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Auch ein steiles Grundstück kann zum Nutzgarten werden: Rebstöcke und Brombeere stabilisieren den Hang und eine Unterpflanzung mit Gemüse und Kräutern sorgt für reichlich Ernte.

Der Trend zum Nutzgarten nimmt zu, doch nicht jeder hat einen ebenerdigen Garten mit vielen Quadratmetern. Wie lässt sich zum Beispiel ein Steilhang zum Nutzgarten umgestalten?

Ein zugewuchertes Gartenstück wird vom Efeu befreit und Platz für einen Miniweinberg geschaffen (Foto: SWR)
Steil und zugewuchert: Hier soll ein Nutzgarten entstehen

Gemeinsam mit unserer Gartenexpertin Heike Boomgaarden setzt eine Familie aus Weitersburg die Idee eines kleinen Weinberges um. Zur Verfügung steht ein mit Efeu und Büschen überwucherter kleiner steiler Hang: Er beginnt an der Terrasse mit zwei Reihen schräg übereinander gebauten Pflanzkübeln, geht in ein durchgehend steiles Stück über und endet oben vor dem hohen und blickdichten Zaun des Nachbarn mit drei Reihen Pflanzkübeln.

Schritt 1: Wildwuchs mit Bedacht entfernen

Bei einem verwilderten Grundstück muss zuallererst aufgeräumt werden: Efeu und andere Bodendecker müssen mit den Wurzeln raus, damit sie der Neuanpflanzung nicht das Wasser und die Nährstoffe „klauen“.

Ein von Efeu und Bodendeckern befreites Gartenstück soll zum Weinberg werden (Foto: SWR)
Die Grobarbeiten sind erledigt

Doch Vorsicht ist bei Büschen geboten: Insbesondere im oberen Teil eines Hanges sorgen deren Wurzeln mitunter für Stabilität. Werden sie entfernt, droht spätestens beim nächsten Starkregen ein Erdrutsch. Da ist es besser, die Sträucher radikal zurückzuschneiden, aber in der Erde zu lassen – zumindest solange, bis die Neuanpflanzung den Hang mit ihren Wurzeln zusammenhält.

Schritt 2: Die Planung

Ist das Stück Garten erstmal leergeräumt, bekommt man einen guten Überblick über die Platzverhältnisse und kann sich überlegen, wie viele Pflanzen es an welcher Stelle werden sollen.

In unserem Beispiel-Garten kam dabei heraus:

Die Pflanztröge direkt am Zaun der Nachbarn bleiben leer, direkt davor sollen aber Rankpflanzen zu einem Sichtschutz werden. Im mittleren Teil sollen Rebstöcke den Ton angeben und abgerundet wird das Ganze mit einem zweistöckigen Kräutergarten.

  • eine Kiwi, flankiert von zwei Brombeeren am oberen Ende des Grundstückes
  • sechs Rebstöcke und dazu viel Pfefferminze und ein paar Gemüsepflanzen im mittleren Teil
  • viele unterschiedliche Kräuter für die Pflanztröge an der Terrasse

Schritt 3: Die Pflanzenauswahl

Oberer Teil: Vor Nachbars Zaun

Kiwi: Diese mehrjährige, lianenartig wachsende, sommergrüne Schlingpflanze bevorzugt einen warmen und windgeschützten Standort. Daher bietet sich der Zaun des Nachbarn als Wärmespeicher und Windschutz an. Trotzdem braucht die Pflanze noch ein Klettergerüst. Und: Wer nur eine Kiwi pflanzen will, muss darauf achten, dass sie selbstbestäubend ist und sowohl männliche als auch weibliche Blüten hat, sonst wird es nichts mit den Früchten. Als Sorten bieten sich beispielsweise ‚Jenny‘ oder ‚Boskoop‘ an.

Brombeeren: Damit der Zaun im Winter nicht doch wieder komplett zu sehen ist, werden rechts und links davon je eine stachellose Brombeere gesetzt, sie sind immergrün und bilden im Laufe der Jahre einen schönen Sichtschutz. Und durch ihre Wurzeln tragen sie dazu bei, dass der Hang stabil bleibt.

Insbesondere wer kleine Kinder hat, ist mit einer stachellosen Sorte gut beraten und es gibt viele verschiedene. Beispielsweise ist die Sorte ‚Chester Thornless‘ sehr starkwüchsig und bis zum Frost voller Beeren. ‚Navaho‘ trägt zwar nicht so lange Früchte, dafür sind sie groß und aromatisch und die Pflanze hat sehr stark aufrecht wachsende, lange Ruten und ist robust.

Mittlerer Teil: Der Steilhang

Rebstöcke: Im mittleren Teil werden insgesamt sechs Rebstöcke gepflanzt. Auch sie sorgen mit ihren Wurzeln dafür, dass der Hang nicht abrutscht. Ob mit oder ohne Kerne und welche Sorte ist eine reine Geschmackssache. Und es spricht auch nichts dagegen, unterschiedliche Sorten zu pflanzen. Allerdings rät die Expertin dazu, darauf zu achten, dass alle Sorten resistent, also nicht anfällig für Pilzkrankheiten, sind. So bleiben die Stöcke auch ohne Pestizide frei von Mehltau und Botrytis.

