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Olivenöl wird seit Jahrtausenden genutzt, schon die alten Griechen schätzten das „flüssige Gold“. So teuer, wie es der damalige Name suggeriert, ist das Öl aber bei weitem nicht – im Gegenteil.

Discounter bieten den halben Liter für zwei bis drei Euro an. Kann das günstige Öl mit teuren Markenprodukten mithalten?

Olivenöl sticht vor allem durch die leuchtend grüne Farbe und den speziellen bitteren, leicht scharfen Geschmack hervor. Im Gegensatz zu anderen Speiseölen ist der Eigengeschmack ein Qualitätsmerkmal und wird geschätzt. Neben dem kulinarischen Genuss bietet Olivenöl aber auch eine ganze Reihe an gesundheitlichen Vorteilen. Es hat einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken und dadurch sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können.

In unserer Stichprobe haben wir acht Olivenöle verschiedener Preiskategorien untersucht. Neben einer Inhaltsstoff-Analyse im Labor, haben wir als Geschmacksexperten Familie und Freunde von Pizza-Bäcker Leonardo Russo zu Rate gezogen.

Die getesteten Öle

  • Ein teures Markenöl von Solivellas für rund 14 Euro
  • Drei Markenöle aus dem Supermarkt: von Bertolli, La Espanola und Filippo Berio - alle kosten knapp 5 Euro für einen halben Liter
  • Vier kostengünstige Eigenmarken: Olivenöl von Aldi Süd, Lidl, Edeka und Rewe - alle für rund 2,40 Euro
Acht Flaschen Olivenöl stehen aufgereit auf einem Küchentresen. (Foto: SWR)
Unsere Stichprobe besteht aus einer Mischung aus günstigen Discounter-Ölen und teuren Markenprodukten.

Alle acht Öle gehören zu der höchsten Güteklasse: extra nativ. Die Kriterien für diese Einordnung sind vorgegeben. Das Öl muss kalt gepresst sein, das bedeutet, dass es während des gesamten Produktionsvorgangs nicht über 27 Grad erhitzt wird. Außerdem darf es keine chemischen Zusatzstoffe enthalten und muss geschmacklich vollkommen sein. Der Anteil freier Fettsäuren darf 0,8 Gramm pro 100 Gramm Öl nicht übersteigen. In der Praxis kommt es jedoch vor, dass Hersteller verschiedene Öle miteinander mischen, bis der Grenzwert erreicht ist, weshalb die Aussagekraft des Wertes in Frage gestellt wird.

Im Labor überzeugt keines der Öle

Um das Fettsäureprofil unserer Öle genauer unter die Lupe zu nehmen, lassen wir sie von Lebensmittelchemiker und Olivenölexperte Christian Gertz untersuchen. Er erklärt, dass für gute Qualität vor allem die schnelle Verarbeitung eine wichtige Rolle spielt. Sei die Zeit zwischen Ernte und Pressvorgang zu lange, schmecke man das.

Mehrere Flaschen Olivenöl stehen in einem Labor. (Foto: SWR)

Was die Zusammensetzung der Olivenöle betrifft, ist unter anderem das Fettsäureprofil entscheidend. Ein wichtiges Merkmal guten Öls ist dabei der Diglycerid-Anteil. Dieser natürliche Fettbestandteil gibt Hinweise darauf, wie gut die Lagerung und Verarbeitung der Oliven war. In unserem Check kann hier keines der acht Öle überzeugen. Besonders negativ fällt das teuerste Produkt auf, das Öl von Solivellas. Es hat mit Abstand den niedrigsten Diglycerid-Gehalt. Laut Christian Gertz weist das auf eine lange Lagerung der Frucht und eine schlechte Verarbeitung hin. Außerdem überschreitet das teure Öl einen EU-Grenzwert, der angibt, wie stark das Olivenöl oxidiert ist.

Lebensmittelchemiker Christian Gertz untersucht im Labor Proben. (Foto: SWR)
Olivenölexperte Christian Gertz untersucht unsere Stichprobe ausführlich.

Mängel bei Geruch und Geschmack: nicht „Extra nativ“

Christian Gertz untersucht die Öle außerdem auf Geruchs- und Geschmacksverfälschungen. Ihm fällt bei dem Rewe-Produkt ein beißender, stechender Geschmack auf. Auch bei einer Charge der Olivenöle von Filippo Berio und Solivellas bemerkt er ähnliche sensorische Fehler: „So seifig, ranzig - also auch wieder ein Öl, das durch Licht oder zu lange Lagerung oxidativ stark verändert worden ist.“ Deshalb dürfe es eigentlich nicht mit dem Hinweis auf die höchste Güteklasse „extra nativ“ verkauft werden, so der Experte. Laut der EU-Olivenöl-Verordnung sind in dieser Qualitätsstufe keinerlei Geschmacks- oder Geruchsverfälschungen erlaubt. In einer zweiten Charge der Produkte von Filippo Berio und Solivellas sind die Fehler jedoch nicht vorhanden.

