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Ferienwohnung: Wie Urlaubssuchende abgezockt werden

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Ferienwohnungen an Nord- und Ostsee bleiben auch im zweiten Corona-Sommer der Hit – für Reisende und Betrüger: Erschreckend einfach wird mit Fake-Anzeigen im Internet Geld ergaunert. Unsere Tipps schützen.

Reisewarnungen, Maskenpflicht und Abstandsregeln: Viele Deutsche möchten trotz Corona in den Urlaub fahren. Besonders begehrt sind Ziele in Deutschland, vorzugsweise am Meer und da gerne eine Ferienwohnung. Dementsprechend schwierig ist es, jetzt noch ein bezahlbares Domizil zu bekommen, denn viele Wohnungen sind ausgebucht, andere vergleichsweise teuer.

Das machen sich Betrüger zu Nutze, und bieten auf den großen Plattformen im Internet Ferienwohnungen an, die es entweder gar nicht gibt oder bei denen sie zumindest nicht befugt sind, sie zu vermieten. 

Strandkorb an der Küste von Ahrenshoop: Die Ostsee ist im Corona-Sommer ein beliebtes Reiseziel, das machen sich auch Betrüger zu nutze (Foto: SWR)
Ahrenshoop an der Ostsee ist im Corona-Sommer ein begehrtes Reiseziel

Wie einfach geht das? Wir probieren es aus und suchen uns dafür drei Portale aus: Airbnb.de, ferienhausmiete.de und FeWo24.de. Zur Bebilderung nehmen wir Fotos der Wohnung einer Kollegin, als Standort der Ferienimmobilie wählen wir Ahrenshoop aus, eine begehrte Lage an der Ostsee: Den Paetowweg gibt es dort wirklich, die Hausnummer 13 aber nicht. Erwarten würde unsere Gäste dort statt Unterkunft eine grüne Wiese.

Die Portale: Airbnb.de, ferienhausmiete.de und FeWo24.de

Nach einer schnell und einfachen kostenlosen Anmeldung beschreiben wir die Ferienwohnung, laden Fotos hoch und legen den Preis fest und machen es mit 76 Euro pro Nacht recht günstig für die Lage und die Hochsaison.

Der Anbieter Airbnb verlangt von uns nur die Angabe eines Namens, einer E-Mail-Adresse und einer Mobilfunknummer.

Weitere Anzeigen schalten wir bei ferienhausmiete.de und FeWo24.de. Die Registrierung läuft ähnlich ab, allerdings kosten die Inserate jeweils rund 100 Euro. Und: Bei beiden Portalen werden die Anzeigen nicht direkt veröffentlicht. Die Anbieter schreiben, sie wollen die Inserate erst noch prüfen. Das ist ja eigentlich gut  für die Gäste, doch funktioniert es auch?

Fewo24.de und ferienhausmiete.de: Wie genau wird geprüft?

Beim Portal Fewo24.de bekommen wir nach einem Tag per Mail mitgeteilt, dass das Portal die Anzeige nicht freischaltet. Es seien noch Fragen offen. Man möchte wissen, wo genau sich die Wohnung befindet, da sie die Hausnummer 13 in Ahrenshoop nicht finden können. Ferner werden wir gebeten auch Außenbilder zum Objekt einzustellen. Die Daten wurden also tatsächlich überprüft und eine Fake-Anzeige vereitelt.

Von ferienhausmiete.de erhalten wir nach eineinhalb Tagen die Rückmeldung, dass unsere Anzeige freigeschaltet wurde, trotz falscher Telefonnummer und der Adresse auf der grünen Wiese. Und kaum ist das Inserat online, füllt sich unser Postfach schnell. Insgesamt bekommen wir Anfragen mit einem Buchungswert von mehr als 10.000 Euro.

Und dazu kommt: Bei ferienhausmiete.de, die nur als Vermittler zwischen Mieter und Vermieter auftreten, überweist der Gast direkt an den Vermieter. Das macht es Betrügern leichter.

