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Immer mehr Obst und Gemüse wächst im Südwesten unter Folien. Umweltschützer kritisieren dies. Die Bauern sagen, sie wären sonst nicht konkurrenzfähig.

Folien auf Feld (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Andreas Arnold/dpa)
Ohne Folien könnten auch südeuropäische Bauern nicht ganzjährig produzieren. picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Nicht nur in Spanien, wo Plastik-Meere ganze Landstriche bedecken, auch hier in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werden immer häufiger Folien eingesetzt. Spargel wächst zu 90 Prozent unter Folie und auch Erdbeeren gibt es immer seltener im Freiland.

Auch Biobauern nehmen Plastik

In Baden-Württemberg werden auf rund 12.000 Hektar Gemüse angebaut. Selbst Biobauern im Südwesten nehmen für ihre Spargelfelder oft Folien. Insgesamt sind es – grob geschätzt – rund 21 Millionen laufende Meter Folie allein beim Spargel in Baden-Württemberg bei einer Anbaufläche von 2.800 Hektar. Verlässliche Zahlen gibt es nicht.

Umweltschützer kritisieren, dass dadurch Vögel vertrieben werden, weil sie keine Insekten als Nahrung mehr finden. Die Bauern wehren sich und argumentieren, dass auf Spargelfeldern ohne Folien auch nicht Massen an Vögeln zu finden sind – und sich gerade unter der Folie viele Käfer und Insekten besonders wohl fühlen.

Kostenfaktor: Folien werden so oft wie möglich wiederverwendet

Schon aus wirtschaftlichen Gründen werden Folien im Spargelanbau fünf bis zehn Jahre lang eingesetzt und danach recycelt. Allerdings ist das Recyclen schwierig, weil die Folien oft zu stark verschmutzt sind und dann verbrannt werden müssen. Gleiches gilt für Folien, die bei Sturm zerfetzt werden. Rund 200 Euro kostet das Entsorgen einer Tonne Folie. Die Schäden gehen dann schnell in die Hundertausende.

Folien werden auf Feld gespannt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
Saubere Folie ist recycelbar. picture alliance / dpa

Es bleibt immer etwas Plastik auf den Feldern

Es lässt sich kaum verhindern, dass kleine und kleinste Plastikteile in der Natur bleiben. Zusammen mit anderen Teilchen aus Haus- und Verpackungsmüll gelangen jährlich etwa 8.000 Tonnen Mikroplastik in deutsche Gärten und auf die Äcker. Und das obwohl Landwirte sehr stark auf ihre Ackerflächen achten und die Folien in der Regel fachgerecht entsorgt werden.

Trotzdem ist der Einsatz der Folien in der Landwirtschaft der erste Schritt in der Nahrungskette bis das Produkt – meist in Plastik eingepackt – im Supermarkt landet. Es gibt sogar Spargel, der in mikrowellentaugliches Plastik eingeschweißt wird, welches erst nach dem Garen entfernt werden muss.

Falsch sortierter Müll in Biotonnen

An der Universität Bayreuth untersuchte eine Forschungsgruppe Bodenproben aus der Landwirtschaft. Bis zu 900 Partikel fanden die Bayreuther Forscher in einem Kilo Boden - verursacht vor allem durch falsch sortierten Müll in Biotonnen sowie mangelhafter Entsorgung von Lebensmittelabfällen aus Supermärkten und der Industrie.

Erdbeerfeld (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk)
Deutsche Erdbeeren wären ohne Folien frühestens im Juni reif, nicht schon Anfang Mai. dpa Bildfunk

Plastik ist also vom Hersteller bis zum Verbraucher ein Problem. Ohne Folien auf den Äckern wären aber die Landwirte im Südwesten nicht konkurrenzfähig. Selbst Bio-Spargel-Bauern setzen deshalb Folien ein.

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