Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, spricht während der Präsentation der Zwischenbilanz zum "Strategiedialog Automobilwirtschaft BW".  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Annäherung an einen umgänglichen Top-Manager

Oliver Blume: Der Porsche-Chef auf dem Weg an die Spitze von VW

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Lutz Heyser

Plötzlich kennen alle Oliver Blume – oder wollen ihn jedenfalls kennenlernen. Ab September wird er neuer VW-Chef in Wolfsburg. Noch ist Blume in Stuttgart Boss von Porsche.

Umgänglich – das Wort fällt, oft, wenn man wissen will, wie Oliver Blume denn so ist. Als Chef. Absolut umgänglich im Ton sei er jedenfalls. Sagen seine Mitarbeiter bei Porsche in Stuttgart. Die Betriebstemperatur des 54-jährigen gebürtigen Braunschweigers und studierten Maschinenbauers eigentlich immer im absolut kontrolliert-verträglichen Bereich. Laut oder gar emotional wird er öffentlich nie, selbst wenn er als Porsche-Chef immer neue Rekorde zu vermelden hat, wie bei der Jahres-Pressekonferenz im März dieses Jahr. Das war sein letzter großen öffentlichen Medien-Auftritt.

Kurzer Moment des Kontrollverlustes

Da scheint sein Auftritt bei einer internen Porsche-Betriebsversammlung, über den die ZDF-Satire-Show „Die Anstalt“ als erste berichtet hatte, eher ein Ausrutscher gewesen zu sein. Ein kurzer Moment des inneren Kontrollverlusts vielleicht. Bei all dem Druck. Demnach soll Blume dort gesagt haben, dass Porsche während der Koalitionsverhandlungen in Berlin, durch rege Kontaktpflege zu FDP-Chef Linder, „sehr großen Anteil“ daran gehabt habe, dass eine weitere Nutzung von synthetisch hergestellten E-Fuels für Verbrennungsmotoren „in den Koalitionsvertrag miteingeflossen“ sei. „Falsche Wortwahl“ sagt er nun und hat sich öffentlich entschuldigt.

Blume bleibt auch in Stuttgart

Bei Porsche jedenfalls haben sie nun ihre Lehren daraus gezogen, und halten den Chef, der auch sonst nur selten öffentlich auftrat, nun endgültig in der Deckung: keine öffentlichen Statements von Blume mehr, bevor er im September zu VW nach Wolfsburg wechselt. Wobei, ein bisschen in Stuttgart bleibt er ja, und soll den Sportwagenbauer Porsche weiterhin fit für den geplanten (Teil-) Börsengang im Herbst machen. Um damit ordentlich Geld in die Kassen von Konzernmutter VW zu spielen. Damit die Elektromobilität auch beim Gesamtkonzern ans Laufen kommt – so wie bei der Sportwagentochter schon heute.

Auf dem Kurs des Vorgängers

Sein Fokus liege auf Zukunftstechnologien, auf der Digitalisierung und E-Fuels. Das sagte Oliver Blume im März noch als Porsche-Chef. Doch es könnte künftig auch seine Agenda für den großen Volkswagen-Konzern in Wolfsburg sein. Damit würde er den vom scheidenden VW-Chef Diess eingeschlagenen Kurs hin zur Elektromobilität also weiter fortsetzen. Nur vermutlich deutlich umgänglicher und diplomatischer als sein Vorgänger im Ton – und wahrscheinlich auch mit etwas mit ruhigerer Hand.

Hobby-Tennisspieler, der Software-Problem lösen muss

Ruhig und entschlossen: so beschreiben sie den passionierten Tennisspieler und 2-Meter-Mann Blume jedenfalls in Stuttgart. Und diese Entschlossenheit wird er brauchen, etwa wenn er die Software-Probleme bei der VW-Tochter Cariad angeht. Sicher derzeit eines der größten Probleme von Deutschlands größtem Autobauer, und ein entscheidender Wettbewerbsnachteil bei der E-Mobilität, etwa im Vergleich zum US-Autobauer Tesla.

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