Schutz vor Wind und Wetter 

Welche Funktionskleidung ist am besten?

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AUTOR/IN
Simone Mandt
Alexa Schulz
ONLINEFASSUNG
Sabrina Reichert

Funktionskleidung für Sport und Extremwetter besteht meist aus synthetischen Stoffen. Ist das umweltschädlich und gibt es Alternativen zu solchen Materialien?

Chemiefasern, Mikroplastik & Co. 

Funktionskleidung aus synthetischen Stoffen kann beim Sport oder bei schlechtem Wetter praktisch sein. Das Material ist jedoch oft nicht umweltfreundlich: Etwa 90 Prozent der Funktionskleidung bestehen aus Chemiefasern.  

Bei der Produktion und Entsorgung von Modeartikeln entstehen jährlich 92 Millionen Tonnen Müll. Zusätzlich wird beim Waschen von synthetischen Stoffen Mikroplastik abgegeben. Schätzungen zufolge schwimmen in den Ozeanen 1,4 Billionen Mikrofasern. Mit einem Anteil von 35 Prozent ist das Mikroplastik vom Kleider waschen hauptverantwortlich für die Fasern im Meer. 

1. Problem: Recyclingschwierigkeiten bei Kunstfasern 

Reiner Polyester kann durch Faser-zu-Faser-Recycling wieder aufbereitet werden. Faser-zu-Faser-Recycling bedeutet, der Stoff wird in seine einzelnen Fasern getrennt. Oft werden Kleidungsstücke aber nicht nur aus Polyester hergestellt, sondern sie bestehen aus mehreren Materialien zusammen. Um Mischgewebe zu recyceln, müssten Fasern voneinander getrennt werden. Dies funktioniert aber oftmals nicht. Stand heute kann aus Mischfaser-Produkten lediglich eine der Fasern qualitativ hochwertig herausgelöst und recycelt werden.  

Übrigens: Werden Faser-Recycling und vorausgehende oder nachfolgende Prozesse nachhaltig durchgeführt, kann der Einsatz von Kunstfaser weniger schlimm sein als angenommen. Das ist zum Beispiel möglich durch die Wiederverwendung von gereinigtem Prozesswasser oder das Nutzen der Abwärme mit gekoppelter Erzeugung von Strom und Wärme. 

2. Problem: Viel Mikroplastik in Fleece 

Laut Brigitte Zietlow vom Umweltbundesamt wäscht sich Mikroplastik aufgrund der Textilstruktur besonders leicht aus Fleece-Teilen aus. Deshalb sei es wünschenswert und wichtiger erster Schritt, dass nur Kunstfaser-Textilien auf den Markt kommen, die bei Produzenten vorgewaschen werden, da diese deutlich bessere Mikroplastik-Filter haben als private Haushalte. 

 
3. Problem: Wasserabweisender Schadstoff PFC  

Wenn Outdoor-Kleidung wasserabweisend sein soll, kommen häufig per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) zum Einsatz. PFC wird auch unter dem Namen Teflon gehandelt und wirkt fett-, schmutz- und wasserabweisend. Diese Chemikalien können jedoch für die Umwelt und den Menschen problematisch sein, denn PFC ist persistent. Das bedeutet, es ist nicht abbaubar, wenn es in die Umwelt gelangt.  

Wenn PFC in die Natur gelangt, kann es sich im Wasser und im Boden anreichern und wird von Pflanzen und Tieren aufgenommen. PFC wurde beispielsweise schon in der Leber von Eisbären nachgewiesen. Über die Nahrungskette gelangen diese Stoffe dann ebenso in den menschlichen Körper. Auch in der Atemluft ist PFC nachweisbar.  

Laut Greenpeace-Pharmazeutin Viola Wohlgemuth können viele PFC-Verbindungen krebserregende Vorstufen bewirken. Außerdem können sie zum Beispiel zu Nervenschädigung führen oder auch das Hormonsystem beeinträchtigen. Allerdings: Gesetze gegen Verwendung von PFC in Kleidung gibt es keine.

Um zu erkennen, ob PFC in der Kleidung verwendet wird oder ob sie frei davon ist, können Label helfen. Hier hilft das “PFC-Frei”- oder das “100% PFC FREE”-Label.  

