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Pandemie und Lockdown wirken sich auch auf das Flirtverhalten aus. Singles suchen mehr und intensivere Kommunikation auf Online-Dating-Plattformen. "Wisch und weg" macht aber auch unzufrieden.

Online-Dating-Plattformen werden während der Corona-Zeit intensiver genutzt, bestätigt eine Studie der Wirtschaftspsychologin Wera Aretz von der Hochschule Fresenius in Köln. Die Motive seien unterschiedlich: Die einen wollen flirten, die anderen suchen Bestätigung, wollen sich die Zeit vertreiben oder andere Menschen kennenlernen -  und selbstverständlich suchen viele auch die Liebe des Lebens. „Gerade der Lockdown hat die Menschen nachdenklicher gemacht, sie reflektieren mehr, sind weniger oberflächlich, besinnen sich mehr auf die wichtigen Dinge im Leben“, sagt die Professorin.

Intensivere Gespräche beim Flirten als vor der Pandemie

Ihre Studie belege, Qualität und Quantität der Kommunikation hätten sich verändert. Gerade das Online-Dating biete die Möglichkeit, unterschiedliche Kontakte zu knüpfen, mit unterschiedlichen Leuten zu kommunizieren. „Die Leute kommen auf Online-Dating-Plattformen schneller in Kontakt, sie antworten schneller, sind ein bisschen mutiger, investieren mehr Zeit und unterhalten sich über andere Themen.“ Statt Smalltalk widme man sich schneller intensiveren, emotionaleren Themen.  

Abstumpfung durch Wisch-und-weg-Apps

In der Kategorie des Social-Datings, so die Wissenschaftlerin, wisse man, „dass die Nutzer in einer enormen Geschwindigkeit durch die Profile rauschen, also durchschnittlich fünf Sekunden benötigen, um sich zu entscheiden“. Deswegen könne man sagen, diese Apps begünstigten „eine gewisse Oberflächlichkeit“, weil man wenig Profilinhalte hat und hauptsächlich das Foto entscheidend ist.

Tatsächlich gebe es einen „Choice-Overload-Effekt“, der besagt, je mehr Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen, desto schwieriger ist eine Entscheidung für eine Personen – „und desto unzufriedener sind wir auch mit der getroffenen Entscheidung“. Das könne tatsächlich zu Abstumpfungseffekten führen, die auch wissenschaftlich gut begründet seien.

Matching auf Online-Dating-Plattformen

  • Once

Eine von inzwischen unzähligen Dating-Apps ist Once. Mit ihr soll die Romantik zurückkehren - es gibt täglich nur einen Partner-Vorschlag, immer um 12 Uhr mittags.

  • Badoo

Die aktuell wohl größte Online-Dating-Plattform in Deutschland ist Badoo, gegründet von einem russisch-britischen Software-Freak. Badoo wirbt mit weltweit knapp 500 Millionen Nutzern. Beliebt vor allem bei jüngeren Menschen hat sich Badoo durch Mund-zu-Mund-Propaganda durchgesetzt, nicht durch TV-Werbespots wie andere Plattformen.

  • Parship

Parship, die Online-Partnervermittlung aus Hamburg, gibt es seit 20 Jahren und ist vor allem durch den Slogan bekannt "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship". Jährlich melden sich knapp zwei Millionen Singles an. Bei Parship wurden seit Einführung der Corona-Kontaktbeschränkungen Mitte März 2020 gut ein Viertel mehr Nachrichten als im Jahr zuvor verschickt.

  • Elitepartner

Genau wie Parship gehört auch Elitepartner zu ProSieben und Sat1. Hier wird vor allem mit kultivierten, niveauvollen Singles geworben. 70 Prozent der Premium-Mitglieder seien Akademiker, zum Beispiel Ärzte oder Ingenieure. Im Vergleich zu Parship ist Elitepartner etwas kleiner. Pro Jahr gibt es rund 360.000 Neuanmeldungen.

Wenn es beim Online-Dating schnell gehen soll: Lovoo, Tinder und Grindr

Wenn es schnell gehen soll, sind Lovoo und Tinder die Apps, die von Singles vermutlich am häufigsten genutzt werden. Hier werden nur Bilder und ein kurzer Steckbrief der Singles angezeigt. Auf dem Smartphone nach rechts wischen bei Interesse, nach links wischen, wenn es nicht passt. Bei einem sogenannten „Match“ kann man sich gegenseitig schreiben. Weltweit soll es bei Tinder im vergangenen Jahr rund 43 Milliarden Matches gegeben haben. Auch Grindr, eine Dating-App für homo- und bisexuelle Männer, ist beliebt.

Kennenlernen beim Sport, in der Region und über den Hund

Im Netz gibt es außerdem spezielle Partnerbörsen mit bestimmten Themen. Zum Beispiel Sportshout, hier treffen sich sportliche Singles oder die Plattform Spätzlesuche für Singles nur aus Baden-Württemberg.

Bei Dogorama verabreden sich Tierliebhaber zu gemeinsamen Treffen, bei denen sich die Hunde näherkommen können. Mittlerweile kommt Dogorama auf mehr als 100.000 Nutzer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei können sich nicht nur die Hunde näherkommen - mit Gassi-Dates verabreden sich die Hundebesitzer selbst.

Junge Frau mit Smartphone und Laptop auf dem Sofa: Weniger Smalltalk, mehr intensive Themen auf Online-Dating-Portalen in der Corona-Krise. (Foto: magnet.me/unsplash)
Weniger Smalltalk, mehr intensive Themen auf Online-Dating-Portalen in der Corona-Krise. magnet.me/unsplash

Verbraucherzentrale warnt vor den Tricks der Partnerbörsen

Bei Julia Gerhards von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz suchen viele Betroffene Rat, wenn sie sich von Dating-Portalen finanziell über den Tisch gezogen fühlen – etwa weil die Probe- oder Jahresmitgliedschaft gekündigt und eine übermäßige Rechnung gestellt wird. Inzwischen gibt es zu diesem Rechnungsproblem, das Juristen „Wertersatz“ nennen, ein höchstrichterliches Urteil des Europäischen Gerichtshofes. Danach darf nur die tatsächliche Zeit der Mitgliedschaft angerechnet werden. Julia Gerhards erwartet deshalb, dass die Anbieter künftig zwei getrennte Verträge abschließen wollen, um schneller ans Geld zu kommen. „Wer auf die Liebe per Mausklick setzt, sollte auch in Zukunft das Kleingedruckte in den Geschäftsbedingungen der Online-Partnerbörsen genau lesen.“

Auch bei kostenlosen Dating-Plattformen sei Vorsicht angebracht. „In dem Moment, in dem ich kein Geld bezahlen muss, bezahle ich vermutlich mit meinen Daten –  oder es steckt ein Betrugsmodell dahinter.“ Einige Anbieter geben in ihren Geschäftsbedingungen sogar offen zu, dass sie mit Fake-Profilen arbeiten, um mit den Kunden im Geschäft zu bleiben. Selbst Partnerbörsen-Testportale seien oft nur verkappte Werbung.

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