Ein Mann telefoniert mit einem Smartphone. (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / Sebastian Kahnert/dpa)

Bundesnetzagentur warnt: Madagaskar statt Koblenz

Telefonfalle Ping-Anrufe

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Das Telefon klingelt: Eine unbekannte Nummer ruft an, immer nur ganz kurz. Wer dann zurückruft, hat schon verloren, denn die Rückrufe sind sündhaft teuer.

Telefonnummern kommen einem irgendwie bekannt vor

Bei den Anrufen handelt es sich oft um sogenannte Ping-Anrufe. Die Rückrufe können extrem teuer werden – bis zu drei Euro pro Minute. Denn die Anschlüsse, von denen die Anrufe ausgehen, liegen oft im Ausland, meistens in Afrika oder Südosteuropa. Auf dem Display kommen uns die Nummern zum Teil bekannt vor, weil sie auf den ersten Blick wie deutsche Vorwahlen aussehen. Die Länder-Vorwahl von Madagaskar lautet beispielsweise 00261 und kann leicht mit der Ortsnetzvorwahl von Koblenz 0261 verwechselt werden. Das Gleiche gilt für die Vorwahlen von Rostock 0381 und Dortmund 0231, die an die Vorwahlen von Serbien 00381 und Liberia 00231 erinnern.

Nummern aus Bosnien und Herzegowina stehen in der Liste verpasster Anrufe. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow)
Vorsicht vor Telefon-Abzocke aus dem Ausland! picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Kriminelle im Ausland machen sich diese Zahlen-Ähnlichkeit zunutze. Die Polizei vermutet, dass die Hintermänner dort mit den Telefonunternehmen vor Ort zum Teil sogar gemeinsame Sache machen. Nach dem Lockanruf antwortet beim Rückruf meist am anderen Ende der Leitung ein Computerprogramm.

An die deutschen Nummern gelangen die Kriminellen entweder durch Adresshändler, oder sie rufen nach dem Zufallsprinzip an.

Nicht zurückrufen oder unerwünschte Nummern sperren

Am allerwichtigsten: Die unbekannten Telefonnummern auf keinen Fall zurückrufen.

Man kann unerwünschte Rufnummern direkt in den Smartphone-Einstellungen blockieren. Dies gilt auch für bestimmte Rufnummernbereiche, z.B. (0)900.

Die Bundesnetzagentur geht seit einigen Jahren massiv gegen die Betrüger vor und hat eine ganze Reihe Nummern aus dem Ausland in Deutschland abgeschaltet. Für einige Auslandsvorwahlen hat die Bundesnetzagentur bereits zum zweiten Mal eine Preisansageverpflichtung bis März 2022 für Anrufe aus dem Mobilfunknetz angeordnet.

Nachdem die zunächst auf ein Jahr befristete Preisansageverpflichtung für auffällige Länder-Vorwahlen zum Ende 2018 ausgelaufen war, gingen im Januar 2019 etwa 14.000 Beschwerden nur zu Ping-Anrufen bei der Bundesnetzagentur ein. Deshalb gibt es seit Frühjahr 2019 zum zweiten Mal eine Preisansageverpflichtung für insgesamt 56 Staaten. Dies hat wieder zu einem Rückgang der Ping-Anrufe geführt. 2020 zählte die Behörde nur rund 6.500 Beschwerden. Für alle diese Schutzmaßnahmen ist die Behörde aber weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

Mann sitzt am Schreibtisch am Rechner. Das Foto ist von oben aus der Vogelperspektive aufgenommen worden. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / NurPhoto | Romy Arroyo Fernandez)
Die Bundesnetzagentur braucht die Rückmeldung von Verbrauchern. picture alliance / NurPhoto | Romy Arroyo Fernandez

Beschwerden weiterhin sehr wichtig

Die inzwischen wieder rückläufige Zahl der Ping/Lock-Anrufe führt die Bundesnetzagentur vor allem darauf zurück, dass sie dank der konkreten Angaben vieler Betroffener gezielt handeln konnte. Deshalb bittet die Behörde darum, dass Betroffene nach einem Betrugsversuch sobald wie möglich das Beschwerdefomular ausfüllen.

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