4. Problem: Hoher Erdölbedarf bei Kunstfasern 

Für die Herstellung von Kunstfasern wird sowohl als Rohstoff, aber auch in der Produktion, der nicht nachwachsende Rohstoff Erdöl verwendet. Dieser Erdölbedarf ist laut dem Umweltbundesamt jährlich so groß, wie für die vier Länder Tschechien, Ungarn, Rumänien und Portugal zusammen. 

1. Kunststoff-Alternative: Wolle 

Als Alternative zu Kleidung aus synthetischen Stoffen gibt es beispielsweise Wolle. Für die Kleidung wird meist Schurwolle genutzt. Die einzelnen Wollfäden werden per Maschine zu einem Stoff gestrickt. Anschließend kommt der Stoff zum Walken bzw. Filzen. Dadurch verdichtet das Material und es wird fester.  

Häufig wird Wolle von Schafen aus Ländern wie Südamerika oder Australien verwendet. Die Wolle der Tiere dort ist besonders fein wohingegen Wolle von deutschen Schafen gröber ist sich daher weniger gut eignet.  

Vorteile von Wolle bei Funktionsjacken 

Laut Berater für Funktionskleidung, Daniel Wrede, ist das Trageklima von Wolljacken oft angenehmer, da Wolle mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als Kunstfaser. Außerdem soll das Material langsamer altern. Wird die Wolle ohne Seife gewalkt, können Wasser und Energie gespart werden, da das Wasser mehrmals verwendet werden kann.  

Übrigens: Wolle muss auch nicht imprägniert werden, da sie viel Fett enthält. Die Struktur, die durch das Walken entsteht, perlen Wassertropfen auf der Oberschicht einfach ab. Weiterer Vorteil: Der Verschnitt der Wolle kann komplett recycelt werden. 

Ein Schaf steht primär in der linken Bildhälfte auf einer Wiese. Wolle für Funktionskleidung. (Foto: Unsplash/ Jai Hill)
Schafswolle isoliert und hält Wind und Regen ab. Unsplash/ Jai Hill

Nachteil ist Methanausstoß der Schafe 

Ein Problem bei Wolle ist, dass Schafe, genau wie Kühe, durch die Methanausstöße eine hohe Treibhausgasemissionen verursachen. Aktuell wird nur für etwa ein Prozent der Weltfaserproduktion Wolle eingesetzt. Würde man komplett auf Wolle umsteigen, müssten extrem viel mehr Schafe gehalten werden, die viel mehr Treibhausgas verursachen. 

2. Kunststoff-Alternative: Lyocell oder Tencel 

Bei Lyocell oder Tencel handelt es sich um eine Zellulosefaser, die auf Basis des natürlichen Rohstoffes Holz künstlich hergestellt wird. Das Holz wird bei der Verarbeitung so chemisch verändert, dass es zu einem robusten Garn gesponnen werden kann.

Die Produktionszyklen sind nachhaltiger als bei klassischen Materialien. Im Gegensatz zu Polyester wird kein Erdöl eingesetzt. 

Siegel für Funktionskleidung 

Sowohl für Naturfasern als auch für Kunstfasern gibt es verschiedene Siegel, auf die geachtet werden kann:  

  • “GOTS” hat mit die strengsten Vorgaben beim Verbot von Chemikalien in Kleidung.  
  • Bei Klamotten, in denen auch Kunstfasern verarbeitet sind, ist das “Bluesign”-Siegel hilfreich. Das findet man auf Produkten, die zu 90 Prozent in zertifizierten Fabriken verarbeitet wurden.  
  • Bei “Fair Wear” und ebenfalls “GOTS” wird zusätzlich auch auf soziale Standards geachtet. 

Fazit 

Synthetik-Fasern eignen sich vor allem, wenn man viel bei Nässe, Wind und Wetter unterwegs ist. Werden sie gut gepflegt, halten sie auch sehr lange. Materialien wie Wolle oder Lyocell haben Vorteile für die Umwelt, können aber oft nicht ganz so vielseitig eingesetzt werden. Funktionalität und Nachhaltigkeit gehen also nicht ganz so einfach zusammen.  

Bei Wolle sollte vor allem darauf geachtet werden, wie sie produziert wurde und ob das Tierwohl beachtet wird. Bei synthetischen Stoffen hingegen sollte darauf geachtet werden, dass es frei von PFC ist. Und statt die Jacke neu zu kaufen, lässt sich die alte vielleicht auch wieder aufbereiten. 

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