumlichkeiten den Grenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft nicht überschreitet. Außerdem muss beim Bau neuer Gebäude darauf geachtet werden, dass Radon nicht oder nur sehr schwer in die Innenräume eindringen kann.

Auf einer Deutschlandkarte sind die Radon-Vorsorgegebiete in Baden-Württemberg eingezeichnet. (Foto: SWR)
Seit dem 1. Januar 2021 weist Baden-Württemberg Radon-Vorsorgegebiete aus.

Andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz oder Hessen haben sich gegen die Ausweisung von Vorsorgegebieten entschieden.

Messgeräte für den Eigengebrauch

Wer den Radon-Gehalt in den eigenen vier Wänden messen möchte, hat dazu zwei Möglichkeiten. Es gibt passive Messgeräte, sogenannte „Kernspurdosimeter“, die über einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten hinweg den Radon-Gehalt dokumentieren. Sie sind bei speziellen Messlaboren erhältlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz bietet auf seiner Website eine Liste mit Laboren an, die den gesetzlichen Qualitätsstandards entsprechen. Je nach Gerät und Anbieter belaufen sich die Kosten auf 30 bis 50 Euro pro Messung. Kernspurdosimeter benötigen keinen Strom. Sie sind kleine Plastikgefäße, die eine Detektorfolie enthalten. Die beim Zerfall entstehenden Alphateilchen hinterlassen auf der Folie Spuren, die dann in Messlaboren ausgewertet werden können.

Verschiedene Radon-Messgeräte sind nebeneinander aufgereiht. (Foto: SWR)
Es gibt verschiedene Radon-Messgeräte für den heimischen Gebrauch.

Als zweite Option sind auch kurzfristige Messungen mit elektrischen Messgeräten möglich. Sie dauern nur wenige Minuten bis Tage an und das Ergebnis lässt sich direkt im Display der Geräte ablesen. Allerdings sollte man sich hierbei immer bewusst sein, dass es sich lediglich um eine Momentaufnahme handelt und nicht die tatsächliche Radon-Belastung über einen längeren Zeitraum hinweg abbilden kann.

Egal für welche Mess-Möglichkeit man sich entscheidet, es ist wichtig, dass in allen regelmäßigen Aufenthaltsräumen, wie beispielsweise der Küche, Schlaf- oder Kinderzimmern, gemessen wird.

Was kann man gegen Radon in Wohnräumen tun?

Wird eine erhöhte Radon-Konzentration in der Raumluft gemessen, kann man einfache Maßnahmen einleiten: Die einfachste ist häufiges, stoßweises Lüften. Wenn das nicht hilft, müssen Undichtigkeiten wie Risse und Fugen in Boden, Wänden oder Rohrdurchführungen beseitigt werden. Eine radondichte Sperrschicht zwischen Untergrund und Gebäude oder zumindest zwischen Keller und Wohnbereich kann die Radonkonzentration in der Raumluft weiter senken.

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