Als erstes Kreuzfahrtschiff der Saison 2021 in Warnemünde läuft die "Aidasol" in den Seekanal ein. Das Ostseebad Warnemünde war zum letzten Mal am 02.10.2020 Ziel für ein reguläres Kreuzfahrtschiff mit Passagieren an Bord, als die "Europa" als einziges Schiff der Saison einlief.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck)

Klimakiller Kreuzfahrtbranche

Kreuzfahrt-Anbieter sprechen mit Umweltschützern

STAND
AUTOR/IN

Kreuzfahrtschiffe und Nachhaltigkeit - passt bisher nicht zusammen. Die Dampfer glänzen zwar mit Luxus, aber definitiv nicht mit einer guten Umwelt-Bilanz. Das ließe sich ändern...

Der Naturschutzbund (NABU) diskutiert mit Vertretern von Aida, Tui und MSC über die Zukunft der Kreuzschifffahrt. Was soll dabei herrauskommen?

Der NABU möchte im direkten Gespräch herausfinden, was die führenden Reedereien in Deutschland in ihrer Corona-Zwangspause gemacht haben, um Kreuzfahrten klima- und umweltfreundlicher zu machen. Vor allem fordert der NABU eine schnelle Umrüstung der Flotten und bis 2050 sollen Kreuzfahrtschiffe, dank neuer Antriebstechnologien, emissionsfrei fahren. Aktuell ist aber das Umweltfreundlichste, was die großen Anbieter haben, Schiffe mit Gasantrieb. Da sind wir aber noch lange von einer Emissionsfreiheit, vor allem von einer CO2-Neutralität, entfernt.

Im Ranking 2020, also vor genau einem Jahr, haben die Naturschützer jedenfalls festgestellt, dass es bei keiner Reederei eine nachvollziehbare Strategie gab, die Klimaziele von Paris einzuhalten.

Sind Kreuzfahrten damit immer noch das Umweltschädlichste in Sachen Urlaub?

Pauschal kann man das so nicht sagen. Aber sieben Tage mit dem Kreuzfahrtschiff auf dem Mittelmeer zu verreisen sorgt, laut Umweltbundesamt für knapp zwei Tonnen CO2 - ohne die möglichen Zubringer-Flüge zum Starthafen und wieder zurück nach Deutschland. Startet die Kreuzfahrt auf den Kanaren kommen nochmal etwa 1,5 Tonnen CO2 obendrauf. Das ist in Summe schon sehr viel für eine Woche Urlaub auf dem Schiff und übersteigt etwa den Schadstoffausstoß einer Flugreise nach New York.

Passagiere stehen auf den Balkonen vom Kreuzfahrtschiff "Aidasol". Als erstes Kreuzfahrtschiff der Saison 2021 in Warnemünde läuft die "Aidasol" in den Seekanal ein. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck)
Nach der Corona-Zwangpause stechen nun wieder viele Kreuzfahrt-Schiffe in See. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Doch selbst umweltfreundlichere Kreuzfahrtschiffe, die nicht mehr mit Schweröl fahren, sind immer noch weit entfernt vom Prädikat „umweltfreundlich“. Wenn auch einige Reedereien nun schon Schiffe mit Flüssigerdgas in der Flotte haben, mit einem großen Vorteil: hier werden die Abgase verringert. Vor allem der Ausstoß von Feinstaub und Schwefeloxiden geht dabei stark zurück. Aber die CO2-Emissionen bleiben dennoch hoch. Man geht von einer Reduktion von zehn bis maximal 20 Prozent aus.

Die Kreuzfahrtbranche liegt am Boden wegen Corona. Wäre es damit nicht an der Zeit, die Flotten nun nachhaltiger zu machen?

Der Boom der Kreuzfahrten hat, durch die Pandemie, zwar eine Pause gemacht, aber es geht tatsächlich schon wieder los: aktuell sind etwa 50 Prozent der Kreuzfahrtschiffe schon wieder weltweit unterwegs. Doch in der Zeit der Lockdowns war Klimaschutz wahrscheinlich nicht das Erste, an das die Reedereien gedacht haben, nachdem ihr gesamter Umsatz weggebrochen war.

Ein Umdenken kommt also am ehesten durch politische Vorgaben. Die EU beispielsweise möchte bis 2050 die verkehrsbedingten Emissionen um 90 Prozent senken. Dazu müssen alle Verkehrsträger, auch die Schifffahrt, beitragen. Am Ende wird also die Nachhaltigkeit von Kreuzfahrten hauptsächlich durch diesen "Green Deal" der EU erzeugt werden.

Venedig und der Kampf gegen die Kreuzfahrtschiffe

Venedig und der Kampf gegen die Kreuzfahrtschiffe  mehr...

Tourismusbranche in der Krise Reisemesse ITB - Ökotourismus statt Pauschalreise?

Der Himmel ist strahlend blau und erstaunlich leer - wohl eine der wenigen guten Seiten der Pandemie: Weniger Flugverkehr, Kreuzfahrtschiffe und Menschenmassen tun der Umwelt gut. Natürlich wird und soll der Tourismus wiederkommen. Aber einfach weitermachen wie bisher? Bitte nicht.  mehr...

STAND
AUTOR/IN