Biomülltonne (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Peter Steffen)

Gemüse, Obst, Essensreste

Was passiert mit unserem Biomüll?

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Daniela Recki
Helge Rosenkranz
Dina Dada
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Leon Kerner

Etliche Tonnen Biomüll werden täglich entsorgt und zu Biogas oder für die Landwirtschaft zu Dünger weiterverarbeitet. Doch wie funktioniert das? Und was gehört in die Biotonne?

In die Biotonne gehört - klar - biologisch abbaubarer Müll. Das kann Grünschnitt, Obst-, Frucht- und Gemüseabfall aber auch ein Essensrest sein. Kochreste haben für die Vergärung des Abfalls besonderes Potenzial und sind daher für Müllverwertungsanlagen besonders wertvoll.

Was noch alles in die Biotonne darf, lesen Sie hier:

Biotonne richtig nutzen

Mehrere Millionen Tonnen Biomüll landen jährlich im Restmüll

Nicht in den Biomüll gehört alles andere. Dennoch verirren sich immer wieder fremde Stoffe in die Tonnen - und auch Biomüll wird häufig in falschen Tonnen entsorgt. So landen laut dem Umweltbundesamt jedes Jahr 3,3 Millionen Tonnen Biomüll im Restmüll und werden dann fälschlicherweise verbrannt. Würde man diese Menge stattdessen in Biogasanlagen verwerten, könnten 165.000 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden!  

Ein junger Mann schüttet Abfall in eine Mülltonne. Je nach Wohnort bezahlen Haushalte in Deutschland nach einer Studie sehr unterschiedliche Müllgebühren. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)
Die richtige Entsorgung von Abfällen ist wichtig. Falsch Entsorgtes kann nur schwer bis gar nicht rücksortiert werden und wird häufig mitverbrannt. picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Wo landet der Biomüll?

Die Müllabfuhr bringt täglich Biomüll in Abfallentsorgungs- und Verwertungsbetriebe - in Köln beispielsweise etwa 136 Tonnen pro Tag. Dort muss er zuerst einmal sortiert werden.

Erster Schritt: Aussortierung von Störstoffen

Hier sollen Störstoffe wie etwa Weinflaschen, Plastikverpackungen und weitere nicht biologisch abbaubare Materialien herausgefiltert werden. Im ersten Sortierschritt ziehen Metallabscheider alles Metallische mithilfe von Magneten aus dem Abfall. Danach muss Kleinteiliges noch per Hand aussortiert werden.

Am linken Bildrand entlädt ein Müllwagen Biomüll auf eine Halde in einer großen Halle. Im Vordergund steht ein Kameramann, der Ökochecker Tobias Koch und Kompostwerk-Sprecher Tilo Dumuscheit neben dem Müllwagen filmt. Am rechten Bildrand erkennt man eine Treppe die zu den Verarbeitungsanlagen führt. (Foto: SWR)
In Köln liegt der Störstoffanteil im Biomüll bei nur einem Prozent.

Übrigens: Auch kompostierbare Biomülltüten und Biokunststofftüten werden aussortiert und landen schlussendlich in Verbrennungsanlagen. Die Tüten bauen sich zwar ab, benötigen aber mehrere Monate zum Kompostieren und damit deutlich länger als der reguläre Biomüll.

Verarbeitung zu industriellem Kompost

Nach dem Aussortieren wird der übrig gebliebene Biomüll zu großen Haufen, sogenannten Mieten, geschichtet. Ähnlich wie beim Gartenkompost zersetzen hier kleine Mikroorganismen das organische Material. Nach vier bis sechs Wochen ist dann Humuserde aus dem Bioabfall entstanden, die vor allem zum Düngen in der Landwirtschaft genutzt wird.

Auch klassischer Kompost eignet optimal als Dünger. Wie der ganz einfach zuhause oder im Garten-eigenen Kompost hergestellt werden kann, können Sie hier nachlesen:

Kreislaufwirtschaft durch Biogasherstellung

Außerdem kann ein Teil des Biomülls in Entsorgungsbetrieben mit speziellen Vergärungsanlagen vergärt werden. In den Vergärungsanlagen wird der Müll in einem großen Kübel, dem sogenannten Fermenter, unter Ausschluss von Licht und Sauerstoff mithilfe von Mikroorganismen abgebaut. Durch diesen Abbauprozess entstehen CO2 und Methan. In einer Aufbereitungsanlage werden die entstandenen Gase dann veredelt, sodass das Gemisch dieselben Eigenschaften wie Erdgas hat.

Dann kann das entstandene Edel-Biogas in die bestehenden Erdgasnetze eingespeist werden und von Privathaushalten und der Industrie zur Stromerzeugung genutzt werden. Außerdem geht ein weiterer Teil in Biogastankstellen, womit dann wiederum die LKWs der Müllabfuhr betankt werden können, die den Biomüll transportieren - Kreislaufwirtschaft also.

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