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Rabattschlacht der Supermärkte - jede Lebensmittel-Kette will billiger sein. Was die Branche bewegt und warum das an den Verbrauchern vorbei gehen könnte, kommentiert unser SWR-Experte.

Riesige Anzeigen in Zeitungen, und die Motive ähneln sich: Zu sehen sind zwei oder drei gefüllte Einkaufswagen, daneben ein Preis. Stammt die Anzeige von Aldi, ist die Summe der Einkäufe in diesem Wagen billiger als im Lidl-Einkaufwagen daneben. Schaltet Lidl die Anzeige, ist der eigene Wagen selbstverständlich billiger als der des Konkurrenten. Die Schlacht der Lebensmittel-Giganten ist in vollem Gang, und jetzt mischt sich auch noch Edeka ein.

Was hinter dem Preiskampf der Lebensmittelbranche steckt

Kommentar von SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser

Die günstigen Fischstäbchen, die billigste Tiefkühl-Pizza oder die preiswerteste Nuss-Nugat-Creme: Die großen Supermarkt-Ketten machen gerade mächtig Lärm um ihre Preise. Jeder reklamiert die Preisführerschaft für sich, will unbedingt der billigste Supermarkt im Land sein. Gerade die Discounter Lidl und Aldi trommeln dabei am lautesten und werben um preisbewusste Kunden. Möglicherweise, weil sich bei ihnen langsam Panik breit macht. Die Discounter sind zwar immer noch die Platzhirsche der Lebensmittelbranche und mit ihrem Billig-Billig-Modell auch im Ausland erfolgreich - aber bei uns Verbrauchern scheint ein Umdenken einzusetzen.

SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser. (Foto: SWR)
SWR-Wirtschaftsredakteur Lutz Heyser.

Erste Studien zum Kaufverhalten der Deutschen in Corona-Zeiten zeigen: Der Preis allein ist es nicht mehr, der uns Kunden zum Kaufen in den Supermarkt lockt. In den Corona-Hauptmonaten März bis Mai haben zwar alle Supermärkte mehr Umsatz und Gewinn gemacht - Kunststück, sie waren oft die einzigen Läden, die noch offen waren - aber die klassischen, eher teureren Supermarkt-Ketten Rewe und Edeka haben ihren Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr stärker erhöhen können, während Discounter sogar verloren haben. Das heißt: In der Corona-Zeit war es für die Menschen wichtig, sich möglichst gesund und nachhaltig zu ernähren. Vor allem die Jüngeren haben darauf geachtet. Deshalb wurden mehr Bio- oder regionale Lebensmittel gekauft - und das im großen Supermarkt, auf dem Wochenmarkt, beim Metzger und nicht beim Billig-Discounter auf der grünen Wiese.

Verbraucher ändern ihr Verhalten

Dieses Verbraucherverhalten scheint die Discounter jetzt zum Nachdenken zu bringen – und dazu, diesen Preiskampf anzuzetteln. Ob es funktioniert, oder ob auch wir Deutschen langsam erkennen, dass gutes Essen und gute Lebensmittel ihren Preis haben, bleibt abzuwarten. Aus Umweltsicht und auch aus Sicht der Tiere und der Beschäftigten in den Schlachthöfen wäre es wünschenswert. Wenn das tatsächlich so ist, läuft diese Werbeschlacht der Discounter gerade völlig ins Leere.

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