Eine Auswahl an Bieren steht aufgereheit auf einem Tisch. (Foto: Colourbox)

Nachhaltiges Bier

Mikroplastik, Malz, Mehrweg - so wird Bier nachhaltig

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Regenwald-Schutz mit jedem Kasten, nachhaltiges Bier ohne Mikroplastik oder handwerklich gebrautes Craft Beer. Immer mehr Hersteller versprechen klimafreundliches Bier. Was steckt dahinter?

Gär- und Malzprozess verursachen die meisten Emissionen

Etwa 70 Millionen Hektoliter Bier setzt die Bierbranche jährlich in Deutschland ab - ein Großteil dieser Menge stammt aus den großen Brauereien Deutschlands, die jeweils über 250.000 Hektoliter jährlich produzieren. Das Problem: Bierbrauen ist durch die vielen Arbeitsschritte sehr energieintensiv. So emittieren Großbrauereien im Jahr meist mehrere zehntausend Tonnen CO2. Vor allem der erste Schritt, das Mälzen, ist energieaufwendig. Hierbei wird in vielen Arbeitsschritten Malz aus Getreide wie zum Beispiel Braugerste hergestellt. Dazu wird das Korn unter Wasser gesetzt, wodurch die Gerste zu keimen beginnt und Enzyme freigesetzt werden. Anschließend muss das hinzugegebene Wasser dem Korn wieder entzogen werden, das Korn wird getrocknet und das entstandene Malz geschrotet. Aber auch die Kohlensäure, die während des Gärprozesses entsteht, hat negative Umweltauswirkungen und treibt die Emissionen in die Höhe.

Alternative Craft Beer

Alternativ zum Industriebier greifen immer mehr Deutsche zu handwerklich gebrautem Craft Beer aus Haus- und Kleinbrauereien. Im Gegensatz zu vielen Großbrauereien, die Bier, basierend auf dem deutschen Reinheitsgebot von 1516, herstellen, sind Craft Beer-Brauer in der Regel deutlich experimentierfreudiger und verfolgen oft nicht nur geschmacklich eine neue Richtung, sondern versuchen durch veränderte Produktionsschritte zum Teil auch, die Bierherstellung nachhaltiger zu gestalten. Anstatt das Bier wie üblich nur aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe zu brauen, kommen beispielsweise Zutaten wie Äpfel, Kirschen oder Brot hinein. Dadurch können Teile des energiehungrigen Malzes ersetzt und Abfälle vermieden werden. Auch bei solchen Craft Bieren wird während des Gärprozesses allerdings Kohlensäure freigesetzt und Malz wird ebenfalls benötigt - wenn auch in etwas geringeren Mengen.

Überraschendes Ergebnis der Energiebilanz: Die großen Brauereien schneiden meistens trotzdem besser ab als Mikro-Brauereien. Das hat vor allem damit zu tun, dass Großbrauereien im Schnitt das 250-fache Produktionsvolumen von Kleinbrauereien haben und so deutlich effizienter produzieren können. Handwerklich gebraut heißt also nicht automatisch nachhaltiger.

Ökochecker-Host Katharina Röben trinkt ein Bier an einer Bar. (Foto: SWR)
Ökochecker-Host Katharina Röben (li.) bei einer Bierverkostung mit Diplom-Biersommelier Sascha Euler (mi.) und Agrarökonom Thore Toews (re.)

Kühlkette auschlaggebend

Ein wichtiger Faktor in der Energiebilanz ist auch: Viele Mikrobrauereien verkaufen ausschließlich nach dem Frischbierkonzept hergestelltes Bier. Das heißt, dass das Bier ungefiltert aus den Fässern in die Flaschen abgefüllt wird und in einer geschlossenen Kühlkette im Handel ankommt. So soll die Qualität des Biers erhalten und einem möglichen Geschmacksverlust durch die Zugabe von Konservierungs- und Hilfsstoffen vorgebeugt werden.

