Hauptsächlich goldfarbener Schmuck liegt vor einem schwarem Hintergrund. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nachhaltiger Goldschmuck

Fairer Schmuck - worauf kann man achten?

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Hanna Meßmann
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Leon Kerner

Ob Ringe, Ketten oder Armbänder - meistens wird Schmuck aus Edelmetallen wie Gold oder Silber hergestellt. Doch auch Messing wird immer beliebter. Welches Material ist am besten? Wie sinnvoll ist fairer und recycelter Schmuck? Und worauf kann man beim Kauf achten?

So kann Gold gewonnen werden

Das beliebteste Metall für Schmuck ist Gold. 2019 wurden weltweit ca. 3.300 Tonnen Gold gefördert – verglichen mit anderen Metallen eine geringe Menge. Grund hierfür ist jedoch nicht eine fehlende Nachfrage, sondern viel mehr der Fakt, dass eine Tonne Erdmasse meist nur wenige Gramm Gold enthält.

Man unterscheidet zwischen Seifen- und Berggold. Als Berggold werden Goldvorkommen im Erdinneren verstanden - sogenannte primäre Goldlagerstätten. Seifengold ist im Laufe von Jahrhunderten durch Witterung, Erosion und Strömungsprozesse an die Erdoberfläche gelangt und nun zum Beispiel in Flüssen wiederzufinden, wo es sich abgelagert hat. In der Schmuck-Herstellung spielt Seifengold allerdings kaum eine Rolle, weil das Vorkommen nur gering ist.

Goldabbau kann toxische Dämpfe verursachen

Das meiste Gold - das Berggold - wird in großen Minen industriell gewonnen. Das Problem: Der Goldabbau ist sehr energieaufwändig und oft mit erheblichen Umwelt- und Gesundheitsrisiken verbunden. Denn, um das Gold, das sich in den Minen befindet, extrahieren zu können, sind hoch toxische Chemikalien wie Cyanide notwendig. Dieser Abbau findet mit Hilfe großer Maschinen statt.

Arbeiter aus Südafrika steht in einer Goldmine vor Schuttresten. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Suche nach Gold verursacht immense Mengen Schuttreste. Picture Alliance

Kinderarbeit immer noch häufig

Etwa zehn Prozent des weltweiten Goldes, wird im artisanalen, also handwerklichen Kleinstbergbau gefördert - meist in Afrika und Südamerika, etwa in Peru, Brasilien, Mali, Burkina Faso und im Kongo. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind dabei oft noch deutlich gravierender als im industriellen Bergbau: Durchschnittlich wird während des Prozesses das Zehnfache an Quecksilber-Emissionen freigesetzt und beispielsweise in Brasilien wurden bereits große Teile des Regenwaldes brachgelegt, um Gold zu fördern. Und auch die Arbeitsbedingungen sind oft ein Problem im Kleinstbergbau: Während in industriellen (Groß-)Minen in China, Australien und der USA strenge Gesetze und Kontrollen für Arbeitsschutz und Umweltmanagement beachten werden müssen, herrschen im Artisanal-Bergbau oft niedrigere Standards. Es gibt kaum arbeitsrechtliche Vorschriften und die Arbeitenden sind meist ungeschützt den Quecksilberdämpfen ausgesetzt.

Außerdem ist Kinderarbeit eine in der Branche noch weit verbreitete Praxis, da Heranwachsende aufgrund ihrer Körpergröße deutlich einfacher in die schmalen Schächte im Erdinneren kriechen können.

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Man kann auch beim (Gold-)Schmuckkauf auf Nachhaltigkeit achten!

Siegel garantieren gewisse Standards

Einerseits lohnt es sich, auf Siegel zu achten, die soziale Arbeitsbedingungen garantieren. Dazu gehören die Siegel “Fairtrade”, “Fairmined” oder auch das Label “Responsible Jewellery Council”. Der Knackpunkt: Durch die Siegel gelten in den Minen - vor allem im Kleinstbergbau - zwar gewisse Standards für die Arbeiter, doch auch im fairen Goldabbau können potenziell giftige Stoffe wie Quecksilber zum Einsatz kommen, die der Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der Umwelt schaden können. Und: Nur etwa ein Prozent des Goldes stammt bisher aus fairem Handel.

Besser: Recycling-Schmuck

Recycelter Goldschmuck kann aus anfallenden Resten beziehungsweise Abfällen der Industrie hergestellt werden, wenn Edelmetalle wie Gold oder Silber oder auch Materialien wie Messing zum Einsatz gekommen sind – beispielsweise aus Verschnitten, Stanzresten oder Lasercutresten. Außerdem bieten auch Schmuck, Münzen oder Zahnkronen häufig Altgoldquellen. In Scheideanstalten werden die unterschiedlichen Materialien in den Altmetallen in einem chemischen Verfahren im ersten Schritt voneinander getrennt, sodass nur noch sortenreine Rohstoffe vorhanden sind. Diese werden eingeschmolzen, zu Barren gegossen und letztendlich granuliert, sodass das Metall für Schmuck-Hersteller wiederverwendbar ist. Im Gegensatz zu Primärgold, durch das im Abbau und in der Aufbereitung durchschnittlich 30.000 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Gold verursacht werden, entsteht bei Recycling-Gold nur ein Fußabdruck von 50kg CO2 pro Kilogramm Gold. Für die Umwelt - und oft auch für den Geldbeutel - lohnt es sich also, zu Schmuck aus recyceltem Gold zu greifen.

Person schmilzt Altgold ein. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
In Scheideanstalten werden Altgold und industrielle Goldreste eingeschmolzen und von anderen Metallen getrenn. Picture Alliance

Alternativen: Silber und Messing?

Im Gegensatz zu Gold wird Silber häufig als Nebenprodukt bei der Förderung von anderen Metallen gewonnen. Das führt dazu, dass insgesamt deutlich mehr Silber abgebaut wird als Gold. Aber: Es gibt auch reine Silberminen, in denen die sozialen und die Umwelt-Auswirkungen ähnlich problematisch sind wie beim Goldabbau. Silber steht zwar in der Ökobilanz sehr viel besser da als Gold, aber auch hier spart man mit Recycling eine Menge CO2 ein. Edelmetalle sind beim Abbau einfach immer sehr energieaufwendig. Wer aufgrund der sozialen und ökologischen Probleme, komplett die Finger von Gold lassen möchte, dem empfiehlt sich Messing als Alternative. Messing kommt in größeren Mengen vor, ist leichter zu fördern und damit auch nachhaltiger. Außerdem ist das Material recyclebar, hat aufpoliert einen schimmernden Goldton - und deutlich günstiger ist es auch noch.

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