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Mehrweg ist besser als Einweg! Stimmt das echt? Und sind Plastikflaschen wirklich so viel schlechter für Klima und Umwelt als Glasflaschen? Ökocheckerin Katharina Röben hakt nach!

Mehrweg — wie funktioniert das?

Wir haben einen Mehrweg-Tiefstand. 2017 lag der Mehrweganteil von Getränkeverpackungen bei gerade einmal 40 Prozent, 1997 waren es noch 72,3 Prozent. Wir Verbraucher greifen immer öfter zum Einwegprodukt. Dabei gibt es seit 2019 sogar das Verpackungsgesetz. Das schreibt vor, dass eigentlich 70 Prozent der Getränkeverpackungen Mehrweg sein sollten. Davon sind wir also weit entfernt. Einwegflaschen produzieren pro Liter doppelt so viel CO2 wie ihre Mehrweg-Kollegen. Ob es sich um eine Mehrwegflasche handelt, kann man am Mehrwegsymbol erkennen.

Achtung: Nicht mit dem Pfandzeichen verwechseln!

Besonders gut für Klima und Umwelt sind sogenannte Poolflaschen. Dieser „Standard“-Flaschentyp kann von vielen verschiedenen Abfüllern verwendet werden. Damit werden Transportwege und Treibhausgase gespart. Die Wasserflasche hat die charakteristische Perlenprägung, aber auch die klassische Bierflasche ist eine Poolflasche.

Es gilt also: Je ausgefallener eine Flasche aussieht, desto weniger Abfüller können sie verwenden und die Transportwege sind entsprechend länger. Klar, über Geschmack lässt sich streiten – auch bei Getränken. Wer aber nachhaltig unterwegs sein will, sollte auf die Herkunft seiner Getränke schauen. Wer auf lokale Brauereien und Abfüller setzt, tut ebenfalls was fürs Klima, denn der Transportweg bleibt klein.

Der Weg der Mehrwegflasche

Nachdem das Pfand abgegeben wurde, werden die Flaschen nach Flaschentyp sortiert und dann zu den jeweiligen Abfüllern gefahren. Für alle Poolflaschen geht es einfach zum nächstgelegenen Abfüller. Dort werden die Deckel entfernt und die Flaschen gereinigt. Ein Klimavorteil der Plastikflasche: Sie muss nur bei 60 Grad gereinigt werden. Bei Glasflaschen wird 80 Grad heißes Wasser eingesetzt. Eine technische Nase und mehrere Kameras kontrollieren, ob die Flaschen Gerüche angenommen haben oder beschädigt sind.

Wichtig zu wissen: Die Flasche sollte nicht als Aschenbecher benutzt werden, denn dann muss sie dem Kreislauf entzogen werden. Sie landen also im Müll.

Glas- oder Plastik-Mehrweg?

Plastikflaschen haben dank ihres geringeren Gewichts beim Transport die Nase vorn. Allerdings können Glasflaschen häufiger wiederbefüllt werden als Plastikflaschen. An dieser Stelle liefern sich beide also ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Besonders umweltfreundlich sind grüne Glasflaschen, denn sie bestehen bis zu 90 Prozent aus Recyclingmaterial. Bei Weißglas sind es nur 60 Prozent. Die PET-Flasche schneidet in Sachen Recycling mit 30 Prozent Recyclinganteil pro Flasche am schlechtesten ab. Allerdings gibt es hier noch Ökopotenzial: Auf bis zu 50 Prozent könnte der Recyclinganteil erhöht werden.

Der Pferdefuß in der Ökobilanz der Glasflasche ist die Herstellung: Der Energieaufwand beim Schmelzen von Glas ist sehr hoch, dafür kann die Flasche bis zu fünfzig Mal wiederverwendet werden. Die PET-Flasche braucht weniger Energie in der Herstellung, kann aber auch nur 25-mal wiederbefüllt werden.

Übrigens: Wenn mal eine Flasche kaputt geht, sollte sie trotzdem zurückgebracht werden. Das Material kann trotzdem recycelt werden.

Am Ende ist der Unterschied zwischen Glas- oder Plastik kaum der Rede wert! Wichtig ist: Hauptsache Mehrweg!

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