Ein möglicher Hilfsstoff: Polyvinylpolypyrrolidon, kurz PVPP. Ein Kunststoffgranulat, das von vielen Großbrauereien eingesetzt wird, um Bier klarer und haltbarer zu machen. Dadurch ist Bier unter anderem auch ungekühlt länger haltbar. Umstritten ist, ob durch das Kunststoffgranulat schädliche Mikroplastikrückstände im Getränk erhalten bleiben. Laut Deutschem Brauer Bund wird der Kunststoff nach dem Filtern wieder zuverlässig entfernt. Deswegen muss er auch auf der Flasche nicht angegeben werden. Bei der Herstellung von trübem Bier und Bier, das nach dem Frischbierkonzept gebraut wurde, kommt PVPP nicht zum Einsatz.

Andererseits ist gerade die mit dem Frischbierkonzept verbundene Dauerkühlung von der Brauerei in den Einzelhandel sehr energieaufwendig und führt zu hohen Emissionen - allein 18 Prozent des CO2-Fußabdrucks einer Flasche Craft Beer, die dauerhaft gekühlt werden muss, entstammen der Kühlung.

Brauereispezifische Flaschen vermeiden

Eine weitere große Rolle bei der Nachhaltigkeit eines Bieres spielt die Verpackung, denn die Behältnisse legen vom Hersteller bis in den Kühlschrank bei uns Zuhause meist weite Strecken zurück. Je nach Gebinde sind etwa 19 bis 46 Prozent des CO2-Ausstoßes auf die Verpackung zurückzuführen. Außer Haus, also im Restaurant oder der Kneipe, ist frischgezapftes Bier am nachhaltigsten. Dieses wird in 50- oder 100-Liter-Fässern versandt, belastet die Umwelt also nicht durch zusätzliche Verpackungen.

Zuhause greift man bestenfalls zu Mehrweg-Glasflaschen im Mehrwegkasten. Diese können nach dem Trinken in jedem Supermarkt gegen einen kleinen Pfandbetrag eingetauscht und so wieder in das System gebracht und neu befüllt werden. Wichtig ist es hierbei, darauf zu achten, standardisierte, neutrale Flaschen und Kästen zu kaufen. Solche mit eingeprägtem Brauereilogo sollten vermieden werden, da diese zu den entsprechenden Brauereien zurückgeführt werden müssen. Das verursacht durch die entstehenden Transportwege zusätzliche, vermeidbare Emissionen.

Ein traditionell gekleideter mann trägt einen Kasten Paulaner Weißbier. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Am nachhaltigsten ist es Pfandkästen zu Fuß oder mit dem Fahrrad abzugeben. Picture Alliance

Bier in Dosen hat einen Vor- und einen Nachteil: Dagegen spricht, dass das Aluminium der Dosen energieaufwendig abgebaut und verarbeitet werden muss. Dafür spricht: Die Verpackung ist sehr leicht. Das ist vor allem bei Bier aus dem nicht-europäischen Ausland ein Vorteil für die Klimabilanz. Denn das geringere Gewicht im Transport sorgt für weniger Emissionen als es mit Glasflaschen der Fall wäre.

Zertifikate überprüfen

Auch Siegel und Zertifizierungen wie das Label “klimaneutral” können Auskunft über die Nachhaltigkeit eines Bieres geben. Solche Zertifizierungen haben in der Regel allerdings nicht direkt etwas mit dem ökologischen Anbau der Inhaltsstoffe oder einer besonders nachhaltigen Verpackung zu tun.

Die meisten Hersteller kaufen stattdessen CO2-Zertifikate, mit denen Klimaschutzprojekte unterstützt werden. Das Ziel: Der beim Brauprozess erzeugte CO2-Ausstoß soll - zum Beispiel durch das Pflanzen von Bäumen - kompensiert werden. Problematisch ist hierbei jedoch, dass der Handel mit den Zertifikaten oft intransparent ist und viele Hersteller keine konkrete Auskunft über die unterstützen Projekte geben. Daher sollten angegebene Zertifizierungen vor dem Kauf am besten überprüft werden.

Bio = besser?

Einen wachsenden Anteil im Bier-Sortiment macht Bio-Bier aus. Hierbei wird mit Getreide aus ökologischem Anbau gebraut. Das wirkt sich positiv auf den Naturschutz aus. Außerdem sind Hilfsstoffe wie das Kunststoffgranulat PVPP im Bio-Bier verboten. Rein auf die Klimabilanz bezogen ist Bio-Bier allerdings nicht unbedingt nachhaltiger als herkömmliches Bier. Dies hängt vor allem mit den geringeren Erträgen im Bio-Landbau zusammen.

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