Ökotest: Fast alle mit Mineralöl belastet. Flaschen mit Olivenölen ohne Etikette. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Asoliva | ---)

Mangelhaft bei Öko-Test - gut bei Stiftung Warentest

Olivenöl im Test: Mineralöl-Spuren werden unterschiedlich bewertet

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Bei einem Check von Öko-Test bekamen einige Olivenöle sehr schlechte Noten. Bei der Stiftung Warentest schnitten die gleichen Marken dagegen deutlich besser ab. Wie kann das sein?

Fast jedes Olivenöl im Test war mit Mineralöl verunreinigt: Zu diesem vernichtenden Urteil kommen die Tester der Zeitschrift Öko-Test in ihrer Mai-Ausgabe. Ausgerechnet jetzt, in Zeiten, in denen Olivenöl noch beliebter wird, weil Raps- oder Sonnenblumenöl teilweise nicht - oder nur zu horrenden Preisen - zu bekommen sind.

Nur ein Öl ohne Spuren von Mineralöl

Getestet wurden 19 Öle der höchsten Güteklasse "nativ extra" zu Preisen zwischen fünf und 24 Euro pro Liter. Nur ein Öl bekam die Note "sehr gut": das "Rapunzel Kreta Olivenöl Nativ Extra". Es kostet 22 Euro je Liter und ist das Einzige im Test, bei dem im Labor keine Spuren von Mineralöl nachgewiesen wurden. Zwei weitere Olivenöle bekamen die Note "befriedigend". Die Mehrheit wurde mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewertet.

MOAH-Anteil führt zu Herabstufung

In den Augen der Öko-Tester besonders problematisch: Die Verunreinigungen durch sogenannte MOAH - aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe - in den Ölen. Denn MOAH stehen im Verdacht, potenziell krebserregend und erbgutverändernd zu sein. Alle Öle, in denen die Testerinnen und Tester von Öko-Test MOAH nachgewiesen haben, wurden daher herabgestuft, auch wenn es sich nur um geringe Mengen handelte.

Stiftung Warentest testete ebenfalls Öle der höchsten Güteklasse

Im Olivenöl-Test der Stiftung Warentest, der im vergangenen November erschienen ist, wogen die MOAH im Endergebnis hingegen weniger schwer. Die Warentester bewerteten sehr geringe MOAH-Konzentrationen als nicht so relevant. Denn es gebe geringe MOAH-Anteile in vielen Nahrungsmitteln - besonders in fetthaltigen Lebensmitteln, die in Plastik verpackt sind. In Wurst, die in Kunststoff eingeschweißt ist, werden beispielsweise auch immer wieder MOAHs nachgewiesen.

15 mal "gut" und nur zwei "mangelhaft"

Die Stiftung Warentest hat das Ergebnis ihres Olivenöl-Tests auch mit den Vorjahren verglichen. Die Bilanz der Warentester: "Häufig verkaufte Olivenöle sind in den vergangenen Jahren insgesamt besser geworden. 15 guten Qualitätsurteilen stehen diesmal nur zwei mangelhafte gegenüber. 2017 hatte kein einziges Olivenöl gut abgeschnitten, zehn fielen durch. Beim Jahrgang 2020 waren neun Öle gut und zwei mangelhaft."

Was schmeckt qualitativ hochwertig?

Ein weiterer Grund, warum die Öle im Test der Zeitschrift Öko-Test so schlecht bewertet werden, ist der geschmackliche Qualitätsanspruch der Testerinnen und Tester an die Güteklasse "nativ extra" der Olivenöle. Profi-Tester können Geschmacks-Noten als gut bewerten, die ein "normaler" Olivenöl-Liebhaber als viel zu bitter oder scharf empfindet. Auch in dieser Kategorie kam die Stiftung Warentest zu einem anderen Ergebnis als Öko-Test und beurteilte die meisten "nativ extra"-Öle geschmacklich mit der Note gut.

Was können andere Hersteller vom Testsieger lernen?

Der Öko-Test-Sieger, das Rapunzel Kreta Olivenöl, enthielt als einziges Produkt keine Mineralöl-Spuren. Es gehört mit 22 Euro pro Liter zu den teuren Ölen. Ein Preis, der auch dafür spricht, dass beispielsweise während der Ernte viel Aufwand betrieben wird, um mögliche Verunreinigungen des Olivenöls durch Mineralöl zu vermeiden. Denn selbst wenn hier nur kleinste Mengen an Ästen oder Früchten hängenbleiben und so im Olivenöl landen, lassen diese sich inzwischen im Labor nachweisen.

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