Wir schreiben den Gästen, dass sie Vorkasse leisten müssen, im Ernstfall wäre das Geld dann weg. Lassen sich die Urlauber darauf ein? Es scheint so, denn keiner scheint zu prüfen, was da wirklich in der Anzeige steht, keiner fragt nach der genauen Adresse, stattdessen bekommen wir Anfragen nach Parkplätzen und Ähnliches. Und tatsächlich lassen sich zwei Urlauber auf unser Angebot ein. An dieser Stelle stoppen wir unseren Versuch und klären die Betroffenen auf.

Nach zwei Tagen merkt auch ferienhausmiete.de, dass mit unserer Anzeige etwas nicht stimmt und nimmt uns offline. Das Unternehmen schreibt uns:

„Zusätzlich zu unserer Plausibilitätsprüfung vor Online-Schaltung führen unsere Mitarbeiter bei neuen Anzeigen nach Online-Schaltung eine erneute stichprobenartige Prüfung durch und gucken, wie auf Anfragen reagiert wurde. Im Zuge der erneuten Prüfung ist auch das von ihnen erstellte Fake-Inserat aufgefallen.“

Außerdem leiste Ferienhausmiete.de Ersatzzahlungen von bis zu 500 Euro pro Buchung, falls das Objekt nicht existiert.

Betrugsmasche: Bezahlung außerhalb der Plattform

Auf unsere Fake-Anzeige bei AirBnB melden sich innerhalb eines Tages schon knapp 20 Interessenten. Allerdings können wir die Wohnung bei AirBnb nicht gleichzeitig an mehrere Opfer vermieten. Außerdem zahlt der Gast an die Plattform und Airbnb leitet das Geld erst an den Vermieter weiter, wenn der Gast eincheckt. Ein Sicherheitsmechanismus, den Betrüger umschiffen müssen.

Deshalb machen wir unseren Interessenten das Angebot die Zahlung nicht über Airbnb, sondern direkt über unser Konto abzuwickeln. Als kleinen Anreiz versprechen wir einen Rabatt von 15 Prozent. Viele finden unser Angebot interessant, einigen ist es zu gefährlich, andere wiederum sagen zu. Und eine Interessentin gibt uns ihre Emailadresse und möchte eine Anzahlung leisten. Mit unserem Angebot 50 Prozent anzuzahlen und 50 Prozent vor Ort zu bezahlen ist sie einverstanden.

Die Frau hätte uns tatsächlich 304 Euro überwiesen. Soweit lassen wir es nicht kommen und klären sie auf. Wir hätten sie also reinlegen können, aber warum ist das so einfach möglich? Wir fragen nach, was Airbnb dagegen unternimmt. Schriftlich teilt uns das Unternehmen mit:

 “Wir tolerieren keine gefälschten oder irreführenden Inhalte auf der Airbnb-Plattform. Das angelegte Konto wurde von unseren Sicherheitssystemen innerhalb von 48 Stunden nach der Erstellung erkannt (...) und entfernt. Airbnb weist alle Nutzer darauf hin, ihre Zahlungen und ihre persönlichen Daten zu schützen, indem sie (...) auf der sicheren Airbnb-Plattform bleiben.“ 

Gut zu wissen: Bleibt der Gast innerhalb des Airbnb-Systems, hat er bei Problemen wie einer nicht existenten Ferienwohnung auch einen Anspruch auf Rückerstattung oder Ersatzleistung.

Betrugsmasche: Missbrauch eines fremden Kontos

Aber wie schaffen es Betrüger eigentlich, sich Geld überweisen zu lassen, ohne für die Polizei auffindbar zu sein? Dafür werden beispielsweise Konten mit gestohlenen Identitäten eröffnet , die beispielsweise im Darknet gehandelt oder aus im Altpapier gefundenen Daten erstellt werden.   

So schützen Sie sich vor Fake-Angeboten

Stimmen Anbieter und Kontoinhaber namentlich überein? Wieso habe ich einen „jungen Mann“ am Telefon, das Konto läuft aber auf einen weiblichen und eher altertümlichen Namen? Genau auf solche Details sollten Sie achten und lieber einmal mehr nachhaken, wenn Sie eine Ferienwohnung buchen. Welche Fallstricke es sonst noch gibt, wie man sie erkennt und nicht in die Falle tappt erfahren Sie unter:

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