Ein Amazon-Paket fährt auf einem Fließband. Es ist in kurzem Abstand zweimal fotografiert worden, sodass es verschwommen aussieht. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa/Hendrik Schmidt)

Plagiate neben Markenprodukten Gefährliche Fälschungen im Amazon Marketplace

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Gefälschte Produkte im Amazon Marketplace – etwa Autoersatzteile – können für Verbraucher gefährlich sein. Sie verwehren der deutschen Industrie Einnahmen in Milliardenhöhe.

Beim Online-Shoppen ist Amazon für viele nicht mehr weg zu denken. Im Amazon Marketplace können Anbieter weltweit ihre Ware zum Kauf anbieten. SWR-Recherchen haben ergeben, dass man dort neben Markenprodukten auch viele Fälschungen finden kann – die teilweise sogar gefährlich sein können.

Ersatzteile fürs Auto zum Teil sicherheitsrelevant

Auch in der Kfz-Branche soll der Handel mit Fälschungen boomen. Kfz-Meister Thomas Frey aus Ludwigsburg beobachtet in letzter Zeit, dass immer mehr seiner Kunden die Ersatzteile im Internet kaufen und dann verlangen, dass er sie einbaut:

„Die versuchen, es als selbstverständlich zu sehen, die rufen an und fragen, ob man eine Inspektion machen kann oder ob man die Bremsen erneuern kann – aber sie haben die Teile schon. Das ist was, wo ich mich dagegen wehre. Da frage ich nämlich nach, wo sie die Teile her haben, aber meistens, oder zu 99 Prozent, bringen die Leute das billig aus dem Internet daher. Und das ist einfach eine Qualität, die ich gar nicht verbauen möchte.“

Natürlich gibt es auch gute Qualität im Internet. Thomas Frey haftet für seine Einbauleistung und verbaut lieber Ersatzteile, von denen er weiß, woher sie kommen.

Ich sehe qualitative Risiken bei den Teilen. Gerade bei Bremsen und Stoßdämpfern, Bremsschläuchen, Fahrwerksteilen – das sind sicherheitsrelevante Teile, wie Lenkung und Sonstiges. Und wenn da ein minderwertiges Produkt verbaut wird, das ist ein Riesen-Sicherheitsrisiko einfach.

Schnäppchen aus dem Internet mit zweifelhafter Herkunft

Viele Kunden suchen nur nach dem billigsten Preis, auch bei Amazon. Einige Kunden schleppen Ersatzteile an, die teilweise mehr als 50 Prozent günstiger sind als die Originalteile. Thomas Frey wundert sich, wie das möglich sein kann. „Da sage ich schon seit Jahren, da müssen Plagiate umherschwirren, das kann ja gar nicht sein. Die verkaufen teilweise die Teile für ein Geld, so kaufen die Werkstätten – oder selbst die Großhändler – das gar nicht ein. Das kann gar kein Originalteil sein.“

Das Amazon-Logistikzentrum in Koblenz. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Thomas Frey/dpa)
Über Amazon Marketplace werden teils auch Fälschungen vertrieben. picture alliance / Thomas Frey/dpa

Viele der Ersatzteile kommen aus China. Doch sind das alles Originale? Bei Audi in Ingolstadt gibt es extra Markenschutz-Beauftragte, die Fälschungen aus dem Netz untersuchen. „Jetzt kommt der Klassiker, die 3-D-Shadow-Einstiegsleuchten.“ Serhyi Jewtymonwycz und sein Kollege schauen sich gerade die sogenannten 3-D-Shadow-Einstiegsleuchten an. Diese werden in Audi-Türen eingebaut. „Da haben wir in China bei einem ganz großen Hersteller letztes Jahr eine Razzia durchgeführt, der hat die zu Tausenden produziert.“

Razzien in China auf der Suche nach Plagiaten

Allein im vergangenen Jahr hat Audi 192 Razzien in China angestoßen und dabei Fälschungen im Wert von 76 Millionen Euro beschlagnahmt – für Audi nur die Spitze des Eisbergs. Auch auf Onlineplattformen wie dem Amazon-Marketplace tauchen immer wieder Fälschungen auf. Amazon verweist darauf, dass der Verkauf von gefälschten Produkten strengstens untersagt sei und mit hohem Arbeitsaufwand und finanziellen Mitteln dafür gesorgt werde, dass die Richtlinien zum Verkaufsverbot dieser Produkte eingehalten würden.

Ein Päckchen von Amazon auf einem Förderband (Foto: SWR)
Amazon erhält Provision - egal, ob Plagiat oder Original.

Dennoch wünscht sich Serhyi Jewtymonwxcz, dass Amazon hier aktiver wird. „Amazon ist ja nicht gerade der kleinste Betreiber, sondern weltweit der führende, dass der da eine gewisse Proaktivität an den Tag legt, um auch ein Zeichen zu setzen und zu sagen: Hier ist Amazon, wir wollen mit Fälschungen auf unserer Plattform nichts zu tun haben.“

Amazon verdient an Provisionen - auch bei Fälschungen

Amazon sperrt laut eigenen Angaben zwar immer wieder Plagiathändler, will aber dazu keine Zahlen veröffentlichen. Bei jedem Geschäft auf seiner Plattform kassiert Amazon eine Provision von 15 bis 20 Prozent, profitiert also – ob man will oder nicht – vom Handel mit Fälschungen.

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