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Die Corona-Krise hat Obst und Gemüse zum Teil verteuert. Doch es gibt auch Lebensmittel, die jetzt besonders günstig sein müssten. Warum sind sie im Gegenteil sogar teurer?

Beim Brokkoli fehlten die Erntehelfer

Obst und Gemüsepreise unterliegen immer großen Preisschwankungen bis zu 50 Prozent – teilweise sogar 100 Prozent: Das hängt oft mit guten oder schlechten Ernten zusammen. Salatgurken sind dieses Jahr schon seit Januar günstig, weil die Ernte gut lief. Brokkoli und Blumenkohl wurden dagegen teurer: Bei der Brokkoli-Ernte waren in Spanien zu wenig Erntehelfer.

Beim Blumenkohl gab es viele Mitesser

Der Blumenkohl-Preis stieg dagegen, weil es Missernten in der Hauptanbauregion Bretagne gab und zusätzlich die Nachfrage nach Blumenkohl in Frankreich selbst anstieg.

Dauer

Kartoffeln und Zwiebeln werden maschinell geerntet

Kartoffeln und Zwiebeln sind jetzt sogar günstiger als 2019. Die Erträge waren reichlicher als im Vorjahr, und die Pflanzen werden nicht von Hand geerntet – man braucht also keine Saisonarbeitskräfte. Auch bei Strauchtomaten ist aktuell der durchschnittliche Preis auf 1,67 Euro pro Kilo gefallen. Damit ist der Kilopreis dieses Jahr sogar 15 Cent billiger als 2019. Allerdings waren Strauchtomaten im März/April 2020 zeitweise 23 Prozent teurer als in den Vorjahres-Monaten.

Radieschen und Kopfsalat leiden unter Trockenheit

Der Aufwand bei der Gemüseernte war dieses Jahr größer durch die neuen Abstandsregelungen für die Mitarbeiter. Das machte insgesamt die Produktion ineffektiver und teurer. Dazu kam noch die anhaltende Trockenheit, die besonders Kopfsalat, Radieschen und Frühlingszwiebeln schädigt. Spargel kostet derzeit etwa 50 Cent mehr pro Kilo als 2019.

Radieschen werden von Maschine geerntet (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Radieschen-Ernte hat dieses Jahr unter der Trockenheit gelitten. Picture Alliance

Stärkere Nachfrage nach Vitamin-C-Früchten  

Bei Viruserkrankungen greifen die Menschen immer verstärkt zu Zitronen und Orangen. Da es von diesen Vitamin-C-Früchten 2020 auch eine geringere Menge gab als in den Vorjahren stiegen die Preise – bei Orangen von durchschnittlich 1,32 Euro auf 2,03 Euro je Kilogramm.

Milchprodukte müssten eigentlich billiger sein

Derzeit produzieren die Milchbauern Überschüsse und haben aufgrund von geschlossenen Hotels und Restaurants weniger Abnehmer. Eigentlich müssten Milchprodukte deshalb billiger sein. Die Realität sieht aber anders aus: Letztes Jahr kostete der Liter H-Milch noch 70 Cent, jetzt sind es 79 Cent. Das sind 12 Prozent mehr.

Fleisch ist teurer geworden

Auch bei Fleisch gibt es derzeit eine Überproduktion – trotzdem ist es teurer geworden. Die gleichen Schweineschnitzel kosteten letztes Jahr bei Aldi Süd, Lidl, Netto, Rewe und Penny 5,98 Euro. Jetzt liegen sie bei 7,58 Euro.

Obwohl die Preise für Milchprodukte und Fleisch eigentlich purzeln müssten, zahlen die Kunden also mehr. Und auch bei den Produzenten kommt die Preissteigerung nicht an.

Fleisch (Foto: SWR)
Die günstigen Einkaufspreise gibt der Handel beim Fleisch nicht an den Kunden weiter.

Milchbauern protestieren

Die Milchbauern schlagen deshalb bereits Alarm. Erste Molkereien haben damit begonnen, weniger Milch anzunehmen. Wird die Milch nicht abgeholt, müssten tausende Liter weggekippt werden.

Wir fragen die großen Handelsketten und Discounter, warum die niedrigen Erzeuger-Preise nicht beim Verbraucher ankommen. Nur Lidl und die beiden Aldis antworten. Aldi Nord schreibt:

„Im Sinne einer guten Planbarkeit für Lieferanten und Erzeuger werden insbesondere Fleisch- und Milchkontrakte jeweils für mehrere Monate vereinbart. In beiden Fällen fanden Verhandlungen vor Eintreten der Corona-Krise statt.“

Aldi Nord

Alle schreiben, man wolle Preisvorteile an die Kunden weitergeben, allerdings voraussichtlich erst bei den nächsten Vertragsverhandlungen.

Handel schlägt Profit aus Corona-Krise

„Es gibt durchaus Indizien, dass der Handel die Corona-Krise genutzt hat, um mehr Gewinne zu machen“, sagt dagegen Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale. Zusätzlich zu dem Ansturm auf Lebensmittelgeschäfte, der diesen mehr Umsatz beschert hat, seien teilweise gesunkene Erzeugerpreise nicht an die Kunden weitergegeben worden. Teilweise wurden die Preise sogar erhöht. „Einfach, um noch mehr Gewinne zu erwirtschaften“, so Burdick.

Dauer

Beim Thema Milch scheint nun etwas in Bewegung zu kommen: Nach ersten Bauernprotesten hat Aldi als erster Discounter angekündigt, den Landwirten mehr pro Liter zu zahlen. Von fünf Cent wird branchenintern gesprochen. Andere große Supermärkte und Discounter haben bisher auf unsere Anfragen nicht reagiert.

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