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Homeoffice mit Videokonferenzen. Kinder lernen übers Internet, streamen oder spielen Online-Spiele. Jeder checkt die Corona-News. Halten unsere Netze dieser Daten-Belastung stand? 

Coronavirus: So viele Daten wie noch nie

In Deutschland ist der Datenverkehr in der vergangenen Woche um zehn Prozent gestiegen. Besonders auffällig: Die Datenmengen von Videokonferenzen haben sich verdoppelt.

So ein hohes Datenaufkommen, wie wir es derzeit erleben, hat es noch nie gegeben: 9,1 Terrabit pro Sekunde hat der deutsche Commercial Internet Exchange (Decix) in Frankfurt gemessen. Der Decix ist der größte Internet-Knotenpunkt der Welt. Hier werden die Daten zwischen den Netzen einzelner Anbieter ausgetauscht.

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Hält das Netz diese Belastung aus?

Dass das Netz irgendwann zusammenbricht, darüber müssen sich laut Decix Verbraucher zur Zeit aber keine Sorgen machen: Selbst wenn alle Firmen Europas im Homeoffice arbeiten würden und nebenbei noch die Fußball-EM gestreamt würde, könne Decix die nötigen Internetbandbreiten bereit stellen.

Auch die Netzbetreiber in Deutschland Telekom, Telefonica und Vodafone, die Bundesnetzagentur und der Branchenverband Bitkom sagen, das Netz könne auch noch eine größere Belastung aushalten. Die weitere Entwicklung wollen alle Beteiligten genau beobachten, um bei Bedarf gegenzusteuern.  

Netflix und Youtube drosseln Datenmengen wegen Corona

Die EU möchte trotzdem vorbeugen und hat große Streaming-Anbieter gebeten, ihre Datenmengen um ein Viertel zu drosseln. Die EU musste sich mit dieser Forderung direkt an die Portale wenden. Aufgrund der Netzneutralität dürfen Netzbetreiber nämlich nicht bestimmte Dienste boykottieren, bei der Datenübertragung bevorzugen oder verlangsamen. 

Fernbedienung steuert Streaming-Angebot (Foto: Glenn Carstens-Peters / Unsplash)
Einige Streaming-Anbieter drosseln bereits deutlich ihre Datenrate, um die Netze in der Corona-Krise weniger zu belasten. Glenn Carstens-Peters / Unsplash

Netflix ist dieser Bitte bereits nachgekommen. Auch auf YouTube gibt es alle Videos einen Monat lang nur noch in SD-Qualität, um die Datenmenge zu reduzieren und die Netze zu entlasten. Das hilft, das Netz während der Zeiten zu entlasten, in denen viele Menschen aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause sind: Ein UHD Video hat eine Datenrate von bis zu 40 Mbit/s, HD grob die Hälfte. Die einfache Auflösung SD, auf die YouTube jetzt drosselt, hat sogar nochmal die Hälfte. Das macht also etwas aus, schließlich kommt mehr als 50 Prozent des Netzverkehrs vom Streaming.

Allerdings: Dass die Netze geschont werden, wird manchen Streaming-Nutzer ärgern. Denn die Qualität der Videos ist nun während der Corona-Pandemie natürlich deutlich reduziert.

Halten auch die Handynetze der Corona-Krise stand?

Viele nutzen das Internet mobil. Allerdings sind die Übertragungsraten dabei schon begrenzt. Und alle Netzbetreiber in Deutschland sagen: Es ist noch viel Luft nach oben und die Netze halten. In anderen Ländern, wie in der Schweiz, waren die Netze unter Druck. Bei uns ist das bislang aber entspannt: Die aktuellsten Zahlen von vergangener Woche zeigen, der Netzverkehr ist um 10 Prozent gestiegen. Das ist kein sprunghafter Anstieg, der uns Sorgen machen muss.

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