Gartenexpertin Heike Boomgaarden (Foto: SWR)
Gartenexpertin Heike Boomgaarden ist begeistert von echter Pfefferminze

Pfefferminze: Sozusagen als Bodyguard für die Trauben sollen Pfefferminz-Pflänzchen dienen. Sie wachsen flach, werden den Boden bedecken, Unkraut fernhalten und außerdem:

 „Wenn man Pfefferminze unter Trauben pflanzt, hat man einmal den Vorteil, dass sie den Tafeltrauben guttut, das heißt, die Rebstöcke bekommen keine Infektionen. Und wenn die Pfefferminze blüht, kommen ganz viele Insekten und bestäuben die Tafeltrauben.“

Gartenexpertin Heike Boomgaarden

Gemüse nach Geschmack: Dazwischen ist noch reichlich Platz für diverse Gemüsesorten. Die Familie hat sich für Kürbis, Cocktail-Tomaten und Gurken entschieden.

Unterer Teil: Die Pflanztröge

Die Pflanztröge eignen sich hervorragend als Kräutergarten. Unsere Familie hat sich dafür Salbei, Schnittlauch, Thymian und Rosmarin ausgesucht. 

Begranzungspflanztroege mit Salbei, Rosmarin und Thymian (Foto: SWR)
Leicht erhöht und wärmeabgebend: Pflanztröge eignen sich hervorragend zur Bepflanzung mit Kräutern

Die Kosten für alle Pflanzen und die benötigten Pflanzstäbe beliefen sich dabei auf rund 400 Euro.

Schritt 4: Die Bepflanzung

Der Zaun des Nachbarn soll ja aus dem Blickfeld verschwinden. Damit das gelingt, braucht die Kiwi ein stabiles Holzgerüst, an der sie sich zusammen mit den Brombeeren entlanghangeln kann. Wer etwas handwerkliches Geschick hat, kann sich dafür ein maßgeschneidertes Gerüst aus Pflanzstangen bauen.

Hanggarten mit Pflanzenstützen: Geschickt anglegt, läßt sich auch ein steiler Hang zum Garten umwandeln (Foto: SWR)
Der Aufbau steht, jetzt fehlen nur noch die Pflanzen

Und auch die Rebstöcke brauchen eine Stütze, dafür wird pro Rebstock ein Pflanzstock 50 Zentimeter tief in der Erde versenkt.

Gartenexpertin Heike Boomgaarden versenkt Pflanzstab in der Erde (Foto: SWR)
Treffsicher und mit Schmackes: Gartenexpertin Heike Boomgarden demonstriert, wie man Pflanzstöcke in der Erde verankert.

Damit die Kiwi, Brombeeren und Rebstöcke gut anwachsen werden sie vor dem Einpflanzen zuerst in ein Wasserbad getaucht, so saugen sich die Wurzelballen richtig voll mit Wasser. Und bevor die Pflanzen in die Erde kommen, werden die Wurzelballen gelockert. So wird verhindert, dass die Wurzeln weiter im Kreis statt tief in die Erde wachsen.

Pflanzen nehmen vor dem Umzug in den Garten ein ausgiebiges Wasserbad (Foto: SWR)
Einmal volltanken bitte!

Tipp der Expertin: Insbesondere die Kiwi braucht viel Wasser. Damit das an einem Hanggrundstück mit der Bewässerung auch funktioniert empfiehlt es sich, ein Loch oberhalb der Pflanze zu graben. Gießt man da hinein, versickert das Wasser aufgrund der Schräge in Richtung der Wurzel und fließt nicht an der Oberfläche den Hang herunter. Das Gleiche passiert dann auch, wenn es regnet.  Also von oben nach unten betrachtet: Gießloch, Pflanzstock und dann erst die Pflanze.

In einem Hanggarten wird oberhalb einer Pflanze ein Gießloch gegraben (Foto: SWR)
Ein Gießloch an der richtigen Stelle lenkt das Wasser an die Wurzeln!

An die beiden anderen Stangen des Gerüstes werden die beiden Brombeeren gesetzt.

Und an jeden Pflanzstock kommt eine Rebe. Beim Einpflanzen muss man darauf achten, dass man die Trauben nicht zu tief eingräbt, die sogenannte Veredelungsstelle muss auf jeden Fall freibleiben.

Veredelungsstelle an einem Rebstock (Foto: SWR)
Die Veredelungsstelle will an der frischen Luft bleiben!

Danach werden die Pfefferminzpflanzen und das Gemüse auf der verbliebenen Fläche eingebuddelt und die Kräuter in die Pflanztröge gesetzt.

Zum Abschluss muss dann noch alles vorsichtig, aber ausgiebig gewässert werden!

Geduld und konstante Bewässerung So klappt es mit der Neuanpflanzung

Ein Hanggarten ist frisch bepflanzt mit Reben, Kiwi, Gemüse und Kräutern (Foto: SWR)
Jetzt braucht es nur noch etwas Geduld und eine konstante Bewässerung … Bild in Detailansicht öffnen
… dann können im Sommer die Früchte der Arbeit geerntet werden. Bild in Detailansicht öffnen
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