Überprüfung auf Schadstoffe: Rückstände von Mineralöl?

In einem weiteren Labor lassen wir die Öle auf Schadstoffe untersuchen. Vor allem Mineralölrückstände finden sich immer wieder in Olivenöl. Hier unterscheidet man zwischen den chemischen Verbindungen MOAH und MOSH. Sie sind gesundheitsschädigend und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Hier ist ein Großteil der getesteten Öle unauffällig. Nur in den Produkten von Filippo Berio und Solivellas wird ein erhöhter MOSH-Wert festgestellt. Er liegt jedoch noch knapp unter dem Orientierungswert, einen festgeschriebenen Grenzwert gibt es nicht.

Welches Öl ist der Geschmackssieger?

Nachdem die Inhaltsstoffe untersucht wurden, geht es um den Geschmack. Unsere Jury besteht aus dem Pizza-Bäcker Leonardo Russo, seiner Mutter Vincenza und zwei guten Freunden. Worauf kommt es denn überhaupt an? „Ein gutes Olivenöl muss nach Olive schmecken, es darf leicht scharf sein, muss einen angenehmen Geruch haben, muss fruchtig sein und es darf natürlich nicht zu sehr beißen“, erklärt Leonardo Russo. Unsere acht Olivenöle werden jetzt verkostet – selbstverständlich ohne dass die Jury über die Marken Bescheid weiß. Sie probieren das Öl sowohl pur als auch mit Ciabatta.

Das Aldi-Süd-Öl überzeugt mit seinem Geruch. „Ganz angenehm, nicht so penetrant, wirklich eine angenehme olivige Note“, heißt es von den Testern. Und auch geschmacklich scheint es zu überzeugen: „Mir hat es sehr gut geschmeckt.“

Das Bertolli-Öl schneidet hingegen schlechter ab. „Also im Vergleich zum ersten Olivenöl war der Geruch wesentlich weniger vorhanden, es hat quasi nach nichts gerochen und im Geschmack war´s genauso.“ Und: „Na ja, die Olive schmeckt man nicht wirklich raus, es ist einfach nur bitter.“ Die kritischen Stimmen sind sich einig.

Richtig überzeugt sind die Tester auch von den Ölen von Edeka, La Espanola und Lidl nicht. Bei dem Edeka-Produkt bemängeln sie den zu wenig intensiven Geschmack, die anderen beiden Produkte haben einen stechenden Abgang.

Die Olivenöle von Filippo Berio und Rewe werden von der Jury gelobt und als aromatisch und kräftig beschrieben.

Fehlt noch das teure Markenprodukt von Solivellas. Hier scheint der Geschmack besonders zu überzeugen. Den Testern fällt eine angenehm süße Note auf. „Wirklich rund, ausgewogen, da passen alle Komponenten zusammen“, so das Urteil.

Unser Fazit:

Im Geschmackstest kann das teure Solivellas-Öl überzeugen. Die Laborergebnisse sprechen jedoch eine andere Sprache. Es weist in einer Charge Rückstände von Mineralölen und sensorische Fehler auf. Ähnlich sieht es bei dem Öl von Filippo Berio aus.

Eine Grafik zeigt die negativen Ergebnisse der Untersuchung. (Foto: SWR)
Leider erhielten vier der acht Produkte keine gute Bewertung.

Von den Laborwerten her schneidet das Olivenöl von Bertolli besser ab, die Tester haben aber den bitteren Geschmack angemerkt und es bei der Verkostung auf den letzten Platz gewählt.

Die Produkte der Eigenmarken zeigen sich trotz ähnlichem Preis von unterschiedlicher Seite. Das Rewe-Öl ist durch sensorische Fehler Schlusslicht unserer Stichprobe. Die Olivenöle von Lidl und Edeka landen im Mittelfeld. Auch das Marken-Öl von La Espanola ist hier anzusiedeln.

Eine Grafik zeigt die positiven und neitralen Ergebnisse unserer Untersuchung. (Foto: SWR)
Nur das Olivenöl von Aldi konnte überzeugen.

Testsieger ist das günstige Olivenöl von Aldi. Die Laborergebnisse sind unproblematisch und der Geschmack